Stadtentwicklung

Studentenwohnen am Kleistpark: Investor darf weitermachen

Für das Studentenwohnheim an der Schöneberger Hauptstraße Ecke Willmanndamm drohte ein Planungsstopp. Der Investor darf weitermachen.

Die Simulation zeigt, wie das geplante Studentenwohnheim an der Hauptstraße/Ecke Willmanndamm in Schöneberg aussehen soll.

Die Simulation zeigt, wie das geplante Studentenwohnheim an der Hauptstraße/Ecke Willmanndamm in Schöneberg aussehen soll.

Foto: Grafik: MHMI Immobilien-Verwaltungen GmbH

Berlin. An der Schöneberger Hauptstraße, Ecke Willmanndamm, sollen 115 Studentenwohnungen entstehen. Das Bauprojekt gilt als technisch schwierig: Denn unter dem bislang unbebauten Grundstück verläuft ein U-Bahn-Tunnel, darunter sind auch noch andere Anlagen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Da sich die Planungen des Investors nun schon jahrelang hinziehen, forderten die Fraktionen von Grüne und Linke, dass das Bebauungsplanvorhaben eingestellt wird. Dies wurde aber im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg und am Mittwoch auch in der Bezirksverordnetenversammlung mehrheitlich abgelehnt.

SPD und CDU: Studentenwohnungen werden benötigt

Auf Antrag von SPD und CDU beschlossen die Bezirksverordneten stattdessen, dass weiter geplant werden darf. Das Bebauungsplanverfahren soll rasch beendet werden. Die Studentenwohnungen würden dringend am Markt benötigt, heißt es in dem Beschluss.

Train-Cocktailbar will nicht weichen

Bei dem Grundstück am Kleistpark handelt es sich um eine Kriegsbrache am U-Bahnhof Kleistpark. Früher war an der Ecke ein Biergarten, schon seit Jahren hat dort die Train-Cocktailbar in einem ausgedienten S-Bahn-Waggon ihre Fans. Die Betreiber wollen an dem Standort bleiben. Auch eine Bürgerinitiative, in der Linke und Grüne mit aktiv sind, engagiert sich gegen eine Bebauung des Geländes.

Investor MHMI plant seit mehreren Jahren

Die MHMI Immobilien-Verwaltungen GmbH, die als Projektentwickler vorrangig im Bereich des Wohnungsneubaus in Berlin tätig ist, hatte das Grundstück vom Land Berlin erworben. Ausgewiesen ist die Fläche bislang als Grünfläche.

Der mittlerweile vier Jahre währende Planungsprozess ziehe sich zu sehr in die Länge, argumentierten Grüne und Linke in ihrem gemeinsamen Antrag. Der Vorhabenträger – also der Investor – sei offenbar nicht willens, das Planverfahren zu Ende zu führen. Eine zeitnahe Realisierung des Vorhabens sei nicht mehr zu erwarten.

Ein Vertreter des Investors MHMI widersprach der Darstellung im Stadtentwicklungsausschuss. Aufgrund der komplizierten bautechnischen Situation im Untergrund seien viele technische und rechtliche Fragen im Vorfeld sorgfältig zu klären, um einen reibungslosen Bau zu gewährleisten, betonte er. Doch damit sei man inzwischen entscheidend vorangekommen.

„Er versicherte uns im Auftrag des Investors im Ausschuss, dass die notwendigen Abstimmungen mit der BVG sehr weit fortgeschritten seien und eine nachbarschaftliche Vereinbarung bereits von beiden Seiten unterzeichnet wurde“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Christoph Götz-Geene am Dienstag auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Es wäre falsch, das Vorhaben zu diesem Zeitpunkt aufzugeben. Die Wohnungen werden dringend benötigt“, betonte der Stadtentwicklungsexperte der SPD.

SPD-Vize-Fraktionschef Götz-Geene kritisiert Linke und Grüne

„Im Land erklären Grüne und Linke, den Wohnungsbau fördern zu wollen, torpedieren die Vorhaben dann aber in den Bezirken“, kritisiert Götz-Geene. Die Bebauung der Kriegsbrache werde städtebaulich ein Gewinn für den Standort Kleistpark, zeigt er sich überzeugt. Den S-Bahn-Waggon kann man umsetzen, meint Götz-Geene. „Es muss aber nicht zwingend an diesem Ort stehen.“ Auch die Döner-Bude müsste dort weg.

Linke und Grüne machen sich laut eigener Aussage vor allem auch Sorgen, dass aufgrund der Überbauung der Bahnanlagen die Sicherheit bei den Bauarbeiten nicht gewährleistet ist. Denn das Bauwerk fungiere wie eine Brücke über den Untergrundanlagen. Grünen-Fraktionschef Rainer Penk zeigt sich auch skeptisch, ob Studenten diese Appartements überhaupt bezahlen können. Denn mit dem technischen Aufwand steigen auch die Mietpreise.

Land bei Studentenwohnungen in Verzug

Das Land selbst ist beim geplanten Bau von Studentenwohnungen im Verzug. Bereits im April 2013 hatte der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) 5000 zusätzliche Wohnungen für Studenten angekündigt. An diesem Ziel hielt auch der rot-rot-grüne Senat unter Wowereits Nachfolger Michael Müller (SPD) fest. Allerdings ist nur ein geringer Teil der einst avisierten Studentenwohnungen davon fertig geworden. Spätestens bis 2022 wollen die landeseigenen Akteure nun die in Aussicht gestellten 5000 zusätzlichen Wohnungen für Studierende tatsächlich fertig zu haben. Die Berlinovo soll knapp 3000 Wohnungen beisteuern, die anderen sechs landeseigenen Unternehmen über 2000.

Ohne Debatte abgestimmt

Die Bezirksverordnetenversammlung hat nun mehrheitlich gegen den Willen von Grünen und Linken der Empfehlung des Stadtentwicklungsausschusses den Planungsstopp abgelehnt. Somit kann das Vorhaben weiter vorangetrieben werden. Eine Debatte dazu gab es nicht. Stadtentwicklungsstadtrat Jörn Oltmann (Grüne) hatte im Stadtentwicklungsausschuss bemängelt, dass wichtige Unterlagen für eine Entscheidung bislang noch nicht vorgelegt wurden.

Die Diskussion um die Bebauung an der markanten Ecke am Kleistpark läuft schon lange: Mal war dort ein Einkaufszentrum geplant, mal eine Skihalle.