Sportverein

VfL Lichtenrade wird 125 Jahre: Beim Nachwuchs beliebt

Der mitgliederstärkste Verein im Süden von Berlin ist seit 125 Jahren gefragt. Viele Brandenburger nutzen das Angebot mit.

Der dreijährige Vincent, hier mit seinem Vater Frank Mathick, kommt einmal in der Woche zum Kinderturnen.

Der dreijährige Vincent, hier mit seinem Vater Frank Mathick, kommt einmal in der Woche zum Kinderturnen.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Service

Lichtenrade.  Egal wie heiß es in diesem Sommer auch ist – beim Kinderturnen des VfL Lichtenrade ist immer etwas los. Seit einem Jahr kommt zum Beispiel Vincent (3) einmal die Woche. Ihm gefallen vor allem die Übungen „mit den Ringen“. In der Sporthalle der Käthe-Kollwitz-Schule trainiert auch der gut anderthalb Jahre alte Liam. Sein bevorzugter Sport: Ballrollen, Ballwerfen, Ballhüpfen.

Um den Nachwuchs muss sich der VfL bisher nicht sorgen. Den Verein im äußersten Süden Berlins gibt es seit 125 Jahren, und seine Beliebtheit scheint ungebrochen. „Wir sind der mitgliederstärkste Verein in Lichtenrade“, sagt der Vorsitzende Hendrik Feuersänger und da klingt durchaus Stolz mit. Der Jurist, der den Verein seit vergangenem Jahr leitet, ist in Lichtenrade aufgewachsen.

Sport-und Jugendfest zum Jubiläum

Viele der derzeit rund 1800 Mitglieder kommen von dort, aber auch aus dem benachbarten Brandenburg. Im rasant gewachsenen Speckgürtel von Berlin haben die Sportvereine zu wenig Trainingsmöglichkeiten und daher lange Wartelisten. Auch der kleine Vincent fährt mit seinem Vater von Großziethen (Dahme-Spreewald) zum Turnen an den Berliner Stadtrand. Elf Abteilungen hat der VfL, der am 6. Mai 1894 als Männerturnverein „Frisch auf“, gegründet worden war. Am 8. Oktober 1949 wurde er zum VfL Lichtenrade. Am 24. August wird von 13 bis 18 Uhr das 125-jähriges Bestehen gefeiert: mit einem Sport- und Jugendfest auf dem Gelände der Reinhold-Meyerhof-Schulsporthalle in der Briesingstraße.

Die Mitglieder turnen am liebsten

„Am meisten gefragt ist das Turnen“, sagt Geschäftsführerin Manuela Fritz-Dessau. Etwa 450 Mitglieder sind dazu eingeschrieben, beim Handball sind es rund 400, beim Gesundheitssport um die 230. Das jüngste VfL-Mitglied ist ein Jahr alt, das älteste 90 Jahre alt. Der Jahresbeitrag variiert zwischen 90 und 260 Euro. „Wir sind breit aufgestellt“, sagt Manuela Fritz-Dessau. „Viele sind seit 50 Jahren dabei, und wir werben in den Kitas und Schulen um Nachwuchs.“

Basketballer und Prellballer Berliner Meister

Zu den größten sportlichen Erfolgen in der Saison 2018/19 zählte, dass die Basketballer und auch die Prellballer Berliner Meister wurden, die Handball-Männer stiegen in die Oberliga Ostsee-Spree auf.

Nicht jeder Sportverein in Berlin hat ein so großes Vereinsheim, das ihm auch noch selbst gehört. Der Verein hat das frühere Altenheim 2003 gekauft und nutzt das Gebäude am Kirchhainer Damm 68 gemeinsam mit Schulsportverein SSV Lichtenrade.

Der Verein vermietet auch Zimmer

Neben der Geschäftsstelle und der Vereinsgaststätte gibt es dort einen Jugendraum, einen Gymnastik- und einen Kraftraum, und eine Sauna. Der VfL vermietet auch: 15 Euro kostet die Übernachtung im Mehrbettzimmer. Das Angebot nutzen andere Sportvereine, aber auch Touristen. Auch Flüchtlinge wohnten dort einige Zeit. „Alle unsere fünf Familien haben sich sehr gut integriert“, erzählt VfL-Sprecher Lutz Henckel. Die Syrer sprächen gut Deutsch und fanden Jobs, etwa als Goldschmied, Chemiker und Mechaniker. Die Erwachsenen hatten am Vereinssport weniger Interesse. Aber den Kindern half der Sport, schnell Anschluss zu finden.