Veranstaltung

Zalando sagt Modemesse „Bread and Butter“ ab

Zalando will die Messe nicht mehr ausrichten. Berlin kauft den Mietvertrag für das Terminal in Tempelhof für zwei Millionen zurück.

Besucher 2016 auf der Modemesse Bread and Butter in der Arena in  Treptow.

Besucher 2016 auf der Modemesse Bread and Butter in der Arena in Treptow.

Foto: Jens Kalaene / ZB

Anfang der 2000er-Jahre war die Modemesse Bread & Butter ein ganz großes Ding als weltweite Leitmesse für Jeans und Streetware-Mode. Zeitweise drängten sich 100.000 Besucher bei der auch für ihre famosen Partys berühmten Veranstaltung, ehe es bergab ging. Jetzt verschwindet das Event – und zwar gleich in doppeltem Sinne.

2003 war der Chef der Bread & Butter, Karl-Heinz Müller, mit seiner Messe aus Köln nach Berlin gewechselt. Die ersten Schauen fanden hier in einer Gewerbehalle auf der Insel Gartenfeld in Spandau und parallel dazu in Barcelona statt. Auch wegen dieses nicht optimalen Berliner Standortes war Müller 2007 komplett nach Spanien abgewandert. Zwei Jahre später holte Berlins damaliger Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ihn und die Mega-Veranstaltung mit dem Angebot für die Nutzung der Hangars im ehemaligen Flughafen Tempelhof zurück. Für zehn Jahre wurden eine Reihe von Hangars an den Chef der Messe vermietet, mit einer Verlängerungsoption von weiteren zehn Jahren. Die Messe-Macher hatten damit die Flächen in dem Riesengebäude jedes Jahr im Januar und im Juli wochenlang reserviert.

Der Senat hat nun den Mietvertrag für das Terminal im stillgelegten Flughafen Tempelhof von dem Onlinehändler Zalando zurückgekauft, dem Vernehmen nach für knapp zwei Millionen Euro. Damit hat das Land nun freie Hand das Gebäude anders zu nutzen und nach dem Auszug der dort immer noch untergebrachten Flüchtlinge auch zu sanieren. Außerdem fällt eine Klausel weg, die es allen außer Zalando untersagte, in dem Gebäude Modemessen zu veranstalten.

„Für uns ist es wesentlich einfacher, wenn wir vertraglich nicht mehr so gebunden sind“, sagte Jutta Heim-Wenzler, Chefin der landeseigenen Tempelhof Projekt GmbH, die das Gebäude verwaltet. Zalando hat 2015 die Marke nach der Pleite der Modemesse Bread & Butter erworben. Am Mittwoch teilte der Onlineversandhändler mit, dass auch die neue Bread & Butter im nächsten Jahr ausfallen werde. Zalando hatte diese abgespeckt, zu einer Publikumsmesse gewandelt und war in die Arena in Treptow gezogen.

Mit der Bread & Butter habe der Internethändler „Fashion-Kompetenz aufgebaut und das Vertrauen der Marken gewonnen“, sagte Zalandos Co-Vorstandschef David Schneider. Daran anknüpfend wolle man sich wieder an eine breitere Zielgruppe wenden – mit personalisierten, lokalen Kampagnen“. Er sei sicher, dass die Stadt noch viele Events dieser Art sehen werde. „Als Kreativpool für Mode und Technologie ist unser Wachstum hier erst möglich geworden“, so Schneider.

Berlin will 130 Millionen Euro in Tempelhof investieren

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) zeigte Verständnis für den Niedergang der Bread & Butter: „In der schnelllebigen Modewelt ist die strategische Neuorientierung von Marken und Veranstaltungen notwendig.“ Und die Senatorin erklärte weiter: „Künftig kann Tempelhof deutlich besser für Veranstaltungen, auch und gerade rund um die Fashion Week, genutzt werden.“ Zudem könne nun die Entwicklung des Standortes Tempelhof mit entsprechenden Investitionen auf den Weg gebracht werden. Der Senat plant, das Tempelhofer Terminal zu einem Standort für Kreativwirtschaft und Kultur zu entwickeln und hat dafür 130 Millionen Euro vorgesehen. 2019 sollen 37 Millionen Euro in Tempelhof investiert werden.

Nie mehr was verpassen - treten Sie unserer Facebook-Gruppe Unser Tempelhof-Schöneberg bei

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.