Grünpflege

Berliner Amt „entlässt“ ehrenamtliche Grünflächen-Pflegerin

Bettina Heidergott-Mazzega darf die Wegpflege in ihrer Gartenkolonie nicht mehr übernehmen. Das Amt kündigte sie aus ihrem Ehrenamt.

Viele der Sträucher an den Wegen der Gartenkolonie Bergfrieden hat Bettina Heidergott-Mazzega selbst gepflanzt.

Viele der Sträucher an den Wegen der Gartenkolonie Bergfrieden hat Bettina Heidergott-Mazzega selbst gepflanzt.

Foto: Julia Lehmann

Bettina Heidergott-Mazzega gibt sich kämpferisch. Über acht Jahre lang übernahm sie kostenlos die Pflege der Wege in der Tempelhofer Kleingartenanlage Bergfrieden, in der sie Mitglied ist. Pflanzen habe sie immer wieder aus eigener Tasche finanziert. Im Frühjahr des vergangenen Jahres hatte das Grünflächenamt Tempelhof-Schöneberg sogar eine Pflegevereinbarung für den Koseler sowie Marksweg mit der Ehrenamtlerin vereinbart. Das Amt signalisierte stets Zufriedenheit.

Im März dann die Überraschung: Das Grünflächenamt teilt ihr schriftlich mit, dass es die Pflegevereinbarung beendet. Seitdem ist die Welt von Bettina Heidergott-Mazzega nicht mehr dieselbe.

Man sollte meinen, dass jeder in der Gartenanlage zufrieden und dankbar ist, wenn sich jemand kostenlos für die Gemeinschaft einsetzt. In der Kolonie Bergfrieden, eine gepflegte Anlage, die schon fast einem Park mit kleinen Häuschen gleichkommt, ist das anders.

Ständigen Mobbingattacken ausgesetzt

Schon länger muss Heidergott-Mazzega Mobbingattacken eines Mannes aus der Gartenkolonie über sich ergehen lassen. In einem regelrechten Beschwerdehagel gingen lange Schreiben beim Bezirksamt ein: Darin wirft der Mann der 56-Jährigen die unterschiedlichsten Verstöße vor.

In einem Schreiben, das der Berliner Morgenpost vorliegt, behauptet er etwa, Bettina Heidergott-Mazzega würde ihre Arbeit bis in die Abendstunden ausdehnen und Gartengeräte dabei in der Dunkelheit auf dem Weg herumliegen lassen.

Beschwert hatte sich der Mann auch immer wieder über ihren Hund, den sie ohne Leine durch die Anlage laufen lassen würde. „Alles gelogen“, sagt die Gartenbesitzerin. Bettina Heidergott-Mazzega spricht von einem Denunzianten. Im vergangenen Jahr nahm sie sich sogar einen Anwalt zur Hilfe. Seitdem würde er ihr inzwischen auch über Dritte das Leben schwer machen.

Heidergott-Mazzega: „Es geht mir um Gerechtigkeit und Moral“

Bettina Heidergott-Mazzega ist sich sicher, dass die immer häufigeren Beschwerden dieses einen Mannes der Grund dafür sind, dass man ihr die Pflegevereinbarung gekündigt habe. Das Amt habe sich der Arbeit, die mit den Schreiben des Mannes einhergeht, nicht länger aussetzen wollen, sagt sie. „Er kann nicht ab, wenn andere gelobt werden.“

Sie spricht von einem Narzissten und Querulanten. In einem Schreiben des Grünflächenamts an den betroffenen Gartenbesitzer, das der Berliner Morgenpost vorliegt, heißt es, die permanente Beschwerdeflut des Mannes würde das Amt „in seiner Arbeit regelrecht lahmlegen“. Heidergott-Mazzega ist sauer darüber, dass die Mitarbeiter des Amts ihr nicht zur Seite stünden. „Es geht mir um Gerechtigkeit und Moral“, sagt sie.

„Das Grünflächenamt hat die Nerven verloren“, meint Klaus-Peter Golz, Vorstandsvorsitzender der Gartenkolonie Bergfrieden. Auch er halte nichts von der Reaktion des Amts. Diese sei „menschlich verständlich, aber für eine Verwaltung grottenschlecht“, so Golz.

Gartenkolonie steht hinter der Ehrenamtlerin

Auch wenn die Kolonie als Verein nichts mit dem Konflikt zu tun habe, stehe man hinter Bettina Heidergott-Mazzega. So wie viele andere auch, sagt sie selbst. Sie fühle sich von den Menschen aus ihrem Umfeld wertgeschätzt und anerkannt. Auch im Bezirksamt habe man ihre Arbeit immer wieder gelobt, berichtet sie.

Yvonne Lambrecht hat seit 17 Jahren einen Garten in der Anlage und kennt Heidergott-Mazzega seit Langem. Über den besagten Mann aus der Gartenkolonie sagt sie: „Wir sind alle mit ihm beschäftigt.“ Hingegen würde sie Bettina Heidergott-Mazzega als sehr engagierte und kommunikative Person erleben.

Für die 56-Jährige, die krankheitsbedingt keinem Beruf mehr nachgehen kann, ist die Arbeit in der Gartenkolonie mehr als nur ein Zeitvertreib. „Sie strukturiert meinen Tag“, sagt Heidergott. Ihr Selbstbewusstsein hätte nach dem langen Zustand der Krankheit stark gelitten. Ihr Engagement hole das in ihr zurück. Seit 25 Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Mann eine kleine Laube mit gepflegtem Garten. Stolz zeigt sie die Wege, die bis März dieses Jahres noch ihrer Pflege unterlagen.

Keine Auskunft zur Kündigung aus dem Amt

Nachdem das Amt die Kündigung ausgesprochen hat, übernehmen nun die Mitarbeiter die Pflege, heißt es aus dem Grünflächenamt unter Stadträtin Christiane Heiß (Grüne). Aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ gebe man zur Kündigung keine Auskunft. Bestätigt wird lediglich, dass Bettina Heidergott-Mazzega einige Jahre als ehrenamtliche Grünflächen-Pflegerin im Bezirk tätig war.

„Wir haben ihr die Gründe mehrfach in persönlichen Gesprächen erläutert – es tut uns sehr leid, wenn sie unsere Entscheidung nicht akzeptieren kann, wir sehen aber keine Möglichkeit, die Pflegevereinbarung weiterzuführen“, heißt es.

Bettina Heidergott-Mazzega will sich weiterhin treu bleiben können und deshalb auf ihre Geschichte aufmerksam machen. „Ich mach‘ mein Ding“, sagt sie.