Sicherheit

Architekt Baller gegen geplanten Zaun um Spreewaldschule

Die Spreewaldschule soll sicherer werden. Hinrich Baller droht mit einer einstweiligen Verfügung, falls ein neuer Zaun gezogen wird.

Die Spreewaldschule an der Pallasstraße - hier laufen derzeit Bauarbeiten am sogenannten Baller-Bau - soll vor Schulfremden geschützt werden: mit einem höheren Zaun.  

Die Spreewaldschule an der Pallasstraße - hier laufen derzeit Bauarbeiten am sogenannten Baller-Bau - soll vor Schulfremden geschützt werden: mit einem höheren Zaun.  

Foto: Foto: Gudrun Mallwitz

Berlin.  Immer wieder sind Fremde, darunter auch Junkies, Obdachlose und feierlustige Jugendliche, unerlaubt auf das Gelände der Spreeewald-Grundschule an der Pallasstraße in Schöneberg eingedrungen. Denn das unübersichtliche Grundstück am Rande des Winterfeldtplatzes ist nur unzureichend über einen kniehohen Zaun geschützt. Nach langem Zögern hat der Bezirk jetzt angekündigt, dass bis zum Ende des Jahres ein 1,80 Meter hoher Zaun um die Brennpunktschule gezogen wird. Dagegen aber will der Berliner Architekt Hinrich Baller vorgehen.

„Ich werde nicht zulassen, dass ein Zaun die architektonische Gesamtsituation verunstaltet“, sagte der 82-Jährige am Montag der Berliner Morgenpost.

Zaun gehört zum Ensemble

Der Architekt und langjährige Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg hat das im Januar 2000 nach acht Jahren Bauzeit übergebene Freizeitgebäude mit Sporthalle der Spreewaldschule in typischem „Baller-Stil“ gestaltet: eine futuristische Architektur, die auf zierliche Konstruktionen setzt und viel Beton, Stahl und Glas verwendet. Die Sporthalle ist eine moderne Ergänzung zum kaiserzeitlichen Schulhauptgebäude. Der niedrige, ebenfalls von Baller gestaltete Zaun gehört für ihn zum Ensemble. Der renommierte Architekt ist der Ansicht: „Es wäre völlig idiotisch, sollte neben dem von mir entworfenen Zaun eine Firma einen neuen, höheren Zaun setzen.“ Dies will er notfalls mit einer einstweilige Verfügung verhindern.

Zaun könnte Wachschutz ersetzen

Der zuständige Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD) hatte erklärt, er hoffe, dass mit einem höheren Zaun der bislang eingesetzte Wachschutz zumindest unter der Woche überflüssig werden könnte. „Ob man die Probleme mit einem hohen Zaun löst, wage ich zu bezweifeln“, sagte dazu Architekt Baller. „Man sollte lieber mit den Leuten reden, die auf dem Schulgelände nichts zu suchen haben.“

Falls die soziale Situation aber so kritisch geworden sei, dass man einen Wachschutz einsetzen muss, ist für ihn ein Zaun durchaus eine Alternative. Er wäre bereit, seinen Zaun so umzugestalten, dass er den aktuellen Erfordernissen entspricht. „Dies ist mit Sicherheit auch die günstigste Lösung“, so der Architekt. Er hat auch schon eine Idee. „Man müsste die bestehen Formen überhängend anschweißen. Damit könnte der Zaun nicht mehr überklettert werden.“

Streit wegen Bauschäden

Um das von Baller gestaltete Ensemble gab es bereits viel Streit. Denn durch das Dach des Freizeitgebäudes dringt Feuchtigkeit. Das Bezirksamt macht für die Schäden in erster Linie die ausführenden Firmen und den Architekten verantwortlich – und forderte Schadensersatz. „Der Bezirk musste vor dem Landgericht dazu eine Niederlage einstecken“, so Baller. Der unterlegene Bezirk ging allerdings in Berufung. Eine Entscheidung stehe noch aus, so der Architekt.

Bauarbeiten verzögern sich

Derzeit laufen die Arbeiten an dem Gebäude, in dem auch die Mensa untergebracht ist. Schworck kündigte an, er rechne damit, dass der Betrieb zum kommenden Schuljahr wieder aufgenommen werden könne. Seit zwei Jahren wird der Bau nicht genutzt, weil ein zweiter Fluchtweg fehlt. Die Kinder essen in einem Durchgangsraum im Schulgebäude. Zu neuen Verzögerungen kam es laut Schworck, weil sich bei Bauprüfungen herausstellte, dass die Holzkonstruktion unter den Fensterfronten marode ist.

Schwerwiegende Schadstellen entdeckt

Auf Anfrage des FDP-Bezirksverordneten Reinhard Frede teilte Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) mit, dass für die freigelegten zusätzlichen schwerwiegenden Schadstellen im Bereich der bodenlosen Fenster in den Gruppenräumen des Hortbereiches kurzfristig ein Sanierungskonzept erstellt werden musste. Dazu waren Nachtragsangebote bei den Baufirmen einzuholen.

Sanierung überhaupt noch möglich?

Auf Grundlage einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung soll laut Oltmann nach Auskunft des Schul- und Sportamtes vom 20. März dieses Jahres nun festgestellt werden, ob eine Sanierung möglich ist oder ein Ersatz notwendig wird. Das Gebäude weise einen erheblichen Sanierungsbedarf auf.