Jubiläum

40 Jahre Ufa-Fabrik: Ein Blick hinter die Kulissen

Auf dem Gelände in Tempelhof wurden einst Filme auf Zelluloid gebannt. In diesem Jahr feiert das Kunst- und Ökoprojekt 40. Geburtstag.

In der Ufa-Fabrik kann man auch lecker essen. Die Ufa-Fabrik-Urgesteine Sigrid Niemer und Juppy Becher werden im „Café Olé“ von Kerstin Zobel bedient.

In der Ufa-Fabrik kann man auch lecker essen. Die Ufa-Fabrik-Urgesteine Sigrid Niemer und Juppy Becher werden im „Café Olé“ von Kerstin Zobel bedient.

Foto: Franz Michael Rohm

Seit 1979 zählt die Ufa-Fabrik zu den Konstanten des West-Berliner Kulturbetriebs. Hervorgegangen aus einer friedlichen Besetzung erhielt das Öko- und Kulturprojekt bald darauf einen Mietvertrag vom Berliner Senat. Heute leben etwa 40 Menschen auf dem Gelände, mehr als doppelt so viele arbeiten dort im Veranstaltungsbereich, auf dem Kinderbauernhof, im Café-Restaurant, im Nachbarschaftszentrum, in der Freien Schule, im Öko-Bereich oder im Kinderzirkus. Wir stellen einige von ihnen vor.

Eine junge Frau kauft bei Sabina Saracevic Karten für die Theater-Installation „Willkommen im Wonderland“. „Für welchen Tag?“, will die 48-Jährige am Counter wissen. „Für Sonnabend“, antwortet die Kundin und zeigt ihren Studentenausweis, um eine Ermäßigung zu erhalten. Nebenbei spielt Sabina Saracevic leidenschaftlich Ukulele und will Ende Oktober ein zweitägiges Festival veranstalten.

Tierpfleger Jan Barczik vom Kinderbauernhof erhält Besuch von der Tierärztin. Denn seit geraumer Zeit lahmt das 27 Jahre alte Shetland-Pony Lotte. „Eine Arthrose“, diagnostiziert Veterinärmedizinerin Juline Meinhold. Die 29-Jährige verordnet dem Pony Salbe und Ruhe.

Im Restaurant „Café Olé“ treffen sich Juppy Becher, stadtbekannter Vertreter des Projekts, und Sigrid Niemer zu einer Besprechung für das Sommerfest „Ufa-Fabrik Boulevard“ Ende August/Anfang September. „Damit schließen wir unsere Sommer-Aktivitäten zum 40. Geburtstag der Ufa-Fabrik ab“, erklärt die 64-Jährige. Gemeinsam mit Juppy und drei Dutzend weiteren Aktivisten hat sie 1979 das Gelände des ehemaligen Kopierwerks der Ufa-Film-Union besetzt. Seither lebt Niemer auf dem Gelände. „Eine Oase, immer noch“, konstatiert Juppy. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn, der mittlerweile in der Geschäftsführung der Ufa-Fabrik arbeitet. Mittags genießen Gäste im „Café Olé“ günstige Tagesgerichte, die von der freundlichen Kellnerin Kerstin Zobel serviert werden.

Im Gästehaus kümmert sich Werner Wiartalla seit vielen Jahren um das Dach. Der Diplom-Ingenieur hat mit anderen das Photovoltaik-Programm der Ufa-Fabrik entwickelt. Neuestes Interessenfeld des 62-Jährigen sind begrünte Dächer mit Jahresbeeten für Insekten und Wildbienen. „Die Dachbegrünung sorgt für ein kühleres Mikroklima, die Beete mit ihren in jedem Monat des Jahres blühenden Pflanzen dienen der Ernährung der Insekten und Wildbienen.“ Im August und September wächst dort unter anderem die Fette Henne.

„Wir beginnen mit der Eröffnungsbewegung“, erklärt Qi-Gong-Lehrerin Gudrun Chen-Wagner. Vor 35 Jahren belegte sie bei Berlins Qi-Gong-Pionierin Josephine Zöller auf dem Ufa-Fabrik-Gelände erste Kurse zum Erlernen der Selbstheilungskräfte. Seither beschäftigt sich die heute 66-Jährige damit, seit etwa 30 Jahren als Lehrerin. Viermal pro Woche gibt sie Kurse für Menschen aus der Nachbarschaft, zweimal für Senioren. „Qi Gong steigert definitiv meine Lebensqualität“, versichert Gudrun Chen-Wagner.

Im Übungsraum der Gruppe „Terra Brasilis“ geht es laut zu. Nach kurzer Zeit hält niemand mehr still. Der Rhythmus der Trommeln animiert zu Tanzbewegungen. Vor 33 Jahren gegründet, gehört die Trommel-Combo zu den zahlreichen Vorzeigprojekten der Ufa-Fabrik. „Das ist unsere Medizin“, versichern Gabi Happe, Sara Ullrich und Manfred Spaniol unisono. Beigebracht haben ihnen die Rhythmen verschiedene brasilianische Trommler, die in den 80er-Jahren in der Ufa-Fabrik gastiert und einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Auf der Freilichtbühne probt Robert Rating für das Stück „Willkommen im Wonderland“. Dabei geht es um prekäre Arbeitsbedingungen in Vergnügungs- und Freizeitparks. „Wir ziehen das als Theater-Installation auf. Überall auf dem Gelände können die Zuschauer Szenen erleben“, so der 37 Jahre alte Schauspieler.

UFA-FABRIK Viktoriastraße 10–18, Tempelhof, Tel. 75 50 30, tgl. 10–19 Uhr, www.ufafabrik.de