Nachwuchspädagogen

4500 Interessenten am Lehrerberuf beim „Berlin-Tag“

Noch immer suchen Berliner Schulen und Kitas händeringend Personal. Etwa 4500 mögliche Interessenten kamen nach Tempelhof.

In Berlin gibt es noch immer nicht genug Lehrer.

In Berlin gibt es noch immer nicht genug Lehrer.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Berlin. Thomas Müller, Biologe und kurz vor dem Abschluss seiner Promotion, möchte Lehrer werden. „Ich habe Lust darauf, in eine Grundschule zu gehen“, sagte er. „Aber auf einer weiterführenden Schule könnte ich mein Wissen besser vermitteln.“ Um sich über seine Zukunft klar zu werden, war der 35-Jährige am Sonnabend zum „Berlin-Tag“ im Hangar 5 auf dem Tempelhofer Feld gekommen. Es ist eine Berufs- und Informationsmesse im Bildungsbereich, zu der die Senatsbildungsverwaltung eingeladen hat.

An mehr als 140 Ständen stellten sich dort Berliner Grundschulen und Oberschulen, Oberstufenzentren und Träger von Kindertagesstätten vor. Sie informierten über das Profil ihrer Einrichtung, über Arbeitsbedingungen und Besonderheiten. Vor allem an Quereinsteiger aus anderen Berufen richtete sich das Angebot. Etwa 4500 Besucher waren am Sonnabend gekommen.

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Der Biologe Thomas Müller wollte sich über Einzelheiten der Ausbildung informieren. „Ich nehme an, dass sehr viel Druck auf den Quereinsteigern liegt, weil sie möglichst schnell unterrichten sollen“, sagte er. So wie der Naturwissenschaftler laufen Hunderte weitere Interessenten durch die Gänge im Hangar, studieren aufmerksam die Infotafeln und unterhalten sich mit Schulleitern und Pädagogen.

Schulen suchen Lehrer für Mathe, Physik oder Musik

Schulleiterin Daniela Mroncz von der Wolfgang-Borchert-Schule in Spandau sucht vor allem Mathematik- und Physiklehrer. „Der persönliche Austausch ist wichtig“, sagte die Pädagogin. „Es kommt darauf an, dass man zueinander passt.“ Auf den Tischen der Infostände stapelten sich Broschüren und Info-Flyer. Videos wurden am Laptop gezeigt. Oft stand auch eine Schale mit Bonbons bereit. Wer etwa am Stand der Sophie-Brahe-Schule in Plänterwald mit Schulleiterin Dietlinde Marunke ins Gespräch kam, konnte von den Haferkeksen kosten, die eine Schülerfirma gebacken hat. Die Schule benötige einen Musiklehrer, sagte Leiterin Marunke.

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Ein Stofftier mit Nickelbrille auf der langen Nase stand auf dem Tisch der Spandauer Grundschule am Birkenhain. „Das ist Birki, unsere Leseratte“, erzählte eine Pädagogin. Lesen sei besonders angesagt in der Einrichtung. „Wir haben eine Schulbücherei eingerichtet, mit kleinen Lesehäuschen und Hockern.“

Bei den Kita-Trägern sah sich Carsten Pippke um. Er arbeitet seit 18 Jahren in der Verwaltung. „Es ist Zeit für eine Neuorientierung“, sagte der 35-Jährige, der gerne Erzieher werden möchte. Am Stand der Kindertagesstätten Südost bekam er dazu umfangreiches Infomaterial. Im Oktober will er sich bewerben.

Die Messe „Berlin-Tag“ gibt es seit 2015. Sie findet zwei Mal im Jahr statt.