Grundstücke

Alter Villa droht Abriss: Häuserkampf in Friedenau

Anwohner wollen ein altes Landhaus vor dem Abriss retten. Es ist nicht das einzige Gebäude, um das gerungen wird.

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg lässt gerade prüfen, ob das Haus in der Görresstraße 21 in Friedenau unter Denkmalschutz gestellt werden kann.

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg lässt gerade prüfen, ob das Haus in der Görresstraße 21 in Friedenau unter Denkmalschutz gestellt werden kann.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Das Landhaus an der Görresstraße 21 in Friedenau wirkt klein und zierlich neben den großen Häusern in der Umgebung. Errichtet wurde es Ende des 19. Jahrhunderts. Nun soll die alte Villa abgerissen werden. Aus der gleichen Zeit stammen die Bauten an der Görresstraße 23, die einst zu einem Fuhrunternehmen gehörten. Auch sie sind niedrig, auch sie sollen verschwinden. Der neue Eigentümer der beiden Grundstücke, die Bauwert Aktiengesellschaft, plant einen Neubau mit 40 bis 50 Eigentumswohnungen.

„Wir wollen diese Baulücke schließen, von einer Brandwand zur anderen“, so Jürgen Leibfried, Gründer und Vorstand der Bauwert AG. „Wir sind der Meinung, dass es eine Aufwertung ist, wenn man da etwas Schönes hinbaut.“ Im Ortsteil gibt es Widerstand gegen den Abriss. „Einige der ältesten Häuser im Bezirk und eine für das alte Friedenau typische Mischung aus Landhaus, Künstler-Ateliers, kleinem Gewerbe und Wohnungen gingen damit verloren“, heißt es auf der Online-Petition, die Anwohner initiiert haben. Mehr als 1100 Unterstützer haben bislang unterschrieben. Auch Peter Hahn und Jürgen Stich vom online-Portal friedenau-aktuell.de setzen sich dafür ein, dass die Häuser an der Görresstraße 21 und 23 erhalten bleiben. Nach ihren Recherchen gehörten sie einst dem Bauunternehmer Hermann Pählchen. Auf dem Grundstück Nummer 23 gab es Unterstände für Kutschen und Pferde, sowie Wohnungen für Kutscher und Angestellte. Auf dem Hof der Görresstraße 21 entstand 1905 ein Ateliergebäude. Der Bildhauer Paul Hamann und seine Frau, die Malerin Hilde Hamann, arbeiteten dort. Beide haben jüdische Wurzeln und mussten 1933 emigrieren.

Dieses Ateliergebäude im Hof will die Bauwert AG als einziges stehen lassen. Es ist derzeit bewohnt. Auch ein Bildhauer arbeitet im Haus. Doch Tempelhof-Schönebergs Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) möchte, dass auch die anderen Gebäude an der Görresstraße 21 und 23 erhalten bleiben. „Mit einer Neubebauung der Grundstücke wäre ein unverwechselbares Ensemble und damit ein Stück der Geschichte von Friedenau verloren“, meint der Grünen-Politiker. Der Stadtrat hat das Landesdenkmalamt gebeten, zu prüfen, ob Denkmalschutz für die Gebäude möglich ist. Noch liege kein Ergebnis vor. Die Görresstraße sei einst ein Zentrum der Berliner Bildhauer-Kunst gewesen, meinen die Autoren von friedenau-aktuell.de. Sie schlagen vor, „diesen Ort als ,Künstlerhof‘ für die Öffentlichkeit zu erhalten“.

Doch die Verwaltung von Baustadtrat Oltmann hat bereits einen Antrag der Bauwert AG auf einen Bauvorbescheid bekommen. Er werde bearbeitet, so der Stadtrat. Mit dem Bauvorbescheid soll geklärt werden, was auf dem Grundstück möglich ist. „Eine Bebauung ist dort zulässig.“ Gemäß dem geltenden Gesetz werde eine Genehmigung für den Abriss aber nur dann erteilt, so Oltmann, „wenn der wegfallende Wohnraum im vollen Umfang und in gleicher Struktur wieder geschaffen wird.“ Deshalb plant die Bauwert AG im Neubau drei Mietwohnungen als Ersatz für die Wohnungen im Landhaus. Für sie gilt eine Miete von 7,50 Euro je Quadratmeter. Doch hauptsächlich entstehen Eigentumswohnungen mit drei und vier Zimmern.

Gründerzeithaus steht seit mehr als zehn Jahren leer

Auch bei einem weiteren Gebäude gibt es Streit. Das Gründerzeithaus an der Ecke Odenwald- und Stubenrauchstraße in Friedenau steht seit mehr als zehn Jahren leer. Ornamente an der Fassade und die zierlichen Balkongitter zeugen von der einstigen Schönheit des Gebäudes. Ein Bauzaun versperrt den Zugang, aber gebaut wird nicht. Die Eigentümerin überlässt das Gebäude dem Verfall. Seit 2016 setzt sich die Nachbarschaftsinitiative Friedenau dafür ein, dass das Haus wieder bewohnbar wird.

Jetzt hat sie ein Konzept an Tempelhof-Schönebergs Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) geschickt. Die Initiative schlägt vor, „ein Verfahren zur Wiederherstellung der Nutzbarkeit des Wohnraums“ einzuleiten. Alle Schäden am Haus sollten erfasst und die erforderlichen Baumaßnahmen durchgeführt werden. Die Gesellschaft für Stadtentwicklung gGmbH (GSE), die ein Treuhänder Berlins ist, könne diese Untersuchungen und Arbeiten beauftragen, und die Kosten bei der Hauseigentümerin einfordern, meint die Initiative.

Die wiederhergestellten 16 Wohnungen sollten der Eigentümerin übergeben werden, damit sie wieder bezogen werden. Sollte dies nicht geschehen, könnte auch die GSE dafür sorgen, dass wieder Bewohner im Haus einziehen. Die Eigentümerin habe das Haus vernachlässigt, bestätigt Oltmann. Die Leitungen für Wärme, Wasser und Strom seien nicht mehr angeschlossen. „Das Gebäude ist begehbar, es muss jedoch saniert werden, um die Standfestigkeit wiederherzustellen.“ Doch man könne die Eigentümerin nicht zur Instandsetzung des gesamten Hauses auffordern.