Wohncontainer

Geisterstadt auf dem Tempelhofer Feld vor ungewisser Zukunft

Seit einem Monat stehen die Wohncontainer auf dem Tempelhofer Feld komplett leer. Was mit ihnen geschehen soll, ist unklar.

In den Wohncontainern auf dem Tempelhofer Feld waren Flüchtlinge untergebracht.

In den Wohncontainern auf dem Tempelhofer Feld waren Flüchtlinge untergebracht.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Die Flüchtlingsunterkunft hinter dem hohen weißen Gitterzaun auf dem Vorfeld des ehemaligen Flughafen Tempelhof gleicht einem Geisterdorf. Seit Mitte Juni sind auch die letzten Flüchtlinge aus den Wohncontainern ausgezogen, die Pflanzen in den hölzernen Beetkästen längst verdorrt. Seit einem Monat stehen die 256 Appartements, die aus je drei Containern abgeschlossene Wohneinheiten mit Küche und Bad für bis zu 1024 Flüchtlinge bildeten, nun komplett leer.

Gesamte Inneneinrichtung abtransportiert

Nur 18 Monate waren die Container überhaupt in Benutzung, eine neue Verwendung für die Wohnkästen, deren Anschaffung den Steuerzahler rund 17 Millionen Euro kostete, wurde indes noch nicht gefunden, wie die landeseigene Berliner Immobilien Management GmbH (BIM) auf Nachfrage der Berliner Morgenpost am Mittwoch mitteilte. „Lediglich Restmobiliar befindet sich noch vor Ort“, teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit.

900 Container müssen abgeräumt werden

Die Einrichtung musste geräumt werden, weil das vor fünf Jahren per Volksentscheid eingeführte Tempelhof-Gesetz jegliche Bebauung auf dem ehemaligen Flughafengelände ausschließt. Angesichts der Flüchtlingskrise vor drei Jahren war es aber Anfang 2016 eigens geändert worden, um zwei Flächen neben dem Vorfeld für einen befristeten Zeitraum von vier Jahren mit sogenannten Tempohomes für die Geflüchteten bebauen zu können. Verzögerungen bei Planung und Bau, insbesondere bei der Verlegung eines Wasseranschlusses, hatten dazu geführt, dass sich die beabsichtigte Nutzungsdauer letztlich halbierte. Bis spätestens 31. Dezember müssen die rund 900 Container nun runter vom Feld.

Als Klassenzimmer ungeeignet

Obwohl die Container angesichts der kurzen Nutzungsdauer noch wenig abgenutzt sind, hält sich die Nachfrage nach ihnen offenbar in Grenzen. „Die genaue Verwendung der Container befindet sich noch in der Abstimmung verschiedener Landesbedarfe“, heißt es dazu lediglich bei der BIM. In jedem Fall sei aber beabsichtigt, „soweit als möglich eine Weiterverwendung vorzusehen“, so die Sprecherin.

Überlegungen, die Container den aus allen Nähten platzenden Berliner Schulen als Klassenzimmer zur Verfügung zu stellen, sind jedenfalls vom Tisch – dazu sind die Boxen aufgrund ihrer geringen Raumhöhe nicht geeignet.

Offen ist auch, wer die Container beräumen und was es kosten soll: „Die Leistung wird zurzeit ausgeschrieben“, teilte die BIM-Sprecherin weiter mit.