Umbau

Lichtenrader wünschen sich lebendige Bahnhofstraße

Die Lichtenrader Bahnhofstraße soll nach ihrem zweijährigen Umbau attraktiver werden und Orte zum Verweilen bieten.

Unweit des S-Bahnhofs Lichtenrade stehen seit gut einer Woche diese Sitzbänke. Der Bezirk hat sie in der Bahnhofstraße aufstellen lassen, um einen Vorgeschmack auf die Umbauarbeiten ab dem kommenden Herbst zu geben.

Unweit des S-Bahnhofs Lichtenrade stehen seit gut einer Woche diese Sitzbänke. Der Bezirk hat sie in der Bahnhofstraße aufstellen lassen, um einen Vorgeschmack auf die Umbauarbeiten ab dem kommenden Herbst zu geben.

Foto: Julia Lehmann

Einiges los in der Bahnhofstraße in Lichtenrade: Am Mittwoch zieht es die Menschen nach draußen auf die durch Geschäfte gesäumten Bürgersteige, zum Einkaufen, zum Frisör, zum Plausch in eines der Cafés. Es ist angenehm warm und sonnig. Ideal.

So gut besucht ist Lichtenrades Zentrum aber nicht immer. Nach 18 Uhr, sagt Giuseppe Giganti, sei die Bahnhofstraße tot. Giganti hat ein Eiscafé in der Straße und als eines der wenigen Geschäfte bis neun oder zehn Uhr abends geöffnet. Viele seiner Stammgäste kommen dann.

Er sagt, mehr Geschäfte würden die Straße wieder lebendiger machen, und so lautet auch sein Wunsch mit Blick auf die geplanten Umbauarbeiten in der Bahnhofstraße, die nun im Herbst des kommenden Jahres beginnen sollen. Zunächst war der Baustart ein paar Monate früher angesetzt. Mehr Restaurants, mehr Geschäfte, ein abwechslungsreiches Ortszentrum, das wär’s, findet Giuseppe Giganti.

Licht und Leitsystem werden neu konzipiert

Das Gestaltungskonzept, das die Firma Asphalta aus Falkensee erstellt hat, umfasst Punkte wie Licht, Leitsystem sowie eine Machbarkeitsstudie zum Lieferverkehr. In Diskussionsrunden wurden Ideen zusammen mit Bürgern und Gewerbetreibenden entwickelt.

Der Umbau verläuft parallel zu den Arbeiten an der Dresdener Bahn am angrenzenden S-Bahnhof Lichtenrade und soll voraussichtlich 2022 beendet sein. Eine Doppelbelastung und ein langer Zeitraum, in dem Autofahrer eine Umfahrung in Kauf nehmen müssen.

Die zentral gelegene Einkaufstraße soll insgesamt attraktiver werden. Wie das aussehen kann, sollen zwei massive Holzbänke in L-Form zeigen. Vor knapp zwei Wochen wurden sie vom Gebietsgremium Aktives Zentrum Lichtenrader Bahnhofstraße eingeweiht und stehen seither vor der Bahnhofstraße 29, vor dem Weinhandel Barrique von Rainer Wolters. Er hat dem Aufstellen der Bänke unmittelbar vor seinem Laden zugestimmt und hat nun einen guten Blick auf das Geschehen. Aber er ist skeptisch.

Bisher würden vor allem ältere Menschen die Bänke zum Verschnaufen oder Jugendliche am Abend als Treffpunkt nutzen. Ab und an würden sich dort aber auch „Trinker“ aufhalten. „Ich hoffe, dass die breite Bevölkerung die Bänke annimmt“, sagt Wolters. An der Rückenlehne angebrachte Blumenkübel lassen die naturbelassenen Holzbänke gemütlich, aber auch ausgesprochen ordentlich erscheinen.

Lichtenrader wünschen sich mehr Sitzbänke

Gisela Krüger (81) und ihre Tochter Monika Klockow (56) lassen sich am Mittwochmittag mit ihren Einkäufen für ein paar Minuten dort nieder. „Wunderbar“, sagen beide Frauen. Gisela Krüger geht an einer Krücke. Eine Sitzgelegenheit in der Straße sei wichtig für sie.

Das findet auch Klaus-Dieter Reinhardt (69). Er laufe beinahe jeden Tag die Bahnhofstraße entlang. Sitzbänke, gerade für die älteren Lichtenrader, vermisse er zunehmend, sagt er und zeigt auf zwei rote Bänke aus Eisen. Die einzigen weit und breit, sagt Reinhardt. Gegen die Bahnhofstraße selbst könne er nichts sagen. Nur das zunehmende Ladensterben bedaure er sehr.

Mehr Sitzgelegenheiten: Diesen Wunsch hat die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen gehört. Die beiden Holzbänke sollen ein Ausblick auf das neue Straßenmobiliar sein. Wenngleich zunächst nur temporär. Mit Beginn der Bauarbeiten müssen sie noch einmal weichen. Sie sind eh nur ein Teil von zuweilen aufwendigen Neugestaltungen von Bürgersteig und Straße.

Auch Kinder wurden befragt

Mehr Fahrradstellplätze und eine Bücherzelle zum Austausch von Literatur sollen die Straße auflockern. Mittels sogenannter Spielleitplanung und Befragungen wurden auch die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen nach Aufenthaltsmöglichkeiten berücksichtigt. Aussagen über die Gesamtkosten des Projekts könne man noch nicht treffen, heißt es aus dem Bezirksamt auf Nachfrage der Berliner Morgenpost.

Wenn die Verkaufsstraße fertiggestellt ist, dürfen die beiden Holzbänke zusammen mit anderen „Orten der Begegnung“, wie es im Konzept heißt, zurückkehren. Den Lichtenradern bleibt zu wünschen, dass mit dem Mobiliar auch die vermisste Lebendigkeit wieder einzieht.