Neu-Schöneberg

Kritik an "Schuhkarton-Architektur" an der Yorckstraße

| Lesedauer: 2 Minuten
Gudrun Mallwitz
Der Neubau an der Ecke Yorckstraße/Bautzener Straße gehört zum  Stadtquartier "Neu-Schöneberg"

Der Neubau an der Ecke Yorckstraße/Bautzener Straße gehört zum  Stadtquartier "Neu-Schöneberg"

Foto: Gudrun Mallwitz

Den Neubau an der Bautzener Straße/ Yorckstraße nennen Kritiker eine "Zumutung". Der Architekt verteidigt das umstrittene Gebäude.

Berlin. Ein hoher, schlichter Bau mit grauer, kühler Fassade prägt künftig die Ecke Bautzener Straße/Yorckstraße in Schöneberg. Das viergeschossige Gebäude mit Dachaufbau gehört zum bald fertigen Stadtquartier "Neu-Schöneberg". Die SPD-Fraktion in Tempelhof-Schöneberg hat das Haus jetzt scharf als "graue Schuhkarton-Architektur" kritisiert. "Dieses erste Gebäude an der Ecke zum Eingang des Quartiers ist gestalterisch eine Zumutung", bemängelte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Christoph Götz. "Das Bezirksamt hätte das so nicht durchgehen lassen dürfen."

Riesiges Fitness-Studio zieht ein

Der Bau neben dem S-Bahnhof Yorckstraße, der durchaus polarisieren dürfte, wird bald ein riesiges Fitness-Studio beherbergen. Das neue Stadtquartier bietet rund 300 Wohnungen zwischen 40 und 215 Quadratmetern, die teilweise bereits vermietet sind. Dazu gehört auch ein Supermarkt, und es wird eine Kita geben. Das Gebäude-Ensemble lässt der private Eigentümer der Baumarktkette Hellweg gegenüber dem Baumarkt bauen.

"Wie ein Lagerhaus an der Autobahn"

„Natürlich begrüßen wir, dass die über 300 Wohnungen nun an den Markt gelangen", sagte Götz. "Es sind bereits viele Wohnungen fertiggestellt und vermietet. Doch die Gestaltung des Eckbaus zur Yorckstraße fällt sehr enttäuschend aus." Sein hartes Urteil: "Das Gebäude sieht aus wie ein Lagerhaus an der Autobahn."

Kritik an Baubehörde

Gerade der Bereich zwischen den Yorckbrücken werde nachts vielfach als Angstraum erlebt, gibt Götz, der Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss ist, zu bedenken. Deshalb wäre es seiner Meinung nach an dieser Stelle wichtig gewesen, mit einer offenen und zugewandten Architektur zu arbeiten. Die SPD-Fraktion appelliere an den zuständigen Stadtrat Jörn Oltmann (Grüne), "so etwas in Zukunft nicht mehr durchgehen zu lassen".

Architekt Collignon erläutert seinen Entwurf

Architekt Oliver Collignon, der sich mit innovativen, nachhaltigen Gebäuden einen Namen gemacht hat, reagierte am Dienstag auf Anfrage der Berliner Morgenpost gelassen auf die Kritik. Er könne sich durchaus vorstellen, dass sich jemand mit konventionellem Architektengeschmack über die Gestaltung des Bauwerks wundere, so Collignon. Sein Rat: "Es steht nichts dagegen, mal mit den Sehgewohnheiten zu brechen." Er fügte hinzu: "Jeder hat das Recht auf seine Meinung."

Collignon erläuterte die Architektur des Gebäudes: Wir wollten hier ein minimalistisches skulpturelles Eingangsbauwerk schaffen, das sich von den weiteren Häuser im Quartier bewusst unterscheidet." Bei der Fassade handele es sich um silberoxidierte Metallpanäle, das von innen in hohem Maße durchsichtig sei.

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