Verdrängung

Buchladen an der Akazienstraße schließt nach 36 Jahren

Der Betreiber des Buchladens hatte schon eine Nachfolgerin - doch die Miete ist so hoch, dass sie passen musste.

Am 26. Januar ist Schluss. Der Buchladen Dharma macht zu.

Am 26. Januar ist Schluss. Der Buchladen Dharma macht zu.

Foto: Gudrun Mallwitz

Tempelhof-Schöneberg. Wieder eine Institution weniger im Kiez: Nach mehr als 36 Jahren schließt der Buchladen „Dharma“ an der Akazienstraße gegenüber der Apostel-Paulus-Kirche in Schönberg. „Am 26. Januar ist Schluss“, bestätigte Mit-Inhaber Fritz Steinschulte der Berliner Morgenpost. Er bedauert, dass die über Berlin hinaus bekannte Buchhandlung, die sich auf Weltreligionen und Psychologie spezialisiert hat, nicht weitergeführt werden kann. "Dharma" steht in den asiatischen Religionen für die große kosmische Grundordnung, an der man sich orientieren könne und die einen trage.

„Mit 67 will ich in Rente gehen und der Mietvertrag lief zum Ende des Jahres aus“, so Steinschulte. Dennoch sollte es weiter gehen – wenn auch ohne ihn: „Ich hatte eine Nachfolgerin gefunden, doch die vom Vermieter festgesetzte neue Miete war zu hoch für sie“, erklärt Steinschulte. Statt bislang 20 Euro pro Quadratmeter hätte die neue Miete 30 Euro pro Quadratmeter betragen.

Ein Tapas-Laden soll eröffnen

Nicht die Konkurrenz im Internet ist also offenbar der Grund für die nun nicht mehr abwendbare Schließung des Traditions-Buchladens, sondern die drastisch erhöhte Miete. Der Dharma-Buchladen ist kein Einzelfall. Auch in Schöneberg geben immer mehr alteingesessene Geschäfte auf. Dort, wo seit 22. September 1982 Bücher zum Thema Spiritualität verkauft wurden und regelmäßig Veranstaltungen stattfanden, soll nun ein Tapas-Laden einziehen. „Noch mehr Gastronomie tut dem Kiez nicht gut“, glaubt Steinschulte. „Die Akazienstraße wird wie die Bergmannstraße immer mehr zur Touristenstraße.“ Er beobachtet: „Es wird alles verdrängt, was nicht maximalen Gewinn bringt.“

Viele vor allem langjährige Kunden reagieren betroffen. Manche haben Tränen in den Augen, andere sind verärgert, wütend. „Wir waren für viele Menschen ein fester Anlaufpunkt“, sagt Steinschulte. „Sie fühlen sich jetzt allein gelassen.“ Auch Maria Bailar aus Charlottenburg kam regelmäßig in den Buchladen, obwohl sie schon jahrelang nicht mehr im Kiez wohnt. „Ich finde es sehr schade, dass der Laden nicht mehr weiter betrieben wird“, sagte sie bei einem womöglich letzten Besuch im Geschäft. „Die Entwicklung sei traurig: Kleine Läden müssten finanzkräftigen Mietern weichen. „Auch bei uns in Charlottenburg bestimmen immer mehr Ketten das Angebot“.

Bis einschließlich 26. Januar läuft nun der Ausverkauf mit beträchtlichen Rabatten im Dharma- Buchladen. Bis Ende des Monats muss alles raus, der Vermieter gab dem Buchladen noch bis Ende Januar Aufschub.

Team: Das einzig Beständige ist der Wandel

„Wir danken allen Kunden, die uns in dieser langen Zeit die Treue gehalten haben und für die unser Laden ein Ort der Inspiration und der geistigen Sammlung wie auch ein solcher der Begegnung und der Gespräche geworden ist“, schreibt das Dharma-Team auf einem Flyer, der im Laden ausliegt. Und entsprechend seiner spirituellen Ausrichtung tröstet es die bisherigen Kunden: „Das einzig Beständige sei der Wandel. Er sei immer auch Chance und Herausforderung und damit Leben. „In diesem Sinne verabschieden wir uns in den Strom der Veränderung.“ Dennoch, so gibt Fritz Steinschulte zu „mit einer gewissen Trauer".

Dharma Buchladen, Akazienstraße 17, 10823 Berlin (Schöneberg), U-Bhf. Eisenacher Straße (U7), Öffnungszeiten: Montag - Freitag:10 - 19 Uhr, Samstag,10 - 16 Uhr, www.dharma-buchladen.de

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