Protest

Unterschriften gegen Hochhäuser wurden übergeben

Die Anwohner in Schöneberg kämpfen gegen den Bau von drei Hochhäusern. Jetzt trafen sie sich mit Bürgermeisterin Schöttler.

Jörg Simon will verhindern, dass in der Siedlung "Am Mühlenberg" in Schöneberg drei neue Hochhäuser gebaut werden.

Jörg Simon will verhindern, dass in der Siedlung "Am Mühlenberg" in Schöneberg drei neue Hochhäuser gebaut werden.

Foto: Gudrun Mallwiitz / Gudrun Mallwitz

Berlin. Eine Anwohnerinitiative der Gewobag-Siedlung "Am Mühlenberg" in der Nähe des Rathauses kämpft weiter gegen den geplanten Bau von drei Hochhäusern. Vor einigen Fenstern hängen seit Freitag Protesttransparente mit einem rot-weißen STOP-Zeichen und der Aufschrift: „Hier keine Nachverdichtung“. Am Montag übergab Initiator Jörg Simon 344 Protest-Unterschriften an Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD).

Grünflächen erhalten statt nachzuverdichten

„Schöneberg hat viel zu wenige Grünflächen, eine Nachverdichtung durch die vorgesehenen zwei Zwölfgeschosser und einem Achtgeschosser ist nicht hinnehmbar“, sagte Simon der Berliner Morgenpost. Die aus rund 400 Wohnungen bestehende Gewobag-Siedlung bietet überwiegend 1- bis 2,5-Zimmer-Wohnungen und wurde in den 60er- und 70er-Jahren errichtet. Sie liegt direkt hinter dem Rathaus Schöneberg, auf den sich umgebenden Grünflächen sind häufig Wildkaninchen unterwegs.

Kritiker befürchten Fehlentwicklung

Der Diplom-Ingenieur wohnt zwar nicht in der Siedlung "Am Mühlenberg" und ist damit von den Hochhausplänen nicht betroffen. Er wolle aber Fehlentwicklungen verhindern helfen, betont Simon. Als früherer Stadtplaner kritisiert er, dass die planungs- und bauordnungsrechtlichen Bedingungen für das derzeitige Wohnungsbau-Vorhaben erst Jahrzehnte nach Festsetzung des geltenden Bebauungsplanes getroffen worden seien. In Schöneberg und Friedenau sollte eine Nachdichtung unterbunden werden, so die Forderung.

Baustadtrat Oltmann verteidigt Wohnungsbaupläne

Rund 30 Anwohner waren bei der Übergabe der Unterschriftenliste im Rathaus dabei. Die Gruppe sprach nicht nur mit Bürgermeisterin Schöttler, sondern auch mit dem zuständigen Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne). Er verteidigte die Pläne – und das nicht zum ersten Mal. Die Siedlung biete die Chance, auf Grundstücken der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag und des Bezirks mit einer behutsamen Nachverdichtung bezahlbaren neuen Wohnraum zu schaffen, so Oltmann. „Solche landeseigenen Flächen sind im S-Bahn-Innenring von Berlin rar“, betonte der Baustadtrat. „Und wir brauchen dringend Wohnungen.“

Bürger frühzeitig beteiligt

130 bis 150 Wohnungen sollen den Plänen zufolge auf bisherigen Parkplätzen und Grünanlagen entstehen. Oltmann betonte, dass die Bürgerbeteiligung sogar vor den gesetzlichen vorgeschriebenen Zeitpunkten stattgefunden habe. In der dritten Bürgerveranstaltung im Dezember 2017 hätten dann 57 Prozent der Anwesenden aus drei vorgestellten Varianten eine Bebauung mit zwei zwölfgeschossigen und einem achtgeschossigen Gebäude favorisiert.

Noch ist keine Entscheidung zum Bebauungsplan gefallen, Initiator Jörg Simon und die Anwohner wollen daher nicht aufgeben. Die Protest-Transparente bleiben also noch hängen.