Streit

Alte Platanen an Urania sollen für Skulptur gefällt werden

Das Kunstwerk, ein Geschenk Frankreichs zur 750-Jahr-Feier Berlins, wird von Platanen verdeckt. Nun sollen die Bäume weg.

Die Skulptur „Arc de 124,5°“des Künstlers Bernar Venet auf dem Mittelstreifen gegenüber der Urania ist derzeit gut sichtbar - im Sommer ist sie durch die Blätter der Platanen verdeckt.

Die Skulptur „Arc de 124,5°“des Künstlers Bernar Venet auf dem Mittelstreifen gegenüber der Urania ist derzeit gut sichtbar - im Sommer ist sie durch die Blätter der Platanen verdeckt.

Foto: Gudrun Mallwitz

Berlin. Es geht um die Kunst und um die Natur. Die Interessen prallen dabei hart aufeinander. Gestritten wird um den Umgang mit einem wertvollen Geschenk, das Frankreich der Stadt Berlin anlässlich der 750-Jahr-Feier im Jahr 1987 gemacht hat - und um Jahrzehnte alte Platanen.

Das Problem: Die von dem französischen Künstler Bernar Vernet geschaffene Skulptur auf der Mittelinsel gegenüber der Urania ist lediglich in den Wintermonaten zu sehen. In der übrigen Jahreszeit wird das Kunstwerk von den Blättern der umstehenden Bäume verdeckt.

Skulptur soll Beziehung zu Frankreich symbolisieren

Der riesige, zum Himmel aufsteigende Bogen aus farbig beschichtetem Stahl soll die besondere politischen Beziehung Frankreichs und dem damals noch geteilten Deutschland verdeutlichen. Die Ost-West-Ausrichtung des Denkmals wollte der in New York lebende Künstler als Brücke zwischen dem damaligen Ost- und Westberlin verstanden wissen. Die Skulptur nimmt auch Bezug auf den Ort „An der Urania“. Der Name gilt in der griechischen Mythologie als Muse der Astronomie.

Der international bekannte Künstler und die französische Botschaft waren auf den Bezirk und das Land Berlin zugegangen, mit der Bitte, sich um sich für eine angemessenere Präsentation der Skulptur Arc de 124,5° einzusetzen. Im Oktober fand dazu eine Gesprächsrunde statt, zwischen Französischer Botschaft, Urania, Senatskanzleichef Christian Gaebler und der Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler (beide SPD). Mit dabei auch die für Grünflächen zuständige Stadträtin Christiane Heiß (Grüne).

Nach dem damaligen Treffen brachten die Grünen einen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung ein, wonach die Bäume auf dem Mittelstreifen erhalten bleiben sollen. Der Antrag wurde allerdings zurück in den Ausschuss verwiesen, wo er zuvor bereits angenommen worden war. Inzwischen hörten die Bezirksverordneten dort auch den Künstler, er war dazu eigens aus New York angereist.

SPD will Bäume vor Ende Februar fällen lassen

Die SPD-Fraktion macht nun Druck. „Wir haben großes Verständnis für das Anliegen des Künstlers, Frankreichs und der Urania“, sagte der SPD-Bezirksverordnete und Kreischef Lars Rauchfuß am Freitag der Berliner Morgenpost. Deshalb wollen die Sozialdemokraten in der nächsten Bezirksverordnetenversammlung am 20. Februar einen Antrag einbringen, wonach bis zu acht Bäume entlang beider Seiten des Kunstwerks gefällt werden sollen.

Möglichst bis Ende Februar vor Beginn der Vegetationsperiode. Als Ausgleich sollen mindestens 20 Bäume ersatzweise gepflanzt werden, an anderer Stelle des Mittelstreifens. Der Künstler und seine Unterstützer hätten zugesichert, sich an den Kosten der Ersatzpflanzung zu beteiligen.

Die SPD zeigt sich optimistisch, dass der Antrag eine Mehrheit findet – gegen die Grünen in der rot-grünen Zählgemeinschaft. Alle andere Fraktionen hätten Unterstützung im Ausschuss zugesagt.

Künast: Kunstwerk könnte aufs Tempelhofer Feld

Für die Grünen, so machen diese deutlich, gehören im öffentlichen Raum Kunst und Natur zusammen, vor der Urania könne man sehen, wie beides im wahrsten Sinn des Wortes in den vergangenen Jahrzehnten zusammengewachsen sei. Zudem leisteten die Bäume dort an der verkehrsreichen Straße einen wichtigen ökologischen Beitrag, indem sie die Luft filtern und damit die Schadstoffbelastung senken.

In dem Streit schlug Renate Künast, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Tempelhof-Schöneberg jetzt vor, einen neuen Ort für das Geschenk aus Frankreich zu suchen. Etwa auf dem Tempelhofer Feld. Dort herrscht garantiert freie Sicht auf das Kunst.

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