Drohende Schließung

Traditionsbar Hafen im Regenbogenkiez muss raus

Nach 28 Jahren soll der Betreiber des Hafens bis 3. Januar den Schlüssel übergeben. Stattdessen lädt er Unterstützer ein.

Die Traditionsbar "Der Hafen" in der Motzstraße in Schöneberg bekam den Mietvertrag nicht verlängert.

Die Traditionsbar "Der Hafen" in der Motzstraße in Schöneberg bekam den Mietvertrag nicht verlängert.

Foto: Hafen-Berlin.de

Berlin. Nach 28 Jahren soll der "Hafen", eine lokale Größe des „Regenbogenkiezes“ in Schöneberg am 3. Januar schließen. Laut Ulrich Simontowitz, Betreiber der legendären Bar in der Motzstraße 19, hat es in fast zwei Jahren keine Einigung über eine Verlängerung des Mietvertrages gegeben.

Treibende Kraft hinter Lesbisch-Schwulem Straßenfest

Der "Hafen" galt seit seiner Gründung im November 1990 als fester Bestandteil der queeren Szene. Das Lokal war nicht nur Anziehungspunkt für Nachtschwärmer, es warb auch für Akzeptanz und Toleranz gegenüber Homosexuellen in der Gesellschaft. „Wir waren der erste Laden ohne Klingel und mit einem offenen Schaufenster“, betont der Betreiber. „Und wir waren treibende Kraft hinter der Gründung des Lesbisch-Schwulen Stadtfestes in der Motzstraße.“

Ein Zeichen gegen Verdrängung setzen

Der Betreiber soll am 3. Januar bereits die Schlüssel übergeben. Er hat deshalb einen Anwalt eingeschaltet und hofft auf Unterstützung aus der Community. „Wir werden nicht sang- und klanglos das Feld räumen“, kündigte Simontowitz an und lädt stattdessen Gäste, Freunde und Unterstützer am 3. Januar um 13 Uhr zu einer Feier ins Lokal ein. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir als Community zusammen halten und uns nicht wehrlos verdrängen lassen“, so Simontowitz. „Wir wollen wachrütteln und darauf aufmerksam machen, dass immer mehr Schutzräume für die Community schließen oder von der Schließung bedroht sind.“

Betreiber hätte Mieterhöhung akzeptiert

Der Betreiber des legendären Ladens hatte nach Angaben von Mitarbeiter Sebastian Pagel die Mieterhöhung akzeptiert. Daher sei die Überraschung groß gewesen, als jetzt per Brief die Aufforderung kam, die Schlüssel zu übergeben. Die 66 Quadratmeter großen Räumlichkeiten sollten in nur wenigen Tagen und das auch noch über Weihnachten und Neujahr ausgeräumt werden.

Kultursenator Lederer: Schließung abwenden

Die Nachricht vom nahenden Ende der Traditionsbar sprach sich am Donnerstag rasch im Kiez herum. Viele reagierten dort betroffen. Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) twitterte: „Der „Hafen“ soll schließen. Auch ohne dort regelmäßig Gast gewesen zu sein: eine Institution des schwulen #Berlin, ein Ort queerer Sichtbarkeit. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann dass diese Schließung abgewendet werden kann. Berlin braucht diese Orte.“

Auch der Bundestagsabgeordnete Dr. Jan-Marco Luczak (CDU) ist für den Erhalt der Bar: „Der Regenbogenkiez rund um den Nollendorfplatz ist ein Besuchermagnet für Menschen aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Dazu haben ihn auch die Clubs, Bars und Kneipen gemacht. Der Hafen ist seit 28 Jahren eine Institution - daher muss er als Teil dieses lebens- und liebenswerten Kiezes erhalten bleiben.“

Die queerpolitischen Sprecherinnen und Sprecher Melanie Kühnemann-Grunow (SPD-Fraktion), Carsten Schatz (Fraktion DIE LINKE) und Anja Kofbinger und Sebastian Walter (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) forderten am Freitag den Vermieter dazu auf, eine Verlängerung des Mietvertrages zu ermöglichen.

"Der zunehmenden Übergriffigkeit von Vermietern müssen wir gemeinsam entgegentreten. Ob für die eigene Wohnung, die des Nachbarn oder unsere Kneipen. Deshalb ist das Volksbegehren zur Enteignung der Deutschen Wohnen ein wichtiger Schritt, Vermietern Grenzen aufzuzeigen“, sagt Carsten Schatz.

Sebastian Walter von den Grünen spricht die soziale Verantwortung an: „Vermieter von Gewerbeflächen tragen auch eine soziale Verantwortung. Dies gilt besonders im Regenbogenkiez mit seinen queeren Clubs, Läden und Bars. Den Ausverkauf der queeren Szene werden wir nicht hinnehmen.“

Melanie Kühnemann-Grunow: „Auch wenn die Bundesregierung eine Ausnahme für Trägerwohnungen im Gewerbemietrecht ermöglicht hat, brauchen wir mehr Instrumente, um Kleingewerbe gegen Verdrängung zu schützen. Hier muss der Bundestag tätig werden.“

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