Immobilien

Sexkaufhaus an der Potsdamer Straße soll Neubau weichen

Im „Sexkaufhaus“-Gebäude an der Potsdamer Straße sollte vor Jahren ein Großbordell eröffnen. Nun wurde es verkauft.

Das Gebäude mit dem Sexkaufhaus an der Potsdamer Straße in Schöneberg ist verkauft - und soll abgerissen werden.

Das Gebäude mit dem Sexkaufhaus an der Potsdamer Straße in Schöneberg ist verkauft - und soll abgerissen werden.

Foto: Gudrun MallwitZ

Berlin..  Die Ecke Potsdamer Straße und Kurfürstenstraße wird neu gestaltet: Das Sexkaufhaus und das „Woolworth“- Gebäude gegenüber sollen Neubauten weichen. „Wir haben beide Grundstücke gekauft und wollen an diesem tollen Standort loslegen, sobald wir Baurecht haben“, sagte Till-Oliver Kalähne, Geschäftsführer der SPG & Co Berlin Projektentwicklungsgesellschaft, der Berliner Morgenpost.

Die Tochter der BoB Immobilien Konzepte GmbH plant in Berlin bereits mehrere Serviceappartement-Neubauten. Noch steht der Investor an der Potsdamer Straße mit seinen Plänen am Anfang: In die künftigen Neubauten soll Gewerbe einziehen, Wohnungen sind nicht geplant. „Wir wollen der Stadt aber etwas zurückgeben und bieten an, zwei Etagen für ein Museum zur Verfügung stellen – kostenfrei, bis auf die Betriebs- und Nebenkosten.“

Bauprojekt wird Kurfürstenkiez weiter verändern

Das neue Vorhaben wird den Kurfürstenkiez, in dem seit mehr als 100 Jahren der Straßenstrich zu finden ist, weiter verändern. Der ehemalige Stammsitz der Commerzbank wird derzeit umfassend saniert und mit einem Neubau ergänzt. Nächstes Jahr will der Musikkonzern Sony seinen Hauptsitz von München nach Berlin verlagern – und zieht dann in den Neubau an der Steinmetzstraße/Bülowstraße auf das Gelände des ehemaligen Berliner Commerzbank-Hauptsitzes.

Luxuriöse Wohnungen inmitten des Straßenstrichs

Auch das SDAX-notierte Pflanzenzüchtungsunternehmen KWS wird in ein Bürogebäude einziehen und will dort 350 Mitarbeiter beschäftigen. Den Gebäudekomplex mit dem Namen „Wirtschaftswunder“ baut der Immobilienentwickler Pecan Developement. In der Kurfürstenstraße ist man schon weiter: Inmitten des Straßenstrichs entstand das „Schoenegarten-Carree“ mit luxuriösen Wohnungen und Penthouses. „Wir gehen davon aus, dass sich der Straßenstrich dort nicht mehr lange halten wird“, zeigt sich SPG & Co-Geschäftsfüher Kalähne überzeugt. Er setzt dabei auf die neue Entwicklung in der Gegend. „Die Kunden werden sich dort bald nicht mehr wohlfühlen.“

Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg wird begrüßt, die Ecke neu zu gestalten. Hochhausplänen steht der für Stadtentwicklung und Bauen zuständige Tempelhof-Schöneberger Stadtrat Jörn Oltmann (Grüne) an der Stelle des Sexkaufhauses jedoch ablehnend gegenüber. Auf Anfrage sagte er: „Ich hoffe, dass das Grundstück neu bebaut wird. Wir würden uns daher gern neue Pläne ansehen.“

Sexkaufhaus auf 700 Quadratmetern

Das Sexkaufhaus-Gebäude war einst das Flaggschiff der dann 2005 in Insolvenz gegangenen Berliner Traditionsmarke Foto-Wegert. Der neue private Eigentümer hat dort anschließend das erste „Sex-Kaufhaus West-Berlins“ eröffnet. Die rosa leuchtenden Buchstaben LSD an der Fassade versprechen keinen Drogenrausch, sondern auf rund 700 Quadrater “Love-Sex-Dreams“. Schlagzeilen machte das Haus, als der Eigentümer dort ein Großbordell eröffnet wollte. Das ist jetzt mehr als zehn Jahre her. Der 2008 gestellte Antrag wurde vom Bezirk abgelehnt - mit Verweis auf die ohnehin schwierige Situation am Straßenstrich Kurfürstenstraße und die Bemühungen im Quartiersmanagement Schöneberger Norden, den Bereich sozial zu stabilisieren.

Der Eigentümer klagte – und verlor 2015 nach langem juristischen Kampf gegen den Bezirk. Das Oberverwaltungsgericht entschied, dass dort kein Bordell betrieben werden darf. Das Baurecht sehe dies in einem gemischten Gebiet wie an der Potsdamer Straße nicht vor.

Bezirk und der künftige Investor müssen sich nun darüber einig werden, was an dieser Stelle gebaut werden soll. Die SPG & Co Berlin Projektentwicklungsgesellschaft hat 2018 auch das gegenüberliegende Grundstück erworben, in dem Woolworth untergebracht ist. Es liegt im Bezirk Mitte.

„Wir würden gerne mit dem ehemaligen Wegert-Haus beginnen“, kündigt der Investor an. Derzeit werde noch an den Entwürfen gearbeitet. Er verspricht: „Um Baurecht zu bekommen, würden wir eine Errichtungsverpflichtung abgeben. Wir wollen mit den Grundstücken nicht spekulieren.“

Hoffnung auf positive Veränderung

In Tempelhof-Schöneberg sind viele dafür, dass das Gebäude aus den 1960-er Jahren mit den Sexkinos abgerissen wird. „Mit dem Verkauf verbindet sich für den Bezirk die Hoffnung auf eine Entspannung der Situation in der Kurfürstenstraße und eine weitere Stabilisierung im Schöneberger Norden“, betonte der Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion, Christoph Götz-Geene. Dem Grundstück komme eine Schlüsselfunktion für die Entwicklung der Potsdamer Straße zu. „Eine Neubebauung ist eine riesige Chance für weitere positive Veränderungen im Kurfürstenkiez.“ Die SPD erwarte, dass nun eine klare Abkehr vom Schmuddel-Image erfolgt und dass sich das Vorhaben in die Baustruktur sinnvoll einfügt. CDU-Fraktionschef Matthias Steuckardt sagte: „Wir begrüßen die Aufwertung der Gegend ausdrücklich.“

IG Potsdamer Straße: Lokale Akteure einbeziehen

Auch Regine Wosnitza, die Vorsitzende der Interessensgemeinschaft Potsdamer Straße – einem Zusammenschluss von Händlern, Anwohnern und Organisationen – findet es „gut, dass an der Ecke etwas passiert und das Sexkaufhaus dort verschwindet“. Gleichzeitig fordert sie aber: „Der Bezirk sollte den künftigen Investor in die Pflicht nehmen“ Es dürfe bei Bauprojekten in und um die Potsdamer Straße nicht nur um Profit gehen, sondern sollte bei den Neubauplänen auch gemeinwohlorientiert gedacht werden. Wosnitzas Appell: „Lokale Akteure sollten in die Planungen unbedingt einbezogen werden.“