Prostitution

Anwohner wollen Spielplatz nicht den Strichern überlassen

Auf dem Spielplatz an der Fuggerstraße warten Stricher auf ihre Kunden. Für Anwohner ist der Ort ein Angstraum.

Am Spielplatz an der Fuggerstraße/Ecke Eisenacher Straße in Schöneberg bieten vor allem Nachts Stricher ihre Dienste an.

Am Spielplatz an der Fuggerstraße/Ecke Eisenacher Straße in Schöneberg bieten vor allem Nachts Stricher ihre Dienste an.

Foto: Gudrun Mallwitz

Berlin.  Der öffentliche Spielplatz an der Ecke Fugger-/Eisenacher Straße im Schöneberger Regenbogenkiez wird seit Jahren von jungen Strichern aus Osteuropa zum Anschaffen genutzt. Immer wieder kommt es dort und in der Umgebung auch zu Straftaten. Kunden werden angelockt und dann ausgeraubt. Bisherige Versuche, die finstere Ecke nach einer Umgestaltung für die Anwohner zurückzuerobern, sind offenbar gescheitert. „Wir müssen selbstkritisch feststellen, dass es bislang nicht funktioniert hat, unsere Vorstellungen dort umzusetzen“, sagte jetzt Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) der Berliner Morgenpost. „Wir wollen den Platz aber nicht aufgeben.“ Nun soll ein neuer Versuch gestartet werden.

„Als Angstraum wahrgenommen“

Heike Sievers vom Outreach-Präventionsteam für Mobile Jugendarbeit im Regenbogenkiez unterbreitete Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) und Schulstadtrat Schworck bei einem Rundgang durch das Viertel jüngst mehrere Vorschläge dazu. „Aus rechtlicher Hinsicht handelt es sich zwar um einen Spielplatz, er hält aber kein entsprechendes Angebot vor“, machte sie deutlich. „Viele Anwohner nehmen den Platz nach Einbruch der Dunkelheit als Angstraum wahr.“

Soziale Kontrolle verstärken

Die Sozialpädagogin schlug vor, dass die lokalen Akteure im Kiez – neben Outreach unter anderem das „schwule Anti-Gewalt-Projekt“ Maneo – mit den Nachbarn zusammen ein neues Konzept für den Problem-Platz entwickeln. „Die Idee ist, den Spielplatz noch einmal umzugestalten und ihn als Treffpunkt für die Anwohner zu etablieren“, sagte Heike Sievers. Je länger abends dort etwas los sei, desto besser. Denkbar wären Aktionen wie ein Nachtflohmarkt. Ein mobiler Imbiss könnte dafür sorgen, dass mehr Menschen sich dort aufhalten. Entscheidend sei, dass die soziale Kontrolle verstärkt werde. Am Wochenende fand ein erstes kleines, von Outreach mit Unterstützung des Bezirks organisiertes Nachbarschaftsfest auf dem Spielplatz statt. Beim „Kiezdate“ kam man bei Essen und Trinken miteinander ins Gespräch. Angeboten wurden auch Spiele wie Torballschießen. Vereine waren als Ansprechpartner vor Ort

Eine Verbesserung der Situation auch der jugendlichen Stricher, die zumeist aus Rumänien und Bulgarien stammen, könnten zugleich auch Deutschkurse und Sportangebote bringen, betonte Sievers.

Razzien: Drogen, Waffen, Papiere

Immer wieder führte die Polizei Razzien im Fugger-Kiez durch. Die Männer wurden auf Waffen, Diebesgut und Drogen durchsucht, auch ihre Papiere und damit ihr Alter wurden kontrolliert. Denn viele von ihnen, so wird gemutmaßt, gehen nicht freiwillig anschaffen.

„Viele sind oft nur zwei bis drei Monate hier“, sagt ein Anwohner, der die Vorgänge auf dem Spielplatz seit Jahren beobachtet. „Es dauert oft nicht lange, und viele von ihnen werden kriminell.“ Das Geld sei einfacher mit Raubtaten zu verdienen als sich zu prostituieren.

Weiterhin Gewalttaten im schwulen Ausgehviertel

Im Regenbogenkiez ist die Kriminalität laut Polizeiangaben zwar zurückgegangen, dennoch kommt es im weltweit bekannten schwulen Ausgehviertel weiterhin zu Gewalttaten, Diebstählen, Hasskriminalität wie Bedrohungen und Beleidigungen sowie Drogenkriminalität. Vermeintliche und teilweise auch tatsächliche Sexarbeiter sprechen Besucher an, lenken sie ab und rauben ihre Opfer dann aus.

Kriminalitätsbelastete Orte: Aus Liste entfernt

An kriminalitätsbelasteten Orten kann die Polizei jederzeit Kontrollen auch ohne konkreten Anlass durchführen. Der Regenbogenkiez ist inzwischen aber nicht mehr als ein solcher Kriminalitäts-Hot-Spot eingestuft. Das bedeute aber nicht, dass keine Kontrollen mehr stattfinden, betonte ein Polizeisprecher auf Anfrage. „Wir werden weiterhin präsent sein.“ Die Mobile Wache ist an immer wieder auch am Nollendorfplatz eingesetzt.

Gegen Nachtbürgermeister im Regenbogenkiez

Die verstärkte Polizeipräsenz hat nach Ansicht des Grünen-Abgeordneten Sebastian Walter „viel mehr Ruhe in den Kiez gebracht.“ Es bestehe aber auch eine soziale Verantwortung. „Wir dürfen nicht nur mit Repressionen antworten, sondern auch mit sozialen Angeboten“, betonte Walter. Er spricht sich deshalb gegen einen reinen Nachtbürgermeister nach dem Vorbild Amsterdams aus. Inzwischen gibt es einen Nachtbürgermeister in vielen anderen europäischen Großstädten wie zum Beispiel Toulouse, Zürich oder auch Paris.

Der Berliner Innensenatsverwaltung unter Andreas Geisel (SPD) und Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) zufolge soll eine solche Stelle womöglich ab kommendem Jahr besetzt werden. Damit wolle man dem Sicherheitsbedürfnis des Partypublikums und der Anwohner entgegen kommen. „Was wir brauchen, ist ein Kiezmanager, der alle Aktivitäten bündelt“, sagte Walter.

Stadtrat Schworck: Wollen Ideen umsetzen

Und was passiert nun mit dem Spielplatz an der Fugger-/Ecke Eisenacher? Jugendstadtrat Schworck unterstrich: „Wir hoffen auf viele Ideen und wollen uns große Mühe geben, sie umzusetzen.“ Schworck hat schon mal einen Mitarbeiter auf den Spielplatz geschickt, um einen bekannt gewordenen Missstand überprüfen zu lassen. Auf dem Boden unter den Tischtennisplatten haben sich blaue Glassplitter gelöst. Sie sollten wohl dekorativ sein und in der Nacht leuchten. „Es handelt sich nicht um scharfkantiges Glas“, sagte Schworck. „Dennoch müssen wir ausschließen, dass sich jemand daran verletzt.“