Jugendkultur

„Potse & Drugstore“ wird Thema im Koalitionsausschuss

Die Zukunft der beiden Berliner Jugendzentren Potse & Drugstore wird die Spitzen der Regierungskoalition beschäftigen.

Jugendliche und Unterstützer demonstrieren an der Ecke Klosterstraße/Stralauer Straße - am Dienstsitz von Finanzsenator Matthias Kollatz - für die Bereitstellung von Räumen in der Potsdamer Straße 140.

Jugendliche und Unterstützer demonstrieren an der Ecke Klosterstraße/Stralauer Straße - am Dienstsitz von Finanzsenator Matthias Kollatz - für die Bereitstellung von Räumen in der Potsdamer Straße 140.

Foto: Gudrun Mallwitz

Berlin.  Die Zukunft der beiden ältesten autonomen Jugendzentren Potse & Drugstore in Schöneberg wird nun die Spitzen der rot-rot-grünen Regierungskoalition und damit auch den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) beschäftigen.

„Wir haben das Thema für den nächsten Koalitionsausschuss angemeldet“, sagte die Linke-Landeschefin Katina Schubert der Berliner Morgenpost. „Es muß uns unbedingt gelingen, die beiden Jugendzentren zu erhalten.“

Megaphon, aber kein Finanzsenator

Potse & Drugstore hatte für Mittwochnachmittag vor dem Dienstsitz von Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) an der Klosterstraße in Mitte zum Protest aufgerufen. „Matthias Kollatz, rück die Potsdamer Straße 140 raus“, lautete ihre Forderung, für die sie auch ein Megaphon mitgebracht hatten.

Als die „Lautgebung“ gegen 15.30 Uhr startete, waren die einzigen Zuhörer Mädchen und Jungen einer Schulklasse aus Halle - ehe sie die Ampel überquerten. Mit ihren Transparenten sorgten die rund 30 Jugendlichen und ihre Unterstützer aber zumindest bei den Autofahrern für Aufmerksamkeit. Weder Finanzsenator Kollatz noch Staatssekretärin Margaretha Sudhoff kamen zum Gespräch aus dem Dienstgebäude.

Vergebliche Suche nach Räumen

Der Eigentümer der bisherigen Räume hat den Mietvertrag für die Potsdamer Straße 180 zum Ende des vergangenen Jahres gekündigt. Zuvor hatte sich der Bezirk geweigert, die Mieterhöhung zu bezahlen. Die Kollektive von Potse und Drugstore wollen mit den Jugendzentren in das auch für laute Konzerte geeignete Gebäude an der Potsdamer Straße 140 Ecke Bülowstraße einziehen.

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg unterstützt das, denn andere geeignete Räume für beide Jugendzentren sind trotz langer Suche über den Bezirk hinaus bislang nicht zu finden.

Die dem Finanzsenator unterstellte landeseigene Immobilienmanagement-Gesellschaft BIM hat mit der Potsdamer Straße 140 aber inzwischen andere Pläne. Wie eine Sprecherin der Senatsfinanzverwaltung am Mittwoch auf Anfrage der Berliner Morgenpost mitteilte, hatte die BIM dem Bezirksamt unterstützend zunächst die früher von der Deutschen Bank genutzten Flächen in der Potsdamer Straße 140 angeboten. Die Prüfung habe aber ergeben, dass der Aufwand für einen Umbau zu groß gewesen wäre. Dies sei dem Bezirk bereits im September 2018 mitgeteilt worden.

„Rettungsweg durch Finanzamt“

Nicht nur baulich wäre viel zu machen, auch die Sicherheitsanforderungen für das in dem Gebäude ebenfalls untergebrachte Finanzamt hätten einen hohen Umbau-Aufwand erfordert. Dies liege vor allem an den komplizierten Abgrenzungen zwischen den jeweiligen Raumfunktionen und dem erforderlichen zweiten Rettungsweg für die Flächen im Erdgeschoss, so die Sprecherin.

Der Fluchtweg würde das Finanzamt führen. Die BIM hatte auch mitgeteilt, dass die Notwendigkeit entstanden sei, die Finanzschule in der Potsdamer Straße 140 unterzubringen.

Alternativstandort zerschlagen

Als Alternativstandort habe die Immobiliengesellschaft Ende 2018 auch eine Liegenschaft in der Potsdamer Straße 61 geprüft, da diese gegebenenfalls ab August 2019 frei geworden wäre. Doch auch diese Option habe sich inzwischen zerschlagen.

„Die BIM kennt die Anforderungsprofile der Clubs, so dass bei Bekanntwerden einer geeigneten Immobilie oder Fläche reagiert werden kann“, betonte die Sprecherin der Finanzsenatsverwaltung.

Laut dem zuständigen Jugend-Stadtrat Oliver Schworck (SPD) hat die Senatsfinanzverwaltung inzwischen einem Mietvertrag zwischen der landeseigenen Gewobag und dem Bezirksamt für die Potsdamer Straße 134 zugestimmt. Im Erdgeschoss stünden dort rund 400 Quadratmeter für beide Jugendkollektive zur Verfügung. Die Umbauarbeiten könnten bald beginnen. „Wir hoffen, nach den Sommerferien damit fertig zu sein“, sagte Schworck am Dienstag.

„Keine vollständige Lösung“

Konzerte sind an dem Standort aber nicht erlaubt. „Deshalb ist dies keine vollständige Lösung für Potse & Drugstore“, wie Drugstore-Sprecherin Domi unterstrich. „Außerdem müssten sich die Jugendzentren eine Fläche teilen.“

Anders als das Potse-Kollektiv hat bislang nur das Drugstore zugestimmt, diese Räume zu nutzen. Potse-Aktivisten halten immer noch ihre Räume der bisherigen Potsdamer Straße 180 „besetzt“.

Auch läuft die Mahnwache weiter. Das Kollektiv hatte sich geweigert, die Schlüssel zum 31. Dezember 2018 abzugeben.

Jugendstadtrat Schworck hat inzwischen beim Landgericht Berlin einen Räumungstitel beantragt. „Wir wollen einen Platz für beide Kollektive“, heißt es bei Potse & Drugstore, „und das bietet nur die Potsdamer 140.“

Die Vorsitzende der Interessensgemeinschaft IG Potsdamer Straße, Regine Wosnitza, zeigt sich mit den Jugendlichen solidarisch, sie war zur Kundgebung nach Mitte gekommen. „Potse & Drugstore an einem geeigneten Standort wie der 140 unterzubringen, wäre ein wichtiges Signal, die Potsdamer Straße nicht für die völlige Gentrifizierung freizugeben“, betonte Wosnitza am Mittwoch.