Netzwerktag

“Ein Mann ist keine Altersvorsorge“

Frauen im Beruf stärken: Teamleiterin Laura Rauschnick berichtet vom DGB-Projekttag „Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!“

Laura Rauschnick (33) ist Projektleiterin beim DGB im Bereich Frauen-, Gleichstellungs- und Familienpolitik

Laura Rauschnick (33) ist Projektleiterin beim DGB im Bereich Frauen-, Gleichstellungs- und Familienpolitik

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Finanzielle Abhängigkeit vom Partner, bei Laura Rauschnick gehen dabei immer die Alarmglocken an. „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“, sagt die 33-Jährige. Hinzukommt: Frauen ziehen noch immer im Beruf den Kürzeren, sagt sie. Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Berlin leitet Laura Rauschnick seit 2017 das Projekt „Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!“.

Mit konkreten Tipps und Aufklärung wollen sie und ihr Team im Rahmen eines Netzwerkstages an Frauen herantreten, sie ermutigen, für ihre Rechte einzutreten und ihnen gleichzeitig Möglichkeiten und Wege aufzeigen. Wie kann ich in Ehe oder Partnerschaft wirtschaftlich unabhängig bleiben? Was muss ich für meinen beruflichen Werdegang wissen, wenn ein Kind unterwegs ist? Wie setze ich mich in Bewerbungsgesprächen als Frau durch?

Netzwerktag richtet sich an Frauen von 18 bis 35 Jahren

All diesen Fragen wird am 16. November auf den Grund gegangen. Einen ganzen Tag lang gibt es im Space Shack in Schöneberg, einem hippen Veranstaltungs- und Coworking-Areal in der Akazienstraße, Vorträge und Workshops für Teilnehmerinnen. Gefördert wird der Tag vom Bundesfamilienministerium. Wer dabei sein will, kann sich unter www.was-verdient-die-frau.de/netzwerktag anmelden. Die Veranstaltung ist für Teilnehmer kostenlos. Alles steht unter dem Motto „Bildet Banden!“. Angesprochen sind vor allem Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren. „Es geht darum, Frauen zu stärken.“

Selbstbestimmung und Absicherung für die Zukunft: Da denken viele gleich an Altersvorsorge. Ein gerade im jungen Alter äußerst unattraktives Thema, sagt die DGB-Projektleiterin. Und dennoch wichtig. „2/3 der Frauen haben kein existenzsicherndes Einkommen, um für das Alter vorzusorgen.“ Sie verlassen sich auf das gute Gehalt ihres Partners. Noch immer sind es meist die Frauen, die in den ersten Lebensmonaten der Kinder zuhause bleiben. Wer im Job fehlt, bezieht am Ende aber auch weniger Rente. Deshalb gilt es, Frauen für Themen wie Finanzen, Berufseinstieg, Partnerschaftlichkeit und Empowerment zu sensibilisieren und ihnen die Scheu davor zu nehmen, findet Laura Rauschnick.

Der Vormittag wird politisch, am Nachmittag interaktiv

Der Vormittag wird politisch, kündigt die Projektleiterin an. Ihr Team konnte junge Frauen aus der Politik für diesen Tag gewinnen. Den Anfang unter den Gastrednerinnen macht Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium. Ihr folgen SPD-Bundestagsabgeordnete Josephine Ortleb, Jenna Behrends, CDU-Bezirksverordnete für Mitte, FDP-Bundestagsabgeordnete Gyde Jensen, Özlem Alev Demirel, FDP-Mitglied im Europaparlament sowie Laura Wahl, Grünen-Kandidatin für die Landtagswahl in Thüringen am Sonntag. Das Besondere: Die Teilnehmerinnen im Publikum können über eine Smartphone-App abstimmen, in welche thematische Richtung die weitere Diskussion gehen soll.

Der Nachmittag besteht aus Workshops. „Hier steht das Empowerment im Vordergrund“, so Laura Rauschnick. Es geht also um die Stärkung der Frau und um die Klärung der Frage, was Frauen brauchen, um wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erlangen.

Laura Rauschnick: Frauen sollten „ihre eigenen Rechte kennen“

Zentral dabei ist aus Sicht der Projektleiterin: „Die eigenen Rechte kennen.“ Laura Rauschnick betont immer wieder, wie wichtig die finanzielle Allgemeinbildung ist. Die Politik sieht sie ebenso in der Pflicht. So müsse etwa bei der Lohnangleichung nachgebessert werden. Bis heute liegen die Gehälter von Frauen in Deutschland im Durchschnitt noch immer 21 Prozent unter denen der Männer. Besteuerung und Aufstiegschancen müssen fair sein. Außerdem müsse die Idee der Haus- und Familienarbeit neu gedacht werden. Auch wenn ein Wandel angestoßen ist, in den meisten Fällen wird diese noch immer von Frauen übernommen, sagt Laura Rauschnick.

Und noch immer gibt es Berufe, die entweder von Frauen oder von Männern dominiert werden. Dass diese Struktur durchbrochen werden kann, zeige laut Laura Rauschnick am Beispiel der BVG. Von den 837 Neueinstellungen im vergangenen Jahr waren 212 Frauen. Das Berliner Unternehmen hat sich im Rahmen eines Frauenförderplans ganz konkrete Ziele gesetzt. Darunter ist die Erhöhung der Frauenquote auf 27 Prozent bis 2022, gleiche Zugangschancen gewährleisten, Arbeitsbedingungen an Bedürfnisse von Frauen anpassen und flexible Arbeitszeiten. Außerdem sollen für Frauen und Männer gleichermaßen Anreize entstehen, Elternzeit zu nehmen.

Wenn Unternehmen also sagen, sie könnten schlicht keine Frauen für sich gewinnen, sagt Laura Rauschnick nur: „Es gibt da keine Ausreden“.

Eigene Workshops zum Thema durchführen, geht auch: Der DGB bietet dafür auf der Plattform „Sprungbrett in Aktion“ unter www.was-verdient-die-frau.de/sia Materialien zu unterschiedlichen Schwerpunkten.