Dienstzeit verlängert

Direktor der Friedrich-Bergius-Schule bleibt: die Reaktionen

Der Leiter der Bergius-Schule. Michael Rudolph, kann weitermachen. Ihn erreichen viele Glückwunsch-Mails. Es gibt aber auch Kritik.

Michael Rudolph, Leiter der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau, freut sich über die Entscheidung.

Michael Rudolph, Leiter der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau, freut sich über die Entscheidung.

Foto: Anikka Bauer

Berlin. Die Entscheidung von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), den erfolgreichen Schulleiter der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau, Michael Rudolph, nach heftigen Protesten doch noch ein Jahr im Amt zu belassen, hat für überwiegend positive Reaktionen gesorgt.

Bianka Aversente, Gesamt-Elternvertreterin und Mitglied der Schulkonferenz, sagte der Berliner Morgenpost: „Ich freue mich sehr, dass Herr Rudolph weitermachen kann.“

„Zukunftsorientierte Werte“

Sie habe sich als Schule für ihren Sohn für die Bergius-Schule entschieden, weil dort unter der Leitung von Rudolph wichtige zukunftsorientierte Werte vermittelt würden. Der Berliner Pädagoge ist für seine klaren Regeln und Strenge bekannt. „Die Reaktionen aus der Elternschaft auf den Verbleib Rudolphs sind überwiegend positiv“, fasst die Mutter die Stimmung zusammen.

Der 65-Jährige wollte über die Pensionsgrenze weitermachen, doch die Schulverwaltung lehnte dies zunächst ab. Daher wäre für ihn zum 31. Juli Schluss gewesen. Viele Berliner, darunter auch Bildungspolitiker auf Landes- und Bezirksebene, mutmaßten, dass so ein unbequemer und eigenwilliger Schulleiter abgestraft werden soll. Denn Rudolph hatte die Schulinspektion mehrfach öffentlich kritisiert, mit seinen ungewöhnlichen Unterrichts- und Erziehungsmethoden eckte er in der Senatsschulverwaltung an.

Viele Glückwunsch-Mails

Seit feststeht, dass er nun doch bleibt, sind bei Rudolph viele Glückwunsch-Schreiben eingegangen. Ein Lehrer einer anderen Schule schrieb: „Nun dürfen Sie „Altes Ross“ sich nun doch noch mal vom Stroh erheben. Dazu meinen herzlichen Glückwunsch.“

Der scheidende Schulleiter hatte am Dienstagmittag durch einen Anruf aus der Schulverwaltung von der Verlängerung seiner Dienstzeit erfahren. „Ich hatte nicht mehr damit gerechnet“, sagte er auf Anfrage. „Ich freue mich sehr über die Entscheidung“. Er betrachte das auch als Anerkennung seines Kollegiums.

Entscheidung fiel mit Staatssekretärin

Die überraschende Entscheidung, seinem Antrag auf Weiterbeschäftigung zu entsprechen, hat nach Informationen der Berliner Morgenpost die Senatorin zusammen mit ihrer neuen Staatssekretärin Beate Stoffers (SPD) gefällt. Der von Stoffers jüngst abgelöste bisherige Staatssekretär Mark Rackles (SPD) hatte sich in den vergangenen Monaten einen heftigen Streit mit den Rudolph-Befürwortern geliefert und die geplante Neubesetzung der Position verteidigt

Schulexpertin der Grünen begrüßt Entscheidung

Martina Zander-Rade, schulpolitische Sprecherin der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung, betonte: „Die Verlängerung des Dienstverhältnisses von Michael Rudolph ist auch in Hinsicht eines produktiven Wettbewerbs unterschiedlicher pädagogischer Ansätze zu begrüßen.“

Es bleibe zu hoffen, dass Beate Stoffers als neue Staatssekretärin ebenfalls eine Verfechterin dieser Vielfalt ist und sie mehr Gespür für Elternwünsche und demokratisches Engagement zeigt, als das bei ihrem Vorgänger Rackles der Fall gewesen sei, so die Grüne.

Nach Ansicht Zander-Rades hat die praktische Vernunft über Ideologie gesiegt. Es habe sich das demokratische Engagement von Eltern, Lehrern und Kommunalpolitikern über eine selbstherrlich agierende Verwaltung gelohnt.

CDU-Bezirksverordneter: Gutes und richtiges Signal

„Die nun doch noch erfolgte Dienstzeitverlängerung von Herrn Rudolph ist ein gutes und richtiges Signal vor allem an das Kollegium der Friedrich-Bergius-Schule, das sich in einem Brief an die Schulsenatorin für den Verbleib ihres Schulleiters eingesetzt hatte“, zeigt sich der schulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Zander erfreut.

Linke meldet Klärungsbedarf an

Die Linke-Fraktionschefin Elisabeth Wissel hingegen sieht nun Klärungsbedarf. Sie kündigte gegenüber der Berliner Morgenpost eine mündliche Anfrage an das Bezirksamt an.

Die Linksfraktion hatte die von der Bezirksverordnetenversammlung im März mehrheitlich beschlossene Resolution nicht mitgetragen, in der sich das politische Gremium hinter Rudolphs Ansinnen stellte, weiter zu machen. Zum einen sehen die Linken dies skeptisch, weil sie für eine Verjüngung an der Spitze der Schule eintritt, zum anderen, weil sie mit dem pädagogischen Konzept Rudolphs nicht einverstanden sind.

Bürgermeisterin: Nachfolge vorbereiten

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) begrüßte auf Anfrage, dass jetzt eine Entscheidung gefallen ist. Damit komme Ruhe an die Schule. Allerdings betonte sie auch, dass das Jahr gut genutzt werden solle, um die Nachfolge zu klären.

Rein theoretisch könnte Rudolph noch zweimal einen Antrag auf Verlängerung stellen. Laut Landesbeamtengesetz gehen Staatsdiener mit dem vollendeten 65. Lebensjahr in den Ruhestand. Für einzelne Gruppen von Beamtinnen und Beamten wie Schulleiter oder Lehrer sind Verlängerungen aber bis zum 68. Lebensjahr möglich.