Dresdner Bahn

Ausbau der Dresdner Bahn: Jetzt geht es richtig los

Die Deutsche Bahn informierte die Lichtenrader jetzt über die weiteren Schritte für den Wiederaufbau der Dresdner Bahn.

Die Bürgerinitiative Lichtenrade-Dresdner Bahn e.V. v.l. Gerd Jenke, Petra Preuß, Helmuth Schröter, Klaus Roesler protestierten beim offiziellen Baustart im Februar.

Die Bürgerinitiative Lichtenrade-Dresdner Bahn e.V. v.l. Gerd Jenke, Petra Preuß, Helmuth Schröter, Klaus Roesler protestierten beim offiziellen Baustart im Februar.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin.  Mit dem umstrittenen Ausbau der Dresdner Bahn geht es jetzt richtig los. Die Voraussetzungen seien geschaffen, um mit den Bauhauptleistungen beginnen zu können, teilte die Bahntochter DB Netze mit. Das Unternehmen plant das Bauvorhaben, über das seit mehr als 20 Jahren gestritten wird. Für die Anwohner und Bahnkunden beschert die nächste Arbeitsphase zusätzliche Einschränkungen. Bei einer Informationsveranstaltung in Lichtenrade kündigten Vertreter der Deutsche Bahn am Mittwochabend vor rund 250 Bürgern an, dass in diesem Jahr zwei mehrtägige Sperrungen der S-Bahn-Linie S2 (Süd) bevorstehen.

Linie S2 teilweise komplett gesperrt

Nach derzeitigem Stand wird der Streckenabschnitt Priesterweg-Blankenfelde vom 23. September, 4 Uhr, bis zum 3. Oktober, 7 Uhr, komplett gesperrt. Auf dem Abschnitt Marienfelde-Lichtenrade ist die S2 vom 20. Dezember, 22 Uhr, bis 23. Dezember, 4 Uhr, nicht unterwegs. Zwischen Lichtenrade und Blankenfelde fährt sie jedoch in dieser Zeit.

Während der Sperrungen der Teilabschnitte werde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, stellt die Deutsche Bahn in Aussicht. „Wir versuchen, diese Einschränkungen auf das Minimum zu reduzieren“, betonte Holger Ludewig, Projektleiter für den Ausbau der Dresdner Bahn.

Das ehrgeizige Bahnprojekt soll dafür sorgen, dass sich die Fahrzeit der Fernzüge nach Dresden sowie weiter nach Prag und Südosteuropa deutlich verringert. Auch die Bahnanbindung des neuen, noch immer nicht eröffneten Hauptstadtflughafens BER soll sich verbessern. So soll der Flughafenexpress von der Berliner City bis nach Schönefeld nach der Fertigstellung der Dresdner Bahn ab 2025 nur noch 20 Minuten statt einer halben Stunde unterwegs sein

Einzelne Gleissperrungen angekündigt

Bereits zwischen 21. Juni bis 4. August soll es im Zuge der Baumaßnahmen bereits zu einzelnen Gleissperrungen im Abschnitt Priesterweg-Marienfelde kommen. Der S-Bahn-Verkehr könne aufrecht erhalten werden, der Fahrplan müsse aber angepasst werden. Die Züge werden in dieser Zeit nicht wie gewohnt im 10-Minuten-Takt verkehren.

Mit Vorarbeiten im Zeitplan

Im Oktober 2017 wurde mit den bauvorbereitenden Maßnahmen für den Wiederaufbau der Dresdner Bahn begonnen. Laut Deutsche Bahn liegt man aktuell voll im Zeitplan. Das Elektronische Stellwerk in Marienfelde sei in Betrieb genommen, zahlreiche Kabel und Leitungen wurden inzwischen verlegt.

Erstmals in Deutschland sei eine Lärmschutzwand bereits vor den Bauhauptleistungen errichtet worden. Als nächster Schritt werde sie begrünt. Von Juli bis November werde dann eine Stütz- und Lärmschutzwand im Schichauweg auf der Westseite der Bahntrasse errichtet.

Leitungsbetreiber wollen in der Bahnhofstraße als nächstes Kabel und Leitungen verlegen. Bis Anfang 2020 sind dann die Gas- und Wasserleitung sowie Strom- und Telekomkabel dran - und die noch bestehenden Imbissbauten sollen abgerissen werden.

Im dritten Quartal gesperrt

Die Bahnhofstraße werde dann im dritten Quartal nächsten Jahres in Höhe des Bahnübergangs für Fahrzeuge gesperrt, kündigte Projektleiter Ludewig an. Für die Fußgänger und Radfahrer werden während der Bauzeit Übergänge geschaffen.

In der Säntisstraße finden bereits die Arbeiten für die Eisenbahnunterführung statt. Bis Ende Mai sollen die Berliner Wasserbetriebe mit der Verlegung der Leitungen fertig sein. Bis Oktober 2021 sollen die Gleisanlagen verschwenkt sein. Danach könnte das Land mit dem Bau der neuen Straßenüberführung in der Buckower Chaussee beginnen. Sie dient derzeit als Umleitungsstrecke.

Bürgerinitiative kämpft dagegen

Die Informationsveranstaltung im Gemeinschaftshaus Lichtenrade wurde gemeinsam mit der Bürgerinitiative Lichtenrade-Dresdner Bahn durchgeführt. Seit mehr als 20 Jahren kämpften Bürger und Politiker dagegen, dass die künftige Trasse der Dresdner Bahn den Ortsteil zerschneidet und mit meterhohen Schallschutzwänden wieder einen neue Mauer im äußersten Süden Berlins aufgebaut wird. Den offiziellen Baustart für das Projekt am Bahnübergang Wolzinger Zeile im Februar konnten sie aber nicht verhindern.

„BI: Ein Baustopp wäre uns am liebsten“

Der Vorsitzende der Bürgerinitative (BI), Klaus Roesler, sagte auf dem Podium neben mehreren Bahnvertretern: „Wir sind nicht Friede, Freude, Eierkuchen mit der Bahn. Uns wäre es am liebsten, wenn es einen Baustopp geben würde, bis das Gericht entschieden hat.“ Dies hatte in der Diskussion zuvor ein Bürger gefordert.

Die BI wollte den Wiederaufbau der Dresdner Bahn nicht generell verhindern, sondern wehrte sich gegen eine überirdische Trassenführung. Diese würde Lichtenrade in zwei Teile zerschneiden und die Anwohner zusätzlich mit Lärm belasten. Der Zusammenschluss Lichtenrader Bürger forderte statt dessen einen Tunnel, in dem die Gleise verschwinden sollten - und hat nach mehreren verlorenen Prozessen am Bundesverwaltungsgericht gegen das Projekt Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht eingereicht. Über die ist noch nicht entschieden worden.

Brücke am Bahnübergang Säntisstraße

Kein Thema war bei der rund zweistündigen Veranstaltung der Dauer-Aufreger: dass Fußgänger und Radfahrer durch die Sperrung des Bahnübergangs Säntisstraße weite Umwege in Kauf nehmen müssen. Oder sich über ein steiles Brückenprovisorium quälen müssen. Dagegen liefen zahlreiche Beschwerden, doch die Deutsche Bahn blieb hart. „Da die Fußgängerbrücke nur eine bauzeitliche Zwischenlösung ist, wurde unter dem Kosten-Nutzung-Aspekt wegen des sehr geringen Aufkommens keine barrierefreie Brücke gewählt“, begründete ein Sprecher die schwer kritisierte Lösung. Ein Aufzugteuer.

Während der Bauzeit der Dresdner Bahn soll es künftig in Lichtenrade, aber auch in Marienfelde und in Mahlow-Blankenfelde in Brandenburg regelmäßig solche Informationsveranstaltungen geben, so die Ankündigung.

Auch wenn sich die Bahnvertreter an diesem Abend sichtlich Mühe gaben, die vielen Fragen der anwesenden Bürger zu beantworten, gingen die meisten Teilnehmer wohl trotzdem nicht beruhigt nach Hause.

Massiv kritisiert wurde, dass trotz Einladung kein Vertreter der Berliner Verkehrsbetriebe BVG gekommen war, das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg fehlte ebenso. Beides bedauerte auch der Projektmanager für den Bau der Dresdner Bahn, Holger Ludewig.

Die Lichtenrader sorgen sich somit weiterhin wegen der mangelnden Koordinierung in der Bauphase. Der CDU-Bezirksverordnete Patrick Liesener forderte am Rande der Informationsversammlung: „Das Bezirksamt muss endlich auf die vorgelegten Baustellenplanungen der Bahn reagieren.“

Es gehe dabei nicht nur darum, Umleitungen zu koordinieren. Projektmanager Benjamin Döring von der DB Netz AG, hatte in der Debatte bestätigt, dass die Bahn noch keinen konkreten Zeitplan vorliegen habe, wann die Bahnhofstraße in welchen Bereichen umgestaltet werden soll. Unabhängig von Bauarbeiten für die Dresdner Bahn ist ein weiteres großes Vorhaben geplant: Die Straße soll mit Fördergeldern aus dem Programm „Aktive Zentren“ neu gemacht werden. Wenn die Lichtenrader Pech haben, treffen beide Baumaßnahmen zeitlich zusammen. Dann wäre ihre zentrale Einkaufsstraße womöglich eine Zeit lang gar nicht mehr befahrbar.