Protest

Potse & Drugstore: Stadtrat für Umbau des Bunkers

Aktivisten haben sich in den Räumen des Jugendzentrums in Schöneberg verbarrikadiert. Jugendstadtrat Schworck will weiter verhandeln.

Ein Aktivist erzählt der Berliner Morgenpost, weshalb er Mahnwache vor Potse&Drugstore hält.

Ein Aktivist erzählt der Berliner Morgenpost, weshalb er Mahnwache vor Potse&Drugstore hält.

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Berlin. „Grog“, so nennt sich der Liedermacher und Punk, war nur ein paar Stunden zuhause schlafen. Bis Donnerstag, 1 Uhr nachts hatte er vor dem Eingang zu Potse & Drugstore ausgeharrt, jetzt ist es 10.30 Uhr und er steht mit zwei Mitstreitern wieder vor der Potsdamer Straße 180 in der Kälte. „Wir werden nicht weggehen, bis Räume gefunden sind, in denen Konzerte abgehalten werden können“, kündigt der 50-Jährige an. Er habe in dem Jugend- und Kulturzentrum in Schöneberg, das nach 46 Jahren wegen einer Mieterhöhung raus muss, seine Jugend verbracht.

Vermummte Aktivisten besetzen Räume


Am 31. Dezember weigerte sich das Potse-Kollektiv, die Schlüssel für ihre Räume abzugeben. Denn noch hat der Bezirk keine passendes Ausweichquartier gefunden. Der Bezirk hat lediglich die Mietverträge für neue Räume in der Potsdamer Straße 134 unterschrieben, Konzerte sind dort nicht erlaubt. Vermummte Aktivisten haben sich oben verbarrikadiert, lassen sich über eine Tasche, die sie durch das Fenster herunterlassen, mit Lebensmitteln versorgen.

Stadtrat Schworck: Räumung derzeit nicht vorgesehen

Der zuständige Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) kritisiert dies: „Es gibt dafür keinen Grund, eine Räumung ist nicht vorgesehen.“ Man verhandele über Räume im ehemaligen Flughafengebäude Tempelhof. „Ziel ist es, dass dort einmal im Monat Konzerte stattfinden“, sagte Schworck der Morgenpost. Er setze sich zudem dafür ein, dass der Hochbunker an der Pallasstraße, der 1943 bis 1945 von Zwangsarbeitern errichtet wurde, umgebaut wird. „Dies wäre der perfekte Ort für Punkkonzerte“, betonte er.

FDP fordert politische Konsequenzen

Schworck steht in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, sich nicht früh und intensiv genug um eine neue Bleibe von Potse & Drugstore gekümmert zu haben. Die FDP forderte erneut, den Stadtrat, der auch für Schule Umwelt, Gesundheit und Sport zuständig ist, von einigen seiner Zuständigkeiten zu entbinden. FDP-Fraktionschef Reinhard Frede dürfte zumindest freuen, dass sein wiederholt gemachter Vorschlag, den ehemaligen Flughafen Tempelhof für Konzerte zu nutzen, nun offenbar ernsthaft von Schworck verfolgt wird. Den Umbau des Bunkers könnte der Bezirk allerdings kaum alleine bezahlen, er würde Millionen Euro kosten. Deshalb laufen Gespräche auch mit der Senatsebene.

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