Gesundheit

Grippewelle fordert bislang acht Tote in Berlin

In Berlin hat die Grippewelle bislang acht Tote gefordert. Aus Pankow wurden die meisten Grippeerkrankten gemeldet.

Sollen die Bezirksämter kostenlose Impfungen für Mitarbeiter anbieten? Darüber ist jetzt ein Streit entbrannt.

Sollen die Bezirksämter kostenlose Impfungen für Mitarbeiter anbieten? Darüber ist jetzt ein Streit entbrannt.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Die diesjährige Grippewelle hat in Berlin bislang acht Tote gefordert. Der jüngste Grippetote war 32 Jahre alt, der älteste 79 Jahre. „In der aktuellen Influenzasaison wurden bis Ende voriger Woche 3252 Erkrankungsfälle gemeldet“, sagte ein Sprecher des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) am Donnerstag auf Anfrage. „In den meisten Fällen handelte es sich um Influenza-A-Viren.“ Etwa zehn Prozent der Erkrankten mussten im Krankenhaus stationär behandelt werden.

Mit 493 Fällen wurden bisher die meisten Grippekranken aus Pankow registriert, gefolgt von Tempelhof-Schöneberg (377), Steglitz-Zehlendorf (372) Charlottenburg-Wilmersdorf (365) und Friedrichshain-Kreuzberg (309). Die wenigsten Meldungen kamen aus Treptow-Köpenick (136), Reinickendorf (181) und Spandau (212). Den Erhebungen zufolge waren Kinder bis zu neun Jahren mit 683 Fällen am stärksten betroffen.

Dunkelziffer höher

Die Influenza zählt zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Nicht jeder aber geht mit Grippesymptomen zum Arzt, der dann einen Abstrich im Rachen oder der Nase vornimmt und das Ergebnis von einem Labor auswerten lässt. Deshalb ist die Dunkelziffer vermutlich höher.

Bislang wurden insgesamt 188 Influenza-Ausbrüche übermittelt. Die meisten traten in Krankenhäusern auf, sechs im Kindergarten und die restlichen im privaten Umfeld. Von Ausbrüchen spricht man, wenn mindestens zwei Personen im gleichen Umfeld betroffen sind“, erläuterte der Lageso-Sprecher.

Grippewelle flaut ab

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Der Höhepunkt der aktuellen Grippewelle scheint überschritten. „In der achten Meldewoche seit Beginn der Grippewelle ist erstmals ist ein Rückgang zu verzeichnen“, teilte der Sprecher mit. „Es wurden knapp 852 Influenza-Fälle übermittelt und damit knapp 100 weniger als in der Woche davor.“ Auch ein Rückgang der akuten Atemwegserkrankungen sei beobachtet worden.

In den vergangenen Jahren hat die Grippewelle meist im Januar begonnen und dauerte drei bis vier Monate. Laut Robert-Koch-Institut in Berlin, die zentrale Einrichtung der Bundesregierung zur Krankheitsüberwachung und -prävention, gibt es verschiedene Vermutungen, warum die Grippe gehäuft in den gemäßigten Zonen der Nord- und Südhemisphäre jeweils im Winter auftritt. Influenzaviren seien bei niedrigen Temperaturen und in trockener Luft stabiler.

Außerdem ist die Schleimhaut der oberen Atemwege bei trockener Luft anfälliger für eine Infektion ist und das Immunsystem im Winter ist weniger schlagkräftig als im Sommer. Ein weiterer Faktor könnte auch sein, dass man sich im Winter längere Zeit zusammen mit anderen Menschen in weniger belüfteten Räumen aufhält.

Impfstoff wirkt nicht immer

Unter den über 60-Jährigen, für die eine Impfung empfohlen ist, bekamen von den Geimpften in Berlin in der bisherigen Grippesaison etwa 15 Prozent in diesem Winter trotzdem die Grippe. Auch wenn der Impfstoff eine Ansteckung nicht immer verhindern kann, empfiehlt das Robert-Koch-Institut die Impfung für bestimmte Gruppen,

Grundsätzlich sollten sich von Oktober bis Ende November vor allem chronisch Kranke, über 60-Jährige, Schwangere ab dem 4. Monat und Menschen, die mit vielen verschiedenen Personen täglich in Kontakt kommen, gegen Influenza empfinden lassen, so der Rat. „Viren verändern sich ständig“, erläutert eine Sprecherin des Instituts. „Eine starke Veränderung wurde in dieser Saison aber nicht festgestellt.“ Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Impfstoff nicht genügend wirkt.

Streit um kostenloses Impfangebot

Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg ist ein Streit darüber entbrannt, ob den Mitarbeitern des Bezirksamtes künftig eine Grippeschutzimpfung angeboten werden soll. SPD und Grüne lehnten jüngst im Gesundheitsausschuss die Forderung der AfD ab, die von CDU und FDP unterstützt wird. Der gesundheitspolitische Sprecher der AfD, Sebastian Richter, Initiator des Antrags gibt zu bedenken: „Es reicht nicht, die Versorgung an niedergelassene Ärzte abzuschieben, hier ist der Arbeitgeber in der Verantwortung.“

Auch der CDU-Bezirksverordnete Patrick Liesener vertritt die Ansicht: „Gerade im Gesundheitsamt, aber auch in Stellen mit viel Publikumsverkehr, wäre es wichtig, eine Impfung für die Mitarbeitern anzubieten.“

Gesundheitsstadtrat Oliver Schworck (SPD) verweist auf das zu geringe Interesse der Beschäftigten, der für Arbeitsschutz zuständige Stadtrat Jörn Oltmann (Grüne) bestätigt das, könnte sich dennoch vorstellen, „einen erneuten Anlauf dazu zu unternehmen“. Die Grippe sei einer der in der Bevölkerung unterschätzten Krankheiten, so Oltmann.

Bezirksämter gehen unterschiedlich vor

Eine Umfrage der Berliner Morgenpost in den Bezirken hat ergeben, dass die meisten Bezirksämter keine Grippeschutzimpfungen für die Mitarbeiter anbieten. Sie verweisen auf die für Patienten kostenlose Impfung beim Hausarzt und das oft zu geringe Interesse in den vergangenen Jahren. Eine Ausnahme ist das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf,. „Die an zwei Tagen im Jahr angebotene 4-Fach-Impfung ist für die Beschäftigten kostenlos“, so der zuständige Stadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne). Im vorigen Jahr ließen sich 143 Beschäftigte von der Betriebsärztin impfen.

„Prinzipiell wäre das Angebot wünschenswert, aber aus Mangel an personellen Ressourcen und komplizierten Abrechnungsmodi ist hieran derzeit nicht zu denken“, teilte ein Sprecher des Bezirksamtes Mitte mit. In Reinickendorf werden für einzelne Bereiche des Gesundheitsamtes Grippeschutzimpfungen im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge kostenlos angeboten.