Stolpersteine

Gedenken an die Urgroßmutter

Nur wenige Juden in Berlin konnten sich vor den Nazis retten. Emma Königsberger gehörte nicht dazu. Verwandte erzählen von ihrem Schicksal.

An der Martin-Luther-Straße 120 erinnert seit Sonnabend ein Stolperstein an Emma Königsberger. Ihre Nachkommen reisten aus USA, England, Israel und Deutschland an, um bei der Verlegung des Steins  dabei zu sein.

An der Martin-Luther-Straße 120 erinnert seit Sonnabend ein Stolperstein an Emma Königsberger. Ihre Nachkommen reisten aus USA, England, Israel und Deutschland an, um bei der Verlegung des Steins dabei zu sein.

Foto: Foto: Sabine Flatau

Berlin.  Eine Vase mit Tulpen und alte Schwarz-Weiß-Fotos sind zum Gedenken an Emma Königsberger aufgestellt. Um sie zu ehren, sind Enkel, Urenkel und Ururenkel aus USA, aus Großbritannien, aus Israel und aus anderen deutschen Städten nach Berlin gereist.

Sie haben sich vor ihrem einstigen Wohnhaus in Schöneberg, an der Martin-Luther-Straße 120, versammelt. Seit Sonnabendvormittag liegt dort ein Stolperstein für Emma Königsberger. Sie kam 1942 im Vernichtungslager Treblinka ums Leben, im Alter von 77 Jahren.

Der Künstler und Initiator der Stolpersteine, Gunter Demnig, hat den Stein verlegt, in Gegenwart von 17 ihrer Nachkommen. Peter King, 89 Jahre alt und aus dem schottischen St. Andrews angereist, sprach über seine Großmutter. Über ihre hohe Bildung und Musikalität, über ihre unglückliche Ehe und über die beiden Söhne.

Die Söhne konnten sich nach London retten

Die Söhne waren Rechtsanwälte und verloren ihre Kanzlei nach dem Machtantritt der Nazis. Peter King verließ Deutschland als Vierjähriger, zusammen mit seinen Eltern. Die Familie emigrierte nach London. Dort traf er seine Großmutter, als sie 1937 zu Besuch kam.

Sie sei traurig gewesen und habe oft geweint, erzählte er. Das Bemühen, auch ihr die Emigration nach England zu ermöglichen, scheiterte. Es fand sich kein finanzieller Bürge für das Einreisevisum. So musste sie nach Deutschland zurückkehren.

Mit ihrem Schicksal haben sich auch die Mitglieder der Stolpersteininitiative Stierstraße beschäftigt, unter ihnen Ernst Karbe. Er trug am Sonnabend einen Text über Emma Königsberger vor, in dem von der erzwungenen Auflösung ihrer Wohnung 1939 und ihrem Umzug in das jüdische Altersheim an der Großen Hamburger Straße die Rede war.

Emma Königsberg

Ein ehemaliges Kindermädchen der Familie besuchte sie dort 1942 und half ihr, ihre Habseligkeiten für die Deportation zu packen. Emma Königsberger sei ruhig und gefasst gewesen, so berichtete das Kindermädchen später den Verwandten in London. Sie habe gewusst, dass sie umgebracht werden sollte.

Am Sonnabend richtete Urenkelin Joanna Reis-Gressel aus Tel Aviv bewegende Worte an Emma Königsberger. „Wir stehen zusammen und erinnern uns an dich und an viele andere Verwandte, die umgekommen sind“, sagte sie im Namen der Nachkommen aus vier Generationen.

Die Erinnerung galt auch Ernst und Ilse Licht, Verwandten der Schwiegertochter von Emma Königsberger. Sie wurden 1940 deportiert. Ihr Sohn Klaus gelangte 1938 mit einem Kindertransport nach England.

Die Familie Licht lebte an der Martin-Luther-Straße 37. Vor diesem Haus setzte Gunter Demnig am Sonnabend drei Stolpersteine für Ernst, Ilse und Klaus Licht.