Protest

Aktivisten besetzen Jugendklub Potse weiter

In den 70er-Jahren wurde die Jugendzentren Potse und Drugstore gegründet. Aktivisten wehren sich gegen die bevorstehende Räumung.

Die Jugendzentren Potse  und Drugstore in der Potsdamer Straße 180 müssen schließen.

Die Jugendzentren Potse und Drugstore in der Potsdamer Straße 180 müssen schließen.

Foto: Gudrun Mallwiitz / Gudrun Mallwitz

Schöneberg. Vor dem Eingang der Potsdamer Straße 180 in Schöneberg liegen Matratzen, darauf und davor sitzen junge Menschen, die sich mit dem selbst verwalteten Jugendklub Potse solidarisieren. Seit Jahresbeginn ist Tag und Nacht immer jemand bei der dauerhaften Mahnwache anwesend. Es ist kalt, alle paar Stunden wechseln sich die Aktivisten ab.

Oben, im zweiten Stock des Hauses, wo sich die Jugendzentren Potse und Drugstore in den 70er-Jahren gründeten, haben sich Mitglieder des Potse-Kollektivs verbarrikadiert. Man sieht sie nicht, nur ein Fenster ist angekippt. Unterstützer versorgen sie über einen Korb mit Lebensmitteln. Zu groß sei die Angst, geräumt zu werden, sagt ein Aktivist.

Dazu gibt es zwar aktuell keinen Grund. Wie der Jugendstadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Oliver Schworck (SPD), mitteilt, gebe es keinen Termin für eine Räumung. Irgendwann werde man diesen Schritt jedoch einleiten müssen. Noch hofft der Politiker auf eine friedliche Lösung des Konfliktes. Doch dazu müssen erst einmal Räume her, in denen die Kollektive ihre Konzerte veranstalten können.

Bereits angemietet sind Räume für die leise Nutzung. Weiterhin ist Schworck in Verhandlungen mit der Tempelhof Projekt GmbH, um einen Hangar für etwa zwei Konzerte pro Monat zu mieten. Für die Kollektive keine Alternative, da ihre Arbeit zu stark eingeschränkt würde. Außerdem wird weiter geprüft, den Hochbunker an der Pallasstraße ausbauen zu lassen. Finanziell würde das nur mit Unterstützung des Senats funktionieren.

Besetzung der Räume kostet 13.000 Euro im Monat

Klar ist jedoch auch: „Jeder Tag, an dem das Potse-Kollektiv die Räume nicht verlässt, kostet uns zusätzlich Geld“, so Schworck. Pro Monat seien das etwa 13.000 Euro. Geld, das an anderer Stelle fehlen könnte. Um weitere Projekte der bezirklichen Jugendarbeit nicht zu gefährden, hatte das Drugstore-Kollektiv seine Räume fristgerecht zum 31. Dezember verlassen. „Noch können wir die Mehrkosten irgendwie stemmen“, sagt Schworck. „Aber nicht unendlich lang.“

Aufseiten der Jugendlichen gibt es immer mehr Frust. Sie fühlen sich im Stich gelassen. Am vergangenen Wochenende eskalierte es bei einer Demonstration auch noch zwischen ihnen und der Polizei. Es gab neun Strafermittlungsverfahren gegen Potse-Unterstützer.

Wie es in den nächsten Wochen mit Potse und Drugstore weitergeht, ist derzeit nicht klar. Klar ist nur, dass der Druck, neue Räume zu finden, immer größer wird. Dessen sind sich alle Verantwortlichen bewusst. „Mir wird signalisiert, dass viele Menschen ernsthaft auf dem Weg sind, Alternativen zu prüfen“, sagt Oliver Schworck. „Das heißt jedoch nicht, dass das in Kürze auch funktioniert.“

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