Franckepark

Tempelhofer Damwild soll nächstes Jahr umziehen

Die Tempelhofer Anwohner, die für den Erhalt des traditionsreichen Damwildgeheges im Franckepark kämpfen, können erst einmal aufatmen.

Geraldine und Jörg van Gogswaardt besuchten im Sommer mit Sohn Antonin das Gehege  im Franckepark regelmäßig. Sie sagen: Wichtig ist, dass es den Tieren gut geht.

Geraldine und Jörg van Gogswaardt besuchten im Sommer mit Sohn Antonin das Gehege  im Franckepark regelmäßig. Sie sagen: Wichtig ist, dass es den Tieren gut geht.

Foto: Gudrun Mallwitz

Berlin. Die Tempelhofer Anwohner, die für den Erhalt des traditionsreichen Damwildgeheges im Franckepark kämpfen, können erst einmal aufatmen. Jetzt steht fest: Die Tiere werden nicht mehr in diesem Jahr in das Gehege Glauer Tal in Brandenburg umziehen. Die zuständige Bezirkstadträtin Christiane Heiß (Grüne) hält dennoch weiterhin an dem Vorhaben fest. Noch zumindest. "Das Damwild kann bei uns im Park nicht so gehalten werden, wie es für die Tiere notwendig wäre", sagte sie der Berliner Morgenpost auf Anfrage. "Deshalb will ich den Umzug vorbereiten." Ob es wirklich dazu kommt, wird aber immer fraglicher.

Seit etwa 90 Jahren gibt es das beliebte Wildgehege hinter dem Rathaus Tempelhof. Seit mehreren Monaten versuchen Anwohner alles, damit die dort lebenden etwa elf Tiere bleiben dürfen. An den Bäumen hängen Hilferuf-Zettel: „Die Kinder lieben die Hirsche. Nehmt ihnen das Tiergehege nicht weg!“ Laut Stadträtin Heiß belegen aber alle Untersuchungen von Experten: „Das Damwild kann da, wo es jetzt ist, nicht artgerecht gehalten werden.“ Dafür fehle rechtlich sogar die Genehmigung. Das Gehege sei mit rund 8000 Quadratmetern für elf Tiere viel zu klein. Sie hätten keine Rückzugsräume und könnten nicht vor unkontrollierter Fütterung geschützt werden.

Umzug nicht vor Februar

Der bei vielen Tempelhofern heftig umstrittenen Umzug - den die Landestierschutzbeauftragte Diana Plange nachdrücklich unterstützt - verschiebt sich nach derzeitigem Stand voraussichtlich auf Februar, März oder April 2019. Ursprünglich plante die Bezirkstadträtin, die Tiere in diesem Jahr noch umzusiedeln.

Die Verzögerung hat politische wie logistische Gründe. Der Transport muss vorbereitet werden. Die Tiere müssen von Fachleuten betäubt werden, ehe sie auf die Reise ins Brandenburgische gehen. Doch nicht nur das: Vorher soll noch eine Bürgerinformations-Veranstaltung stattfinden. „Ich rechne damit, dass die von einer Bürgerin beantragte Einwohnerversammlung voraussichtlich im Februar stattfinden wird“, sagte BVV-Vorsteher Stefan Böltes (SPD) am Montag der Berliner Morgenpost. Ein Drittel der Bezirksverordneten muss einen solchen Antrag mittragen. Inzwischen liegen die erforderliche Anzahl an Unterschriften vor.

Initiatorin der Einwohnerversammlung will Experten dazuholen

Anwohnerin Christine Rabe, auf deren Initiative die Bürger eingeladen werden sollen, verspricht sich von der Einwohnerversammlung nicht nur eine umfassende Information der Tempelhofer. Sie will eventuell auch Experten dazuholen, die sich für den Verbleib der Tiere unter verbesserten Bedingungen aussprechen. "Ich hoffe sehr, dass dass das Damwild doch noch bleiben kann", sagte sie auf Anfrage.

Die Bezirksverordnetenversammlung hat bislang immer noch keinen Beschluss zur Zukunft der Tiere gefasst. Eine Entscheidung wurde vorige Woche erneut vertagt. Vor allem die SPD tut sich schwer mit ihrer Positionierung. Im Juli 2016 hatte die BVV noch einem Antrag der SPD-Fraktion zugestimmt, wonach das Damwildgehege erhalten bleiben soll – um einen weiteren Identitätsverlust für den Ortsteil zu vermeiden. Aufgrund der Gutachten, die den Verbleib der Tiere nicht empfahlen, war die Fraktion von dieser Position abgerückt. Einzig die Grünen positionieren sich in der aktuellen Diskussion eindeutig für den Umzug des Damwildes, CDU und AfD treten hingegen vehement für eine Erweiterung und einen Umbau des Geheges ein.

SPD-Bezirksverordneter will Entscheidungsgrundlage wissen

Nun aber kommt erneut Bewegung in die Diskussion: Die Sozialdemokraten waren ja erst für einen Verbleib der Tiere, dann eher für einen Umzug, inzwischen aber wollen sie das Gehege offenbar doch möglichst erhalten - sofern die Haltungsbedingungen sich verbessern lassen und dies auch zu finanzieren ist. Der SPD-Bezirksverordnete Lars Rauchfuß hat jetzt eine Kleine Anfrage an die Stadträtin gestellt, in der er unter anderem wissen will, wer der rechtmäßige Eigentümer der Damwildtiere ist. Heiß soll auch darlegen, auf welcher rechtlicher Grundlage sie die Entscheidung treffen will und die Umsiedlung durchführen wolle.

Vor allem aus einer seiner Fragen geht hervor, dass die SPD das Damwildgehege doch noch nicht aufgegeben hat: Heiß soll beantworten, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um einen "dem Tierwohl gerecht werdenden Verbleib des Damwildgeheges sicherzustellen" - und wie viel das kosten würde. "Uns ist wichtig, dass alle Informationen vorgelegt werden", sagte Rauchfuß auf Anfrage. "Nur wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, kann eine verantwortungsvolle Entscheidung getroffen werden." Er betonte auch: "Wenn es möglich ist, das Gehege so umzubauen, dass die Tiere dort artgerecht gehalten werden können, dann wäre uns das lieber als eine Umsiedelung des Damwilds."

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