Nachbarschaft

Spiel, Spaß, Gespräche: Kiezoase sorgt für Zusammenhalt

Das Familien-und Nachbarschaftszentrum in Schöneberg bringt Menschen und Ideen zusammen.

Nachbarschaftsinitiative Kiezoase: Ali Fostok und Leiterin Marianne Konermann.

Nachbarschaftsinitiative Kiezoase: Ali Fostok und Leiterin Marianne Konermann.

Foto: Foto: Sergej Glanze

Schöneberg.  Auf der Bank unterhalten sich die Mütter und Väter angeregt, während ihre Kinder im Sand herumtoben. Eine typische Szene. Dieser öffentliche Spielplatz an der Barbarossastraße in Schöneberg ist aber nicht irgendeiner. Er gehört dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg, wird aber von Eltern gepflegt. Die Rund-Bank um die alte Linde hat ein Tischler gebaut, der um die Ecke wohnt. Das Spielzeug muss nicht von zuhause mitgebracht werden – auch Dreiräder und Bobby Cars dürfen einfach so genutzt werden.

Die „Kiezoase“ kümmert sich zusammen mit Eltern um den Spielplatz, entstanden ist diese Initiative aus der „Kiezoase“ heraus. So nennt sich das Nachbarschafts- und Familienzentrum in der Barbarossastraße 65, das sich für ein breitgefächertes Freizeit-, Bildungs- und Beratungsangebot engagiert. Seit Jahrzehnten sorgt es unter der Trägerschaft des Pestalozzi-Fröbel-Hauses für den nachbarschaftlichen Kitt im beliebten Schöneberger Kiez zwischen Winterfeldtmarkt und Akazienstraße.

Eine Anlaufstelle für Nachbarn in vielen Lebenslagen

„Wir bieten die Möglichkeiten, Initiativen auf den Weg zu bringen“, beschreibt die Leiterin der „Kiezoase“, Marianne Konermann einen wichtigen Pfeiler der Arbeit. Sechs feste Mitarbeiter und derzeit 54 Freiwillige sorgen dafür, dass Nachbarn, Familien, Kinder und ältere Menschen eine Anlaufstelle haben, die ihnen in vielen Lebenslagen Unterstützung bietet.

Die „Kiezoase“ hat dazu die unterschiedlichsten Kurse im Programm. Sie reichen von Yoga, Turnen über Töpfern für Eltern und Kinder bis hin zu Tanzkursen für Paare und Singles und kreativen Schreibgruppen. Dazu kommen Beratungsangebote zum Familienrecht oder Verbraucherrecht, aber auch zu Strategien für den Wiedereinstieg in den Beruf nach der Elternzeit oder Berufsorientierungskurse für Frauen. Wöchentlich treffen sich die Älteren zum Kartenspielen, angeboten wird auch Gedächtnistraining für die über 80-Jährigen. Etwa 1200 Menschen besuchen wöchentlich die Einrichtung.

„Wir möchten verschiedene Generationen zusammenführen und machen Angebote für Menschen in jedem Alter“, erläutert Marianne Konermann. Am Wochenende werden die Räume für Familienfeste vermietet. Für 80 Euro und ermäßigt 60 Euro am Tag.

„Sie lernen sich hier kennen und unterstützen sich gegenseitig“

Das Wichtigste sei, dass die Menschen die Möglichkeit bekommen, sich zu vernetzen. „Sie lernen sich hier kennen und unterstützen sich gegenseitig, etwa, indem mal der eine, mal der andere die Kinder mit nach Hause nimmt.“ Es gibt auch einen Babysitter-Service. Die „Kiezoase“ vermittelt Schüler, Studenten oder erfahrene ältere Damen als Kinderbetreuer.

Ania Bakowski (41) ist Organisationsberaterin bei der Berliner Stadtreinigung. Sie kommt mit ihrer zweieinhalbjährigen Tochter Stella häufig vorbei. Von ihr stammt die Idee, regelmäßig einen Elternsalon zu veranstalten.

Schon das erste Treffen vor einem Jahr war ausgebucht, 30 Interessierte erschienen. „Jedes Mal sprechen wir über ein Thema und laden Experten ein“, erzählt die Mutter. Beim nächsten Elternsalon am Montag, 17. Juni, geht es um den Spagat zwischen Beruf und Familie. Anmeldungen werden bis Dienstag, 11. Juni, unter tesch@kiezoase.de oder 030/21730 203 entgegen genommen. Die Teilnahme kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Es gibt mehrsprachige Eltern-Kind-Gruppen, etwa auf Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Serbisch, Ungarisch.

Das Ehrenamt wird eigens gefördert. Die Freiwilligenkoordinatorin Monika Fröhlich ist jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung zu sprechen. Sie vermittelt auch Fortbildungen.

Gemütliche Atmosphäre mit rotgepolstertem Sofa

Auch Integration ist ein wichtiges Anliegen. So ist der junge Syrer Ali Fostok über das Tandemprojekt zur „Kiezoase“ gekommen. Dabei werden Neu-Berliner beim Deutscherwerb oder ins Berufsleben begleitet und treffen sich regelmäßig zu Infoabenden und zum Austausch.

Gegen eine Aufwandsentschädigung hilft der 23-Jährige einmal die Woche im Familiencafé mit. Dort herrscht eine gemütliche Atmosphäre – mit dem rotgepolsterten Sofa, hellen Möbeln und dem dunklen antiken Holztresen, an dem Kaffee ausgeschenkt wird und frische Waffeln ausgegeben werden. Ali Fostok geht zur Schule, kürzlich machte er ein Praktikum als Elektriker für Energie und Gebäude. „Mein Traum wäre Mechatroniker“, sagt er.

Einige engagierte Frauen haben neben dem Spielplatz eine gut gepflegte Büchertausch-Zelle eingerichtet. Dann gibt es da noch das Repair-Cafe nebenan. Die Initiative stammt von Besuchern der „Kiez-Oase“. Gegen eine Spende werden defekte Toaster, alte Stereoanlagen oder kaputte Wasserkocher repariert.

„Mehr Familien als noch vor zehn Jahren“

Das Nachbarschaftszentrum wurde 1951 gegründet, seit 1994 nennt es sich „Kiezoase“. Die Sozialpädagogin Anna Tesch, 35, arbeitet hier inzwischen seit bald zehn Jahren. Sie stellt einen Wandel fest: „Wir haben hier viel mehr Familien als noch vor zehn Jahren. Es ist voller geworden.“ Die Besucher stammen inzwischen auch aus anderen Bezirken.

Die Veränderung bringt nicht nur die zunehmende Gentrifizierung im Kiez. Sie kam auch durch den vor fünf Jahren geschaffenen Durchbruch vom Familiencafé zum Spielplatz zustande. „Dass man seither direkt vom Spielplatz ins Café gelangen kann, senkt die Hemmschwelle“, freut sich Anna Tesch. „Jeder ist bei uns willkommen.“