Protestaktion

Johanna-Eck-Schule: Schüler unterschreiben für Direktorin

Gegen das Aus für die Schulleiterin protestieren Schüler. 300 Unterschriften sollen an den Regierenden Bürgermeister übergeben werden.

Die in die Schlagzeilen geratene  Johanna-Eck-Schule in Tempelhof kommt nicht zur Ruhe.

Die in die Schlagzeilen geratene Johanna-Eck-Schule in Tempelhof kommt nicht zur Ruhe.

Foto: Sergej Glanze

Berlin.  Die Abberufung der umstrittenen Schulleiterin Mengü Özhan-Erhardt an der Johanna-Eck-Schule in Tempelhof durch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sorgt für Proteste bei Lehrern und Eltern – und nun auch bei Schülern. Die Gesamtelternvertretung will am kommenden Donnerstag im Abgeordnetenhaus rund 300 Unterschriften an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) übergeben.

Am Freitagmittag versammelten sich rund 20 Lehrer, Eltern und Schüler der Johanna-Eck-Schule in Tempelhof vor der Senatsverwaltung für Bildung zu einer Kundgebung. Sie forderten die Aufhebung der Abberufung ihrer Schulleiterin. "Ich empfinde die Entscheidung von Sandra Scheeres als willkürlich. Die Gründe sind für mich nicht wirklich nachvollziehbar", sagt Teilnehmerin Laila K. "Frau Özhan-Erhard hatte extrem gute Pläne für das neue Schuljahr und hatte gerade ein neues Kollegium zusammengestellt. Und jetzt reißt man sie da einfach raus."

Gesamtelternvertreterin Barbara Ganske rief zur Demonstration auf: "Ich bin heute als Mutter hier. Frau Özhan-Erhardt ist der Motor der Schule. Wenn sie nicht bald zurückkommt, dann werden auch die neuen Lehrer gehen."

Johanna-Eck-Schule in Tempelhof: Bildungssenatorin zog Konsequenzen

Die Bildungssenatorin hat Mengü Özhan-Erhardt als Konsequenz auf die Dauer-Querelen an der integrierten Sekundarschule abberufen. Scheeres begründete Mitte voriger Woche den überraschenden Schritt mit der Fürsorgepflicht als Dienstherrin. Wegen der Unzufriedenheit mit dem Führungsstil der Schulleiterin hatten zahlreiche Lehrer die in die Schlagzeilen geratene integrierte Sekundarschule verlassen, immer weniger Schüler meldeten sich an.

Ausschlaggebend für die Entscheidung der Senatorin war, dass jüngst nun auch noch die Sozialarbeiter des Jugendhilfe-Trägers KIDS e.V. die mehr als 13-jährige Zusammenarbeit nach Auslaufen des Kooperationsvertrags aufkündigten. Eine „effektive und zielgerichtete“ Schulsozialarbeit sei wegen der unterschiedlichen Interessen nicht mehr möglich, begründete der Verein in einer Erklärung seinen geplanten Rückzug. „Die Schule braucht nun dringend einen Neustart an der Spitze“, heißt es in der Bildungsverwaltung. „Es war trotz aller Anstrengungen nicht mehr möglich, den Schulfrieden herzustellen.“

Mehrheit der Schüler der Johanna-Eck-Schule gegen Abberufung

Nicht alle haben sich der Protestaktion angeschlossen, betonte die Mutter, die erst vor einer Woche zur Vize-Gesamtelternvertreterin an der Johanna-Eck-Schule gewählt worden ist. Zu dem Zeitpunkt war Özhan-Erhardt noch im Amt. „Die Mehrheit der Schüler hat den Protestbrief aber unterschrieben. Diese Schülerinnen und Schüler wollen, dass die Leiterin zurückkehrt“, sagte Barbara Ganske. Am morgigen Mittwoch um 19 Uhr soll eine außerordentliche Elternvollversammlung stattfinden, wie sie ankündigte. Am Freitag wollen Schüler und Eltern von 12 bis 15 Uhr vor der Schulsenatsverwaltung demonstrieren, so die Mutter.

Mengü Özhan-Erhardt, die die Schule seit 2016 führt, ist beurlaubt, der stellvertretende Schulleiter soll ihre Aufgaben zunächst übernehmen. Die Johanna-Eck-Schule war berlinweit bekannt geworden, weil Geld in einem Geheimtresor hinter einem Bilderrahmen entdeckt worden war. Es soll sich um Elternbeiträge für Schulbücher gehandelt haben. Özhan-Erhardt hatte das Versteck gemeldet, das aus der Zeit der vorherigen Schulleitung stammte.

An der Schule war über Jahre zudem ein illegales Projektkonto geführt worden. Dies hatte die Überprüfung einer Untersuchungsgruppe im Auftrag der Bildungsverwaltung weiter ergeben. Die Schule hatte außerdem bei der Bildungsverwaltung mehr Kinder für das Unterrichtsjahr 2017/18 am Religions- und Weltanschauungsunterricht gemeldet, als die Schule besuchen – um die zusätzlichen Lehrerstunden finanziert zu bekommen.

„Grob fahrlässige Handlung“

Für die Gesamtelternvertreterin Ganske stellt die Abberufung der Leiterin so gut zwei Wochen nach dem Ferienende eine „grob fahrlässige Handlung“ da. „Das Schuljahr war so super gestartet, mit vielen neuen Konzepten, die umgesetzt werden sollten.“ Dazu gehöre ein neues Fehlzeitenmanagement durch die neuen Sozialarbeiter“, so Ganske. Ihre Tochter besucht die achte Klasse, Özhan-Erhardt hat dort Biologie unterrichtet.

Die neue stellvertretende Gesamtelternvertreterin hat die Unterschriftenaktion initiiert. „Viele Eltern machen sich große Sorgen“, sagte die stellvertretenden Elternsprecherin einer anderen 8. Klasse, Bettina Casselle der Berliner Morgenpost. „Wir sind völlig entsetzt und ganz traurig. Wenn Frau Özhan-Erhardt geht, zerbricht womöglich alles, was sie in ihrer Amtszeit aufgebaut hat.“

Die Mutter hatte in einer geschlossenen Facebook-Gruppe gemutmaßt, die AfD Sachsen habe „so großen Druck auf Bildungssenatorin Scheeres gemacht, dass ,unsere’ Direktorin erstmal beurlaubt wurde“. Zudem schrieb sie dort, im alten Kollegium habe es gegen Özhan-Erhardt „Morddrohungen der Lehrerschaft“ gegeben. Die AfD-Information sei offenbar falsch gewesen, sagte sie jetzt der Berliner Morgenpost. Dass es Morddrohungen gab, davon geht sie immer noch aus. Doch eine Bestätigung der Information gibt es nicht.

Brandbrief von Lehrern

Bei der Berliner Morgenpost ging am Dienstagvormittag ein Brandbrief an Senatorin Scheeres, Staatssekretärin Beate Stoffers, Schulrat Matthias Goldbeck-Löwe und den zuständigen Referatsleiter ein. Ein Großteil des Lehrerkollegiums habe mit starker Entrüstung auf die Bekanntgabe des Wechsels an der Spitze bei einer außerordentlichen Dienstbesprechung am 22. August reagiert, heißt es darin. „Wir sind mit anspruchsvollen Plänen und Konzepten in ein neues Schuljahr gestartet. Doch durch die Entscheidung können etliche organisatorische, personelle und visionäre Entwicklungen in der Schule nicht weitergeführt werden.“ Gefordert wird, dass die Entscheidung „trotz aller formaler Schwierigkeiten umgehend rückgängig gemacht werden sollte“. Man werde sonst in die schwierige Situation des letzten Schulhalbjahres zurückgeworfen.

Da inzwischen ohnehin die meisten Lehrer, die mit der Schulleiterin nicht zurecht kamen, die Schule verlassen haben, bedauern auch viele Lehrer die Abberufung. Andere wiederum sind erleichtert und bezeichnen die Entscheidung als längst überfällig. Kritisiert wird von vielen Lehrern, Eltern und Schülern aber vor allem die Art und Weise. Im politischen Raum wird das von einigen auch so gesehen. „Man hätte eine gesichtswahrende Lösung finden können“, sagte ein führender SPD-Politiker der Berliner Morgenpost.