Bar im Regenbogenkiez

Traditionsbar "Der Hafen" darf noch bleiben

Der Protest gegen die Schließung der schwulen Schöneberger Bar zeigt Wirkung: Der Vermieter stellt eine Verlängerung in Aussicht.

v.l.: Ulrich Simontowitz, Zazie de Paris und Chantal bei der Solidaritäts-Party am 3. Januar.

v.l.: Ulrich Simontowitz, Zazie de Paris und Chantal bei der Solidaritäts-Party am 3. Januar.

Foto: Daniel Schaler

Berlin. Der öffentliche Druck hat ein Entgegenkommen des Vermieters bewirkt: Die schwul-lesbische Traditionsbar „Hafen“ im Schöneberger Regenbogenkiez darf nun doch noch bleiben. Sie sollte nach 28 Jahren eigentlich schon zum 3. Januar schließen. Wie Betreiber Ulrich Simontowitz jetzt mitteilte, wurde eine Verlängerung des Mietvertrags von bis zu einem Jahr in Aussicht gestellt.

Trotz der guten Nachricht ist der „Hafen“-Betreiber nicht zufrieden. „Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte er. „Eine Lösung zum Erhalt des Ladens ist dies aber nicht.“ Simontowitz machte deutlich: „Wir brauchen eine längerfristige Perspektive und müssen jetzt weiterverhandeln.“

Gegründet hat er den inzwischen legendären „Hafen“ in der Motzstraße 19 am 13. November 1990 mit vier anderen. Seit fünf Jahren führt er die bekannte Kneipe alleine.

Die Vertragsverlängerung sei noch nicht unterschrieben, sagte Simontowitz am Montag auf Anfrage der Morgenpost. Der „Hafen“ ist lediglich Untermieter, gemietet hat die Räume Jürgen Streblow von „Toms“. Über diesen Nachbarn laufen auch die Verhandlungen mit dem Eigentümer. Kurz vor Weihnachten war die Aufforderung eingetroffen, dass der Laden bis zum 3. Januar geräumt werden solle. Doch statt die Schlüssel zurückzugeben, feierte der Hafen eine Solidaritäts-Party. Der 3. Januar habe ihm viel Mut und neue Kraft gegeben, sagte Simontowitz. „Es war ein wunderbarer Tag und eine einmalige Nacht“, schwärmt er von der Party Anfang des Jahres. „Zu unserer Solidaritätskundgebung waren gut 1000 Unterstützer und Freunde gekommen.“

Kultursenator Lederer fordert Entgegenkommen

Auch Politiker wie Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Abgeordnete von SPD, Grüne und auch der CDU forderten ein Entgegenkommen des Vermieters. Der „Hafen“ sei eine Institution, die weiterbetrieben werden solle.

Das Lokal gilt als fester Bestandteil der queeren Szene. Es ist nicht nur Anziehungspunkt für Nachtschwärmer, sondern warb von Anfang an auch für Akzeptanz und Toleranz gegenüber Homosexuellen. Der „Hafen“ war auch treibende Kraft hinter der Gründung des Lesbisch-Schwulen Stadtfestes in der Motzstraße.

Auf Anfrage der Berliner Morgenpost war vom Eigentümer der Räume, der Berlinhaus Verwaltung GmbH, bislang keine Reaktion zu erhalten.

Mehr Nachrichten aus dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg lesen Sie hier.

Sie wollen keine Nachricht mehr verpassen - dann folgen Sie uns auf Facebook.