Sicherheit

Mehr Videotechnik auf Bahnhöfen ist eine Option

Die Bundespolizei zieht ein positives Fazit der ersten Testphase am Südkreuz und empfiehlt den regulären Einsatz.

Der Bahnhof Südkreuz war das Pilotprojekt

Der Bahnhof Südkreuz war das Pilotprojekt

Foto: pa

Berlin.  Die intelligente Videotechnik am Bahnhof Südkreuz hat sich in einer ersten Testphase bewährt. Das sagte der Präsident der Bundespolizei Berlin, Thomas Striethörster, im Interview mit der Berliner Morgenpost. In einem Bericht an das Innenministerium spricht sich die Bundespolizei Berlin für eine Nutzung der Technik im Alltag aus.

Von August 2017 bis Juli dieses Jahres lief am Umsteigebahnhof Südkreuz in Schöneberg ein Test zur intelligenten Videotechnik. An dem Versuch nahmen etwa 300 Freiwillige teil, die den Bahnhof regelmäßig nutzen. Die Gesichter der Probanden wurden gespeichert. In dem Versuch ging es darum, ob die Software diese Personen erkennt. Die Produkte von insgesamt drei Herstellern wurden getestet.

„Ich selber bin total überrascht über die Ergebnisse“, sagte Striethörster im Interview mit dieser Zeitung. Die Technik funktioniere zu einem hohen Prozentsatz und mit sehr geringer Fehlerquote. Aus Sicht der Bundespolizei bringt die Technik einen Mehrwert. „Wir haben die erste Testphase jetzt abgeschlossen und einen detaillierten und positiven Bericht an das Innenministerium geschickt“, so Striethörster weiter.

Kameras produzieren pro Tag 48.000 Stunden Material

Die Bundespolizei, die für Sicherheit an Bahnhöfen und Flughäfen zuständig ist, hat in Berlin Zugriff auf etwa 2000 Kameras, die pro Tag 48.000 Stunden Videomaterial produzieren. Momentan müssten Beamte im Falle einer Straftat die Aufzeichnungen sichern und per Hand auswerten. Zukünftig soll diese Auswertung eine Software übernehmen.

Bald soll die Erprobung am Südkreuz in eine zweite Testphase starten. Dann soll die Technik gefährliche Situationen erkennen können. „Wir werden testen, ob stehen gelassene Gegenstände detektiert werden können“, so Striethörster. Weitere Szenarien seien, dass eine Person auf dem Boden oder im Gleis liege. „Es geht also um gefahrenabwehrrechtliche Situationen, die wir nach bestimmten Mustern detektieren und erkennen wollen“, sagte Striethörster.

Für einen Einsatz intelligenter Videokameras wäre allerdings eine Gesetzesänderung nötig. Es gibt auch Protest von Datenschützern, die vor dem Einsatz warnen. Die Befürchtung ist, dass der Bürger immer mehr überwacht werde. Die Bundespolizei streitet das ab und verweist auf den Nutzen.

Laut der Behörde sei es mittelfristig sogar möglich, dass durch die intelligente Videotechnik insgesamt weniger Kameras im öffentlichen Raum eingesetzt werden müssen, da die Ermittler viel selektiver an das Thema herangehen könnten. „An Massendaten haben wir gar kein Interesse. Und ich bin auch nicht an Menschen interessiert, die ihren 30-Euro-Bußgeld­bescheid nicht bezahlt haben. Es geht um hochgefährliche Personen, vom Sexualtäter bis zum Terroristen“, erklärte Striethörster.

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