Berühmte Friedhöfe

Lesestunde an den Grabstätten Schönebergs

Auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof liest Schauspieler Bertram von Boxberg bei einem ersten Lesespaziergang direkt vor der Grabstätte.

Der erste Lesespaziergang auf dem Alten Zwölf-Apostel-Friedhof Schöneberg führt an das  Grab des jüdischen Literaturhistorikers Heinrich Spiero.

Der erste Lesespaziergang auf dem Alten Zwölf-Apostel-Friedhof Schöneberg führt an das Grab des jüdischen Literaturhistorikers Heinrich Spiero.

Foto: Bertram von Boxberg

Berli n.  Im Frühjahr, wenn alles blüht, lohnt sich ein Besuch der Kirchhöfe in Schöneberg ganz besonders. In den nächsten Tagen bietet sich eine gute Gelegenheit, vorbeizuschauen. An diesem Freitag, 10. Mai startet um 18 Uhr die Reihe Lesespaziergänge.

Der Schauspieler Bertram von Boxberg wird auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof direkt an der Grabstelle aus den Werken von Heinrich Spiero lesen. „Wir werden dazu Stühle aufstellen“, erläutert er das Konzept. Bei schlechtem Wetter finde die Veranstaltung in der Kapelle statt.

Treffpunkt ist am Eingang Kolonnenstraße 24-25, 10829 Berlin. Der Eintritt ist frei.

Persönlichkeiten begraben, die sich kannten

Wie bei allen künftigen Lesespaziergängen will von Boxberg eine kurze biografische Einführung geben. Heinrich Spiero (1876-1947) stammt aus einer jüdischen Familie und war einer der führenden Literaturhistoriker des frühen 20. Jahrhunderts.

Nach 1933 wurde Spiero mehrfach verhaftet und mit Schreib- und Publikationsverbot belegt. So geriet er für viele in Vergessenheit. „Wir haben von der Enkelin Bücher mit Widmung aus dem Nachlass bekommen“, sagt von Boxberg. „Interessant ist, dass auf dem Friedhof viele Leute liegen, die sich einst gekannt haben.“ Spiero habe im einstigen Salon der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Hedwig Dom verkehrt. Sie starb 1919 und ist auch auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof begraben.

Spuren des Tiergarten-Viertels

Am Sonntag, 12. Mai, werden Sibylle Nägele und Joy Markert als Kenner der Zwölf-Apostel-Kirchhöfe und des Tiergarten Viertel über den im 2. Weltkrieg komplett zerstörten Stadtteil berichten.

Auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof zwischen Großgörschenstraße und Monumentenstraße finden sich Spuren dieses kulturhistorisch äußerst bedeutenden Stadtgebietes. Nägele und Markert wollen bei der kulturhistorischen Führung die bedeutende Epoche zum Ende des 19. Jahrhunderts lebendig werden lassen.

Unter den Top 20 aller deutschen Friedhöfe

Der Alte St. Matthäus-Kirchhof gehört zu den kunst- und kulturgeschichtlich bedeutendsten Begräbnisplätzen Berlins. 2014 wurde er zum zweiten Mal bei dem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb „Bestattungen.de Award“ unter den Top 20 aller deutschen Friedhöfe gelistet. Kein anderer Berliner Friedhof hatte es bei diesem Ranking so weit nach oben geschafft.

Treffpunkt ist am Eingang Großgörschenstraße 12-14, 10829 Berlin. Der Eintritt ist ebenfalls frei.

Der Gang über den Alten St. Matthäus-Kirchhof ist auch eine spannende Zeitreise durch die Berlin Kultur- Geistes- und Wissenschaftsgeschichte. Auch auf diesem Friedhof sind zahlreiche prominente Persönlichkeiten wie die Märchensammler Brüder Grimm oder der Mediziner Rudolf Virchow bestattet.

Unterwegs mit der Friedhofs-App

Seit 2014 gibt es die Möglichkeit den Kirchhof mit der „Friedhofs App“ zu entdecken. Sie kann kostenlos heruntergeladen werden und enthält Texte und Audioguides zu mehr als 1200 historischen Grabstellen bedeutender Persönlichkeiten auf 45 Friedhöfen in 32 deutschen Städten.

Neben den für ihre Märchensammlungen berühmt gewordenen Brüdern Grimm sind hier weitere prominente Persönlichkeiten begraben. Rio Reiser fand hier seine letzte Ruhestätte.

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