Regenbogenkiez

CDU will Stricher-Spielplatz an der Fuggerstraße bebauen

Der Spielplatz an der Fuggerstraße wird von Strichern als Anbahnungsort genutzt. Die CDU fordert nun dort eine Bebauung.

Der Stricher-Spielplatz Fuggerstraße Schöneberg.

Der Stricher-Spielplatz Fuggerstraße Schöneberg.

Foto: Gudrun Mallwitz

Schöneberg.  Die CDU Tempelhof-Schöneberg hat jetzt vorgeschlagen, den öffentlichen Spielplatz an der Ecke Fugger-/Eisenacher Straße im Schöneberger Regenbogenkiez zu bebauen. Er wird seit Jahren von jungen Strichern aus Osteuropa als Anbahnungsort genutzt wird. Auf dem Platz und in der Umgebung kommt es immer wieder auch zu Straftaten. Kunden werden angelockt und dann ausgeraubt. Bisherige Versuche, die finstere Ecke nach einer Umgestaltung für die Anwohner zurückzuerobern, sind offenbar gescheitert. „Wir müssen selbstkritisch feststellen, dass es bislang nicht funktioniert hat, unsere Vorstellungen dort umzusetzen“, räumte Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) jüngst ein. Für viele Anwohner ist die Ecke abends und nachts ein Angstraum. Er betonte gleichzeitig: „Wir wollen den Platz aber nicht aufgeben.“

Regenbogenhaus statt Spielplatz

Genau das aber fordert nun der CDU-Fraktionsvorsitzende von Tempelhof-Schöneberg, Matthias Steuckardt. „Man bekommt das Problem dort seit Jahren nicht gelöst“, sagte er der Berliner Morgenpost. Sein Vorschlag: Der Spielplatz sollte aufgegeben werden, statt dessen dort ein Haus gebaut werden. „Ich könnte mir eine Art Regenbogenhaus vorstellen, in dem auch soziale Träger im Regenbogenkiez - von der Aidshilfe bis Maneo oder Outreach“- einen Platz finden“, erläutert Steuckardt. Der Bezirk sollte mit einem landeseigenen Unternehmen daran gehen, ein Konzept zu entwickeln. Denkbar wären als Ankermieter ein Arztpraxis und eine Apotheke.

Outreach-Team schlägt neues Konzept vor

Heike Sievers vom Outreach-Präventionsteam für Mobile Jugendarbeit im Regenbogenkiez hatte Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) und Schulstadtrat Oliver Schworck kürzlich bei einem Rundgang durch das Viertel jüngst mehrere Vorschläge unterbreitet, „Aus rechtlicher Hinsicht handelt es sich zwar um einen Spielplatz, er hält aber kein entsprechendes Angebot vor“, machte sie deutlich. Die Sozialpädagogin schlug vor, dass die lokalen Akteure im Kiez – neben Outreach unter anderem das „schwule Anti-Gewalt-Projekt“ Maneo – mit den Nachbarn zusammen ein neues Konzept für den Problem-Platz entwickeln.

Soziale Kontrolle verstärken

„Die Idee ist, den Spielplatz noch einmal umzugestalten und ihn als Treffpunkt für die Anwohner zu etablieren“, sagte Heike Sievers. Je länger abends dort etwas los sei, desto besser. Denkbar wären Aktionen wie ein Nachtflohmarkt. Ein mobiler Imbiss könnte dafür sorgen, dass sich mehr Menschen dort aufhalten. Entscheidend sei, dass die soziale Kontrolle verstärkt werde. Eine Verbesserung der Situation auch der jugendlichen Stricher, die zumeist aus Rumänien und Bulgarien stammen, könnten zugleich auch Deutschkurse und Sportangebote bringen, betonte Sievers. Sie ist dafür, dass der Spielplatz erhalten bleibt.

Seniorenspielgeräte abbauen

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende von Tempelhof-Schöneberg, Christoph Götz-Geene, weist die Forderung aus der CDU vehement zurück: „Ich bin immer für eine Baulückenschließung zu haben, aber wir dürfen in den Wohnkiezen die Spielflächen auf keinen Fall hergeben.“ Er schlägt daher vor, den Bolzplatz dort zu erhalten, die Seniorenspielgeräte in der Ecke aber abzubauen. „Sie werden von Senioren ohnehin nicht genutzt“ beobachtet Götz-Geene. Er plädiert ebenso wie Jugendstadtrat Schworck dafür, dass sich die Spielplatzkommission mit der Neugestaltung des Spielplatzes beschäftigen soll.

Kontrollen verstärken

Der AfD-Fraktionschef in der Bezirksverordnetenversammlung, Karsten Franck, hält es auch für keine gute Idee, den öffentlichen Spielplatz an der Fuggerstraße aufzugeben „Das ist lächerlich“, sagte er. „Dann könnte man auch fordern, die Kurfürstenstraße zur Fußgängerzone zu machen, damit dort kein Straßenstrich mehr stattfindet.“ Die Situation kann sich aus seiner Sicht nur dadurch verbessern, dass Polizei und Bezirk dort regelmäßig Kontrollen durchführen.

Razzien: Drogen, Waffen, Papiere

Die letzte große Razzia fand im Regenbogenkiezlaut Polizei am 24. Mai i statt. Die Männer wurden auf Waffen, Diebesgut und Drogen durchsucht, auch ihre Papiere und damit ihr Alter wurden kontrolliert. Viele Jungen, so wird gemutmaßt, gehen nicht freiwillig anschaffen.„Sie sind oft nur zwei bis drei Monate hier“, sagt ein Anwohner, der die Vorgänge auf dem Spielplatz seit Jahren beobachtet. „Es dauert oft nicht lange, und viele von ihnen werden kriminell.“ Das Geld sei einfacher mit Raubtaten zu verdienen als sich zu prostituieren.

Weiterhin Gewalttaten im schwulen Ausgehviertel

Im Regenbogenkiez ist die Kriminalität laut Polizeiangaben zwar zurückgegangen, dennoch kommt es im weltweit bekannten schwulen Ausgehviertel weiterhin zu Gewalttaten, Diebstählen, Hasskriminalität wie Bedrohungen und Beleidigungen sowie Drogenkriminalität. Vermeintliche und teilweise auch tatsächliche Sexarbeiter sprechen Besucher an, lenken sie ab und rauben ihre Opfer dann aus. Kriminalitätsbelastete Orte: Aus Liste entfernt. An kriminalitätsbelasteten Orten kann die Polizei jederzeit Kontrollen auch ohne konkreten Anlass durchführen.

Kein kriminalitätsbelasteter Ort mehr

Inzwischen ist der Regenbogenkiez aber nicht mehr als ein solcher Kriminalitäts-Hot-Spot eingestuft. Das bedeute aber nicht, dass keine Kontrollen mehr stattfinden, betonte ein Polizeisprecher auf Anfrage. „Wir werden weiterhin präsent sein.“ Die Mobile Wache ist an immer wieder auch am Nollendorfplatz eingesetzt.

Auf oder direkt vor dem Spielplatz an der Fuggerstraße/ Ecke Eisenacher Straße wurden laut Polizei in diesem Jahr Strafanzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung, Körperverletzung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgegeben. „Nach Einschätzung der für diesen Bereich zuständigen Mitarbeitenden des Polizeiabschnitts 41 ist der Bereich rund um den Spielplatz vom Straftatenaufkommen bisher unauffällig“, teilte ein Polizeisprecher auf Anfrage der Berliner Morgenpost jetzt mit.

Polizei kündigte Einsätze an

Die Polizei werde aber auch in den kommenden Monaten Einsätze im Rahmen der Kriminalprävention und zur Verfolgung von Straftaten im „Regenbogenkiez“ durchführen. Ziel sei es, die Besucher des Bereichs, vor allem schwule Männer, über Straftaten wie Taschendiebstähle, Raubtaten und die Verabreichung von KO-Tropfen zu sensibilisieren. Diese Einsätze werden sowohl von Anwohnenden als auch von Angehörigen der Szene positiv aufgenommen und sorgten dafür, dass die Zahl der Straftaten in dem Bereich rückläufig ist.

Neben den Polizeieinsätzen sei der Kontakt der Polizei im Rahmen der Netzwerkarbeit elementarer Bestandteil dafür, Vertrauen zu schaffen und Probleme seitens der Anwohnenden und Geschäftstreibenden früh zu erkennen und dementsprechend rechtzeitig zu reagieren. „Aber auch der gute und enge Kontakt zu anderen Behörden, wie dem Bezirksamt Schöneberg, hat beispielsweise. dafür gesorgt, dass der Müll dort in den Straßen schneller beseitigt und ausgefallenes Licht repariert wird“, sagte der Polizeisprecher. Viele Anwohner fühlen sich dennoch nicht sicher, wenn sie nachts auf dem Weg nach Hause sind.