City West

Geplanter Kultur-Neubau an der Urania abgelehnt

Am Eingang zur City West soll die Ecke An der Urania/Kurfürstenstraße ein neues Gesicht bekommen. Doch es gibt auch Widerstand.

Ein erster Entwurf der Bebauung An der Urania/Ecke Kurfürstenstraße.

Ein erster Entwurf der Bebauung An der Urania/Ecke Kurfürstenstraße.

Foto: HS Aßmann / BM Infografik; Quelle: Astoc Architects and Pfanners GmbH und eigene Recherchen

Berlin.  Die bisherigen Planungen für eine Neugestaltung des Eingangs zur City West müssen überarbeitet werden. Die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg hat das Bezirksamt mit großer Mehrheit dazu aufgefordert, dass auf den Neubau zu verzichten, der bislang an der Kurfürstenstraße 123–126/An der Urania 1 vorgesehen ist. Dort sollten Kultureinrichtungen einziehen. Die Bezirksverordnetenversammlung folgte dem Antrag der SPD aus unterschiedlichen Gründen.

Für die Union gab laut CDU-Fraktionschef Matthias Steuckardt den Ausschlag, dass damit ein bestehendes Haus „verschattet werden“, also nicht direkt davor gebaut werden sollte.

Für die SPD als Antragsteller ging es vor allem auch darum, sich die Option für einen Rückbau der Straße zu erhalten. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christoph Götz-Geene sagte: „Der geplante „Kulturbaustein“ hätte aufgrund seiner Anordnung die heutige übermäßige Breite des Straßenraums dauerhaft festgeschrieben.“

SPD: Straße soll zurückgebaut werden

Die Straße An der Urania sei in den 1950er-Jahren verkehrsgerecht angelegt worden und sollte einst in ihrer Mitte eine zusätzliche Hochstraße aufnehmen. Das habe sich aber erledigt. Seit Jahren gebe es Überlegungen, den breiten Mittelstreifen aufzugeben, die Straßenführungen westlich zu bündeln und auf der Ostseite Bauflächen zu gewinnen, so Götze-Geene. „Dort könnte die aufgerissene Blockstruktur an der Courbièrestraße einen Blockrand-Abschluss erhalten. Dahinterliegend könnten ruhige grüne Innenhöfe entstehen.“ Er verwies auf einen Studentenwettbewerb des Deutschen Werkbunds, der im vergangenen Jahr Entwicklungsszenarien für den Bereich aufzeigte.

Die Bezirke Tempelhof-Schöneberg und Mitte sowie der Senat und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIM) hatten sich über ein Werkstattverfahren auf ein Baukonzept am Eingang zur City West verständigt. Dieses sieht vor, der Kreuzung an der Urania ein ganz neues Gesicht geben. Alle vier Kreuzungsseiten sollen neu bebaut werden. Entstehen sollen Wohnungen, Büros, ein Hotel – und Platz für Kultur.

60 Meter hoher Bau für Büros

Anstelle des Constanze-Hauses an der Kreuzungsecke soll nach den derzeitigen Planungen ein 60 Meter hoher Bau für Büros entstehen. In den Seitengebäuden sind Wohnungen geplant. Ein zweites 60-Meter-Haus möchte die BIM auf dem südwestlichen Grundstück bauen, wo bis 2017 der Landesrechnungshof untergebracht war. Die dortigen Büros könnten später von einer Senats- oder Bezirksverwaltung genutzt werden. Auch an diesen Bau sollen Wohnungen anschließen.

Vor mehr als zwei Jahren hatte die Jahr Holding, Teileigner des Verlages Gruner + Jahr und Besitzer des Constanze-Hauses im nordwestlichen Teil der Kreuzung, die Firma Team Hamburg beauftragt, die Neubebauung des Grundstücks zu entwickeln. Als sich das Unternehmen damit an die betroffenen Bezirke Mitte und Tempelhof-Schöneberg wandte, wurde schnell klar: Alle Grundeigentümer an der Kreuzung wollen bauen. Der nordöstlichen Teil ist im Besitz des schwedischen Eigentümers des Hotels „Berlin, Berlin“, die beiden südlichen Grundstücke gehören der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), also dem Land Berlin. Hier einigte man sich, die Bauvorhaben in einem Projekt zu bündeln.

Räumlicher Akzent durch zwei 60-Meter-Hochhäuser

„Wir haben darauf geachtet, dass viel Wohnraum auf unserem Grundstück gebaut wird“, sagte Christian Krüger, Leiter des Portfoliomanagements bei der BIM, auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Geplant seien etwa 10.000 Quadratmeter Wohnfläche. Dies entspräche beispielsweise hundert 100-Quadratmeter-Wohnungen. Bauen soll diese eine der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Mit den beiden 60-Meter-Häusern soll „ein räumlicher Akzent“ gesetzt werden, sagte Diplom-Ingenieur Tom Huber vom Büro Astoc.

Die höheren Bauwerke sollen einen städtebaulichen Abschluss der City West mit ihren Hochhäusern bilden, ehe ostwärts die klassische Berliner Traufhöhe dominiere. So wie bei den Neubauten auf den beiden weiteren Eckgrundstücken. Nordöstlich der Kreuzung erweitert das Hotel „Berlin, Berlin“ seine Fläche. Zudem entstehen auch auf diesem Grundstück neue Büros und Wohnungen.

Südlich davon sollte ein kleineres Gebäude mit dreieckiger Grundfläche eine Lücke füllen, die einst für den Ausbau der Stadtautobahn vorgesehen war. Der Senat plante, hier auf dem sogenannten Baufeld 4 im Bereich Kurfürstenstraße 123-126/An der Urania 1 Kultureinrichtungen unterzubringen. Daraus wird wohl nun nichts. Zumindest sollen die Pläne dafür dort erst einmal nicht weiterverfolgt werden. Auch Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (Grüne) wünscht sich an der Stelle eine andere städtebauliche Lösung.