Dürresommer

Opfer der Trockenheit: Bezirk fällt Bäume im Kleistpark

Weil sie den zweiten trockenen Sommer in Folge nicht überstanden haben, mussten im Schöneberger Kleistpark Bäume entfernt werden.

Der Kleistpark ist für seine Grünanlagen und die Statue des Rossebändiger bekannt. Hier ist auch der Sitz des Kammergerichts.

Der Kleistpark ist für seine Grünanlagen und die Statue des Rossebändiger bekannt. Hier ist auch der Sitz des Kammergerichts.

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening Berlin / Arco Images

In der vergangenen Woche hatte es eine ganze Reihe Bäume im Heinrich-von-Kleistpark getroffen. In dieser Woche gehen die Baumfällungen in Tempelhof-Schöneberg weiter. Der zweite trockene Sommer in Folge sowie Pilzbefall haben dazu geführt, dass acht Buchen und drei Hainbuchen im Kleist-Park gefällt werden mussten.

Immer häufiger treten sogenannte Schwächeschädlinge auf. Das können Pilze oder Bakterien sein, deren Ausbreitung durch die sinkende Widerstandsfähigkeit der Bäume noch begünstigt wird.

In dieser Woche müssen zwei weitere Straßenbäume gefällt werden. Der Ahorn in der Groß-Ziethener-Straße in Lichtenrade ist bereits so morsch, dass die erforderliche Restwandstärke nicht mehr gegeben ist. Bei einer Birke in der Rönnebergstraße in Friedenau wurde Pilzbefall am Stamm festgestellt.

Herabfallende Äste und Laubabwurf sind die Folge

In allen Fällen ist die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben, hieß es aus dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Um herabfallende Äste vorzubeugen, sei schnelles Handeln notwendig gewesen. Ersatzpflanzungen sind geplant.

Aufgefallen waren die geschädigten Bäume in der vergangenen Woche bei einer der regelmäßigen Baumkontrollen im Bezirk. Insgesamt leiden aber die Bäume der gesamten Stadt unter der Trockenheit.

Gut zu erkennen ist dies an verkahlten Baumkronen und dem verfrühten Laubabwurf, der eigentlich erst mit dem Herbst zu erwarten ist.

Bäume leiden in der ganzen Stadt

Betroffen sind aber nicht nur Straßenbäume. Auch in Grünanlagen, Schulhöfen oder Sportplätzen zeigt sich dasselbe Bild. Besonders stark leiden Arten wie Birke, Rotbuche, Bergahorn, Linde und Eiche. Aber auch Nadelgehölze wie Kiefer und Fichte.

Wo sich unter dem Erdreich aufgeschichtetes Geröll befindet, haben es die stummen Riesen besonders schwer. Dort kann sich das wenige Wasser besonders schlecht halten.

In Charlottenburg-Wilmersdorf beispielsweise würden 20.000 Straßenbäume „relevante Mängel“ aufweisen, teilte Oliver Schruoffeneger, Umweltstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, kürzlich mit. Er kritisierte die zu geringen Mittel von weniger als 50 Euro, die die Bezirke für die Pflege eines Baums pro Jahr erhalten würden. Notwendig seien 85 Euro, so Schruoffeneger.

Zusätzliches Gewicht durch ausgeprägten Fruchtbehang

Laut Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf werden „voraussichtlich 6.500 Bäume im Bezirk die diesjährige Dürre nicht überleben“. Im Bezirk ist noch ein weiteres durch Trockenheit bedingtes Phänomen aufgefallen: Viele Bäume weisen einen ungewöhnlich ausgeprägten Fruchtbehang auf. Dieses zusätzliche Gewicht belastet die Äste, die deshalb Gefahr laufen abzubrechen.

Baumkontrollen auf dem Insulaner und dem Friedhof in der Eytstraße in Tempelhof haben gezeigt, dass weitere 320 Bäume abgestorben sind. Dort sind vor allem Flachwurzler wie Birken, Fichten und Buchen betroffen.

Mit Kosten von 150 bis 500 Euro pro Baumfällung könne das Bezirksamt für die entstehenden Summen nicht mehr allein aufkommen, hieß es aus dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Wenn Bäume besonders groß sind oder eine komplizierte Lage haben, könnten auch gern einmal Kosten von circa 2000 Euro für Klettertechnik anfallen.

194.000 Euro für Baumpflege im Haushalt 2020/21

Im jüngst durch die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg beschlossenen Haushalt für die Jahre 2020/21 sind 194.000 Euro für die Pflege der etwa 36.0000 Straßen-, 17.000 Park- sowie 5000 Bäume auf den landeseigenen Friedhöfen und weiteren 5000 auf Schul- und Sportanlagen eingeplant, hieß es am Montag vonseiten der Bezirksverwaltung.

In noch unbekannter Höhe stellt darüber hinaus der Senat Mittel bereit. Die Hälfte der erzielten Gewinne aus der Parkraumbewirtschaftung werde für Neupflanzungen bereitgestellt, die die Verluste kompensieren sollen. Die Pflanzung eines neuen Baumen inklusive der nötigen Anwachspflege über mehrere Jahre würde allein gut 2000 Euro verschlingen.

Weitere 600.000 Euro sind dem Grünflächenamt für die Unterhaltung und Pflege der Bäume zugesprochen worden.

Bezirk will Kleistpark wiederherstellen

Der Fachbereich Grünpflege will den Kleistpark in den nächsten Jahren gartendenkmalpflegerisch wiederherstellen. Die Grünenfraktion der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg hat einen Antrag eingebracht, laut dem Anwohner in Form einer Diskussionsrunde in die Pläne vorab miteinbezogen werden sollen. Die BVV will am Mittwoch, 18. September, 17 Uhr, über den Antrag entscheiden.