Tempelhof-Schöneberg

So erobern Anwohner den „Stricherspielplatz“ zurück

Mit dem Serenadenkonzert „Schönheit gegen Gewalt“ wurde auf dem „Stricherspielplatz“ unter prominenter Beteiligung ein Zeichen gesetzt.

Zauberhafte Stimmung auf dem „Stricherspielplatz“ im Regenbogenkiez:  Das Serenadenkonzert war sehr gut besucht.

Zauberhafte Stimmung auf dem „Stricherspielplatz“ im Regenbogenkiez: Das Serenadenkonzert war sehr gut besucht.

Foto: Gudrun Mallwitz

Berlin.. Klassische Klänge. Eine meditativ anmutende Videoinstallation an der Mauer. Hunderte von Menschen, die der Musik lauschen. Innehalten im queeren, quirligen Amüsierviertel Berlins. Mit dem Serenadenkonzert an der Ecke Fuggerstraße/Eisenacher Straße im Schöneberger Regenbogenkiez wollten Veranstalter, prominente Teilnehmer, Musiker und Besucher ein Zeichen setzen.

„Schönheit gegen Gewalt“

Unter dem Motto „Schönheit gegen Gewalt“ hatte Pascual Jordan, verantwortlich für das künstlerische Programm der Werkstattgalerie Berlin, zusammen mit dem Philosophen Rudolf zur Lippe und seiner Stiftung Forum der Kulturen zu einem kostenlosen Konzertabend eingeladen – nach dem ersten Erfolg im vergangenen Jahr. Der Ort war nicht zufällig gewählt.

Gewalt auf dem Stricherspielplatz

Die Anwohner wollen sich den von Strichern seit Jahren als Anbahnungsort genutzten Spielplatz an der Ecke Fugger-/Eisenacherstraße mit Aktionen wie dieser zurückerobern. Seit Jahren wird dieser Ort im Regenbogenkiez von jungen Strichern aus Osteuropa als Anbahnungsort genutzt.

Auf dem Platz und in der Umgebung kommt es immer wieder auch zu Straftaten. Bisherige Bemühungen, die finstere Ecke nach einer Umgestaltung für die Anwohner zurückzuerobern, sind gescheitert, wie Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) jüngst einräumte.

„Das Projekt dient dazu, den Platz wieder positiv zu besetzen und sowohl Anwohnern als auch Besucherinnen und Besuchern des Stadtteils einen Raum für Begegnungen zu bieten und zugleich die verschiedenen Bemühungen des Bezirks, präventiv tätig zu werden, zu vernetzen“, beschreibt Initiator Pascual Jordan die Idee. „In den letzten Jahren ist dieser schöne kleine Garten dunkel besetzt von kriminellem Treiben und gilt als gefährlich. Wir fordern ihn als Raum freier Entfaltung ein für wirkliche Begegnungen.“

Bürgermeisterin Angelika Schöttler: Platz zurückholen

In seiner Eröffnungsrede sagte Rudolf zur Lippe, die Musik bringe an diesem Platz, an dem oft Gewalt ausgeübt wurde, Menschen aus verschiedenen Stadtteilen mit den Anwohnern dieses Viertels zusammen. Das mache die große Schönheit aus. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) sprach von einer „wunderbaren Tradition“, die fortgesetzt werden solle. Der Ort sei mit dem Wort Kriminalität eng verbunden – mit „Auf-und-Abs“. Schöttler kündigte an: „Wir wollen diesen Platz zurückholen.“ Auch die Publizistin Lea Rosh betonte: „Was sich an Gewalt getan hat, muss verschwinden. Mit diesem Motto wird es gelingen.“

Nicht nur Polizei und Kontrolle

Was ist damit gemeint? „Der Kiez benötigt nicht nur Polizei und Kontrolle, sondern auch Kunst, Kultur, soziale Projekte, Nachbarschaft“, twitterte der Grünen-Abgeordnete Sebastian Walter nach diesem Abend. Derzeit arbeiten die lokalen Akteure zusammen mit dem Bezirk an einem Konzept für den Platz. Bezirksbürgermeisterin Schöttler und die Innensenatsverwaltung streben zudem an, einen Nachtbürgermeister einzusetzen – um die soziale Kontrolle im Viertel zu erhöhen.

Das Serenadenkonzert-Projekt wurde in diesem Jahr von der Innensenatsverwaltung und dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg gefördert. Auf dem Programm standen Madrigale von Montiverdi und Arien von Lully, Scarlatti, Falconieri und Händel. Mitgewirkt haben Kammersänger Thomas de Vries (Bariton) und Rachel Fenlon (Sopran) und das Impulsia-Ensemble unter der Leitung von Víctor García García.