Dresdner Bahn

Baustelle zu laut? Bahn zahlt Lichtenradern Hotelzimmer

Die Bahn bietet Lichtenradern an, tagsüber ins Hotel zu ziehen, wenn es ihnen beim Bau der Dresdner Bahn zu laut wird.

Anwohnerin Bianka Höse an der Baustelle zur Vorbereitung zum Ausbau der Dresdner Bahn.

Anwohnerin Bianka Höse an der Baustelle zur Vorbereitung zum Ausbau der Dresdner Bahn.

Foto: Foto: Maurizio Gambarini

Berlin..  Bianka und Norbert Höse werden derzeit schon früh am Morgen von ohrenbetäubendem Baulärm geweckt. Vor ihrem Haus in der Bahnhofstraße in Lichtenrade reißen Arbeiter die Teerstraße auf und bohren tiefe Löcher. „Seit einer Woche ist es richtig schlimm mit dem Lärm“, sagt die frühere Morgenpost-Mitarbeiterin Bianka Höse. „Selbst unsere Katze Bobby hält sich zwischendurch die Ohren zu.“ Die Deutsche Bahn lässt derzeit Abwassertanks verlegen – als Vorbereitung für die geplante Unterführung beim Ausbau der Dresdner Bahn. Das Ehepaar überlegt, ins Hotel umzuziehen. Denn das bietet die Deutsche Bahn Anwohnern jetzt an.

Klingt ganz verlockend. Endlich den nervtötenden Lärm hinter sich lassen. Dafür ausspannen im Hotel und sich dort Wellness-Angebote gönnen. Und das alles auf Kosten der Bahn.

Anfahrt und Hotelkosten werden übernommen

„Nein, so ist das Angebot natürlich nicht gedacht“, sagte ein Bahnsprecher am Dienstag auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Wir übernehmen die Kosten für den Hotelaufenthalt und die Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.“ Und natürlich gilt die Offerte nicht für jeden Lichtenrader, der in der Nähe der Baustelle zur Dresdner Bahn wohnt.

Da sich beim Wiederaufbau der Dresdner Bahn künftig der Baustellenlärm der einzelnen Bauspitzen überlagern wird, könne es in den Wohnungen vereinzelt zu Überschreitung einer Lärmbelastung von 70 Dezibel am Tage kommen, schreibt die Bahn in dem Brief, der bei Familie Höse und den Nachbarn in der Bahnhofstraße vor einigen Tagen eingegangen ist. In diesem Fall hätten Anwohner Anspruch auf Ersatzwohnraum, wie das Eisenbahn-Bundesamt in den rechtskräftigen Planfeststellungsbeschlüssen festgesetzt habe.

Aber wer darf ins Hotel und wer nicht? Das werde durch Quartalsprognosen von einem Fachgutachter ermittelt, heißt es in dem Schreiben weiter. Ob Familie Höse anspruchsberechtigt ist, sollte sie laut Schreiben beim Reisebuchungsunternehmen First Business Travel erfahren, das dann auch die Hotelbuchung vornehmen werde. Die Hotelrechnung sei dann lediglich im Original mit einem kurzen Anschreiben an die DG Netz AG zu senden. Bianka Höse rief am Dienstag dort an. „Der freundliche Herr teilte mir allerdings mit, dass wir nicht auf der Liste stehen“, erzählt sie. „Nur Bewohner des zweiten Stocks. Wir wohnen im ersten Stock.“ Das mochte ihr nicht einleuchten. Immerhin erfuhr sie, dass das Hotelzimmer nicht teurer als 90 Euro pro Nacht sein dürfe.

Wer auf Ersatzwohnraum verzichtet, habe keinen Anspruch auf Entschädigung

Sie versuchte nun, das in dem Schreiben der Bahn angegebene Baulärmbüro zu erreichen. Schon nach kurzer Zeit meldete sich der Baulärmbeauftragte. Er hatte eine gute Nachricht. „Wir können wahrscheinlich sofort ins Hotel gehen und das für die nächsten zwei Wochen. Solange der Baulärm der augenblicklichen Baufirma dauert“, berichtet Bianka Höse. Das gleiche soll auch für ihre Freundin aus dem Nachbarhaus gelten. Auch sie hatte eine Karte im Briefkasten, auch sie war dann aber angeblich nicht anspruchsberechtigt.

Ob Höses das Angebot annehmen, wissen sie noch nicht. Wer auf Ersatzwohnraum verzichtet, habe keinen Anspruch auf finanzielle Entschädigung, stellt die Bahn klar. Das Angebot diene dem Schutz der Gesundheit. Wie viele Lichtenrade ein Schreiben bekommen haben, konnte der Bahn-Sprecher am Dienstag nicht auf Anhieb sagen.

Das Bahnprojekt, gegen das eine Anwohnerinitiative mehr als 20 Jahre gekämpft hat, wird Lichtenrade mehrere Jahre belasten. Mit dem Wiederaufbau der Dresdner Bahn sollen sich die Fahrzeit der Fernzüge nach Dresden sowie weiter nach Prag und Südosteuropa verringern. Auch die Bahnanbindung des künftigen Hauptstadtflughafens BER soll sich deutlich verbessern.