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Vattenfall bekommt neue Zentrale am Südkreuz

Der Energiekonzern baut energiearm aus Holz und Beton für 2000 Mitarbeiter der Deutschlandzentrale.

Am Mittwoch wurde der Grundstein für die neue Deutschlandzentrale von Vattenfall gelegt.

Am Mittwoch wurde der Grundstein für die neue Deutschlandzentrale von Vattenfall gelegt.

Foto: DAVIDS/Frank Lehmann

Berlin. Der Grundstein für den Holz-Beton-Hybridbau ist gelegt: Am Berliner Südkreuz entsteht in den kommenden voraussichtlich nur eineinhalb Jahren die neue Deutschland-Konzernzentrale des Energieriesen Vattenfall mit 32.000 Quadratmeter Fläche. Das siebengeschossige Bauensemble beherbergt dann rund 2000 Mitarbeiter von Vattenfall.

Bürgermeister Michael Müller (SPD) sieht in der Kooperation von Konzern, Stadt und Projektentwickler Edge Technologies eine Ausstrahlung auch jenseits der sogenannten Schöneberger Linse zwischen Bahnhof, Bahngleisen und Sachsendamm. Berlin habe jährlich ein Wachstum von rund 40.000 Bürgern. „Wir sind eine Stadt, die jedes Jahr um die Größe einer Stadt wächst“, sagte Müller am Mittwoch bei der Grundsteinlegung. Berlin müsse kluge Köpfe auch modern und nachhaltig unterbringen.

80 Prozent der baubedingten CO2-Emissionen eingespart

Martin Rodeck, der Chef des Projektentwicklers mit Hauptsitz in Amsterdam, habe da mit seinem Unternehmen angesetzt. Die zwei miteinander verbundenen Hybrid-Gebäude entstehen aus Holz und Beton und reduzieren dadurch laut Edge die CO2-Emissionen bei der Herstellung des Rohbaus um bis zu 80 Prozent im Vergleich zu herkömmlichem Stahlbetonbau. Am Hildegard-Knef-Platz entsteht somit der deutschlandweit größte Holz-Beton-Hybrid, der neben Büros auch ein Café und Empfangs-und Begegnungsflächen im Erdgeschoss vorsieht.

Rodecks Pläne stießen nicht von Anfang an auf Zuspruch: „Brennt das nicht ab?“, habe es geheißen, die Verwendung des Rohstoff Holz stieß auf Skepsis. Rodecks Pläne überzeugten letztlich aber Investoren und Vattenfall. Der Energiekonzern wird das Gebäude nicht als Eigentümer beziehen, sondern mietet die Büros ab 2021. Über die Gesamtkosten des Projekts haben die beteiligten Akteure Stillschweigen vereinbart. Vattenfall Deutschland-Chef Tuomo Hatakka verbindet mit dem Standortwechsel auch den Anspruch von Vattenfall, künftig ein Leben ohne fossile Energieträger zu ermöglichen.

Höhepunkt der Veranstaltung war die Ablage einer Zeitkapsel in das Fundament. Neben tagesaktuellen Zeitungen und Bauplänen gaben die Poliere einen Zollstock, einen grünen Stift, die Verfassung Berlins und von Kindern gemalte Bilder in das Gefäß. Die einzementierte Kapsel soll in 20 Jahren gehoben werden und an die Anfänge der Zusammenarbeit erinnern. Der Projektplaner Edge hat in Berlin bereits an der Warschauer Straße mit der Stadt kooperiert, mit Vattenfall ist ein weiterer Hybrid-Neubau in Hamburg geplant.

Sony Music verlegt deutsche Zentrale nach Schöneberg

Grund zum Feiern gab es am gestrigen Mittwoch auch an der Potsdamer Straße, wo Sony Music Germany-Kopf Daniel Lieberberg gemeinsam mit der Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Projektplaner und Pecan Development-Chef Jan Kunze den Rohbau der neuen Deutschland-Zentrale einweihten. Der Gebäudekomplex umfasst neben Büroflächen auch 3000 Quadratmeter für Gastronomie und Einzelhandel. Sony soll hier Mitte 2020 auf rund 7700 Quadratmetern in alle sieben Geschosse des Gebäudes an der Bülowstraße Ecke Steinmetzstraße einziehen. Bisheriger Deutschlandsitz war München.

Eine weiße Fassade aus Metall sowie die geschwungene Form des Baukörpers soll hierbei das pulsierende Berlin der 21. Jahrhunderts repräsentieren. Das Gebäude ist aufgrund seiner umwetfreundlichen und energiesparenden Bauweise für das internationale LEED-Nachhaltigkeitszertifikat in Gold nominiert. Es sei ein großer Erfolg für den Wirtschaftsstandort Berlin, dass Sony seinen deutschen Hauptsitz hierher verlege, sagte Senatorin Pop. Lieberberg bekräftigte indes, dass die Bündelung des Europa- und Afrikageschäftes des Musikkonzerns in Berlin dabei helfe, die Rolle des Marktführers zu stärken. „Berlin ist nicht nur das kreative Zentrum Deutschlands, sondern Anziehungspunkt für Kulturschaffende aus der ganzen Welt“, sagte er.