Mietschulden

Mehr als 340 Räumungsklagen in Tempelhof-Schöneberg

Mietrückstände: Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg will das Sozialamt künftig intensiver beraten.

Häuser in Schöneberg (Archivbild).

Häuser in Schöneberg (Archivbild).

Foto: jörg Krauthöfer

Berlin.  Mietschulden führen immer wieder dazu, dass Menschen ihre Wohnung aufgeben müssen. In Tempelhof-Schöneberg sind 2019 bislang 80 Räumungsklagen erhoben worden. 2018 waren es 343 Klagen. Das ist ein leichter Rückgang gegenüber 2017, als Vermieter in 368 Fällen auf Räumung klagten.

Diese Zahlen nannte Sozialstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) auf Anfrage der Bezirksverordneten Elisabeth Wissel (Linke). 2018 wurden 244 Zwangsräumungen angekündigt, 45 weniger als 2017. In diesem Jahr waren es bisher 58. Das Sozialamt versucht, die Betroffenen zu unterstützen. Wenn man darüber informiert werde, dass eine Wohnung gekündigt, Räumungsklage erhoben oder die Zwangsräumung angekündigt wurde, dann werde der betreffende Mieter angeschrieben und bekomme ein Hilfeangebot, sagte Stadträtin Kaddatz.

Doch die Rücklaufquote ist niedrig. Nur zehn Prozent der Angeschriebenen reagieren. Mieter, denen die Zwangsräumung droht, seien oft mit ihrer Lebenssituation überfordert, sagt die Stadträtin. Der Verlust der Wohnung ließe sich häufiger verhindern, wenn Mitarbeiter des Sozialamtes die betroffenen Haushalte aufsuchen würden.

Mehr Geld für soziale Wohnhilfen

Für solche Hausbesuche fehlt bislang das Personal. Doch das soll sich ändern. Der Senat will den Bezirken mehr Geld für soziale Wohnhilfen zur Verfügung stellen. Tempelhof-Schöneberg möchte damit zwei zusätzliche Stellen finanzieren. Sie seien bereits ausgeschrieben, sagte Stadträtin Kaddatz in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Verordneten Aferdita Suka.

In Tempelhof sorgte 2018 die Räumungsklage gegen einen kranken Mieter aus der Manfred-von-Richthofen-Straße für Schlagzeilen.

Die Linken-Verordnete Wissel meint, das Bezirksamt müsse viel früher tätig werden, um eine Zwangsräumung auszuschließen. „Das Amt sollte die Zahlung der Miet- und der Energiekosten übernehmen“, so Wissel. Dies sei möglich, wenn die Betroffenen einwilligen.