Vor zehn Jahren

Dreister Millionencoup im KaDeWe: Einbrecher nie verurteilt

Dreist und spektakulär: Der Millionencoup in Deutschlands berühmtestem Kaufhaus bleibt auch zehn Jahre danach ungeklärt.

Das KaDeWe nach dem millionenschwere Einbruch 2009: Schwarze Stellwände schirmten den Tatort ab.

Das KaDeWe nach dem millionenschwere Einbruch 2009: Schwarze Stellwände schirmten den Tatort ab.

Foto: dpa

Berlin. Der Während in der zurückliegenden Woche der Prozess um den aufsehenerregenden Raub einer 100-Kilo-Goldmünze aus dem Bode-Museum begann, ist der millionenschwere Einbruch ins Luxuskaufhaus KaDeWe vor zehn Jahren noch immer ohne Folgen für die Täter. Gegen die verdächtigen Zwillinge wird nicht neu ermittelt. „Wir haben uns die Zähne ausgebissen – das Verfahren ist tot“, sagte Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra. „Das war eine sehr gut geplante Tat.“

In der Nacht zum 25. Januar 2009 waren Diebe in das Kaufhaus des Westens eingebrochen, sie stahlen teure Uhren und wertvollen Schmuck im Millionenwert. Die beiden festgenommenen Brüder wurden wieder freigelassen, weil eine DNS-Spur in einem sichergestellten Handschuh am Tatort keinem der beiden eindeutig zugeordnet werden konnte. Die Ermittlungen wurden im September 2010 eingestellt. Danach war geprüft worden, mit neuen wissenschaftlichen Methoden die Verdächtigen doch noch zu überführen. Es gebe keine neuen Ermittlungen, hieß es.

Für eine Anklage hat es nicht gereicht

Die Staatsanwaltschaft habe auch ein Bewegungsgutachten erstellen lassen, so Ermittler Kamstra. Die Analyse von Videoaufnahmen vom Tatort sei zu dem Schluss gekommen, dass die Zwillinge nicht mit den maskierten Tätern auf den Kaufhaus-Kameras identisch sind.

Für eine Anklage habe es nicht gereicht, sagte der Oberstaatsanwalt. Zudem sei die DNS-Spur „nur mäßig“ gewesen – es war ein winziger Schweißtropfen in dem Handschuh. All das habe gegen ein neues Verfahren gesprochen. Der Diebstahl in besonders schwerem Fall verjährt voraussichtlich 2020 – zehn Jahre nach der Einstellung der Ermittlungen.

An Alarmanlagen und Videokameras vorbei waren am 24. Januar 2009 drei dunkle Gestalten durch ein Fenster im ersten Stock in das Kaufhaus am Wittenbergplatz eingestiegen. Dort hangelten sie sich mit einer Strickleiter in die Schmuck- und Uhrenabteilung im Erdgeschoss hinab. Sie brachen Vitrinen und Schränke einer Juwelier-Kette auf und räumten ab. Und weil die Alarmanlagen stumm blieben, kamen die dreisten Diebe gleich noch ein zweites Mal. Auf Überwachungsfilmen war zu sehen, wie sie in der nächsten Nacht erneut auftauchten, um im Kaufhaus große Beute zu machen. Erst nach dem Wochenende wurde der Einbruch überhaupt bemerkt. Es gab kaum Spuren in dem Haus, das seine Betreiber als „bestens gesichert“ bezeichnen. Für Hinweise, auf Identität der Männer und Hintergründe wurden 100.000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Im Februar 2009 fassten Beamte die Zwillingsbrüder Hassan und Abbas O. in einer Spielhalle auf dem Autohof Bockel im Kreis Rotenburg/Wümme (Niedersachsen). In Berlin war dagegen spekuliert worden, dass die Täter sich längst nach Osteuropa abgesetzt hätten.

Die beiden auch im Kreis Rotenburg lebenden Männer leisteten bei der Festnahme keinen Widerstand. Die Polizei sprach von dringendem Tatverdacht. Bei Durchsuchungen in Berlin und Niedersachsen stellten die Beamten Beweismittel sicher. Trotz Entdeckung des Handschuhs und der Festnahme der damals 27-jährigen polizeibekannten Männer freuten sich die Ermittler aber offenbar zu früh. Wer von den beiden Zwillingen den Schweiß hinterließ, konnte wegen des identischen Erbmaterials nicht eindeutig festgestellt werden.

Die Brüder warteten in der Untersuchungshaft ab und schwiegen. Mitte März 2009 wurden sie entlassen und posierten daraufhin öffentlich als Sieger. Der dritte Täter blieb völlig im Dunkeln. Der Großteil der Beute tauchte nicht wieder auf.

Dabei hatte die Polizei schon einige Tage nach dem Einbruch auf einen ersten Erfolg gehofft. In Amsterdam wurden zwei junge Berliner festgenommen. Sie hatten angebliche Schmuckstücke aus dem KaDeWe-Raub zum Verkauf angeboten. Dies stellte sich allerdings als dummer Scherz heraus. Die Polizei durchsuchte Schließfächer der beiden Berliner sowie ihre Hotelzimmer, fand aber keinen Schmuck.

Wegen eines ebenso spektakulären Raubs stehen seit Donnerstag nun vier 20- bis 24-jährige Angeklagte vor dem Landgericht. Sie sollen in der Nacht zum 27. März 2017 im Bode-Museum die rund 100 Kilogramm schwere Goldmünze „Big Maple Leaf“ gestohlen haben. Wert: 3,75 Millionen Euro. Der Prozess soll am kommenden Montag fortgesetzt werden.

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