Kehrtwende

Direktor der Bergius-Schule darf ein Jahr länger bleiben

Der Leiter der Bergius-Schule, Michael Rudolph, sollte gegen seinen Willen in den Ruhestand gehen. Warum er doch im Amt bleiben darf.

Der Leiter der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau, Michael Rudolph, darf nun doch noch weitermachen.

Der Leiter der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau, Michael Rudolph, darf nun doch noch weitermachen.

Foto: Anikka BaueR

Berlin.  Der Protest war erfolgreich: Überraschend bleibt der Leiter der Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau, Michael Rudolph, doch ein Jahr länger im Amt. Das bestätigte ein Sprecher der Bildungssenatsverwaltung der Berliner Morgenpost. Rudolph wollte über die Pensionsgrenze weitermachen, doch die Schulverwaltung lehnte dies ab. Viele Berliner, darunter Bildungspolitiker, mutmaßten, dass ein unbequemer Schulleiter abgestraft werden soll. Denn der für seine klaren Regeln bekannte Berliner Pädagoge hatte die Schulinspektion mehrfach öffentlich kritisiert und eckte in der Senatsschulverwaltung durch seine Unterrichtsmethoden an.

Rudolph begrüßt Qualitätsmaßnahmenplan der Senatorin

Der Erfolg gab ihm aber recht: Obwohl Sekundarschulen ohne Oberstufe in der Regel weniger qualifizierte Abschlüsse hervorbringen, schaffen an der Bergius-Schule mehr als die Hälfte der Schüler am Ende einen Mittleren Schulabschluss (MSA).

Wie kam der Sinneswandel? Anfang Mai hatte sich Direktor Rudolph noch einmal schriftlich an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gewandt. Er machte erneut sein großes Interesse deutlich, nach 41 Dienstjahren als Direktor die Schule noch ein weiteres Jahr zu leiten.

Er stellte ebenso klar, dass er den Qualitätsmaßnahmenplan, den die Senatorin jüngst vorgestellt hat, begrüße. Zudem betonte er, dass er die Schulinspektion nicht in Gänze habe kritisieren wollen und bereit sei, die Anregungen für eine Stärkung der demokratischen Schulkultur aufzunehmen.

Neue Staatssekretärin offenbar treibende Kraft

Die Entscheidung, seinem Antrag auf Weiterbeschäftigung zu entsprechen, hat nach Informationen der Morgenpost die Senatorin zusammen mit ihrer neuen Staatssekretärin Beate Stoffers (SPD) gefällt. Der von Stoffers jüngst abgelöste Staatssekretär Mark Rackles (SPD) hatte sich einen Streit mit Rudolph-Befürwortern geliefert.

Daraufhin verfasste die Bezirksverordnetenversammlung in Tempelhof-Schöneberg eine Resolution, in der sie sich hinter den Schulleiter stellte. „Ich freue mich sehr über die Entscheidung“, sagte Schulleiter Rudolph der Morgenpost. „Ich sehe das auch als Anerkennung meines Kollegiums.“