Wohnungsbau

Tempelhof-Schöneberg hinkt beim Wohnungsbau hinterher

Eine neue Analyse des Stadtentwicklungsamtes zeigt: Der Bezirk kann bis 2030 nicht aufholen.

Foto: Gudrun Mallwitz

Berlin. Beim Neubau von Wohnungen hinkt Tempelhof-Schöneberg massiv hinterher. Das belegt der Wohnungsmarktbericht Tempelhof-Schöneberg, der die Entwicklung ab 2012 beleuchtet. Die der Berliner Morgenpost vorab vorliegende Analyse im Auftrag des Stadtentwicklungsamtes belegt: Der Bezirk wird es nicht schaffen, die angesichts des prognostizierten Bevölkerungszuwachses erforderlichen Wohnungen bis 2030 zu bauen. Damit wird der Druck auf den Markt zunehmen und die Kauf- und Mietpreise weiter steigen.

Zwar liegen die Kaufpreise bei Eigentumswohnungen mit 3500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche etwas unter dem Berliner Niveau (3750 Euro), doch verlief die Entwicklung in Tempelhof-Schöneberg laut Bericht dynamischer als in Gesamt-Berlin: Die Durchschnitts-Kaufpreise für Eigentumswohnungen erhöhten sich hier um ganze 79 Prozent. 2012 wurde der Quadratmeter noch für rund 1950 Euro angeboten. Berlinweit fiel der Preisanstieg in diesem Zeitraum mit 61 Prozent weitaus geringer aus. In Tempelhof ist der Angebotspreis 2017 sogar um 89 Prozent gestiegen – von 1705 Euro pro Quadratmeter auf 3224 Euro.

Mieten stiegen von 2012 bis 2017 um 30 Prozent

Die Preisspanne im Bezirk, der von der City-West bis zum Berliner Stadtrand reicht, ist enorm: So wurden im vergangen Jahr 80 Prozent der Eigentumswohnungen im Bezirk zwischen knapp 2150 und 5250 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche angeboten. Die Mieten stiegen von 2012 bis 2017 um 30 Prozent. Am geringsten fiel die Steigerung am Stadtrand, Lichtenrade und Marienfelde aus. Mit einem mittleren Angebotspreis von 7,85 Euro pro Quadratmeter netto kalt wohnt es sich in Marienfelde am günstigsten, danach folgt Lichtenrade mit 8,20 Euro pro Quadratmeter. In Friedenau und Schöneberg hingegen liegen die Wohnungsmieten mit rund 10,9 bis rund 11,3 Euro pro Quadratmeter über dem gesamtstädtischen Durchschnitt.

Tempo beim Wohnungsbau erhöhen

Um den künftigen Wohnungsbau zu decken, müsste Tempelhof-Schöneberg das Tempo beim Wohnungsbau deutlich erhöhen, schreiben die Experten des beauftragten Forschungs- und Beratungsunternehmens Empirica.

Um die vom rot-rot-grünen Senat vorgegebenen Wohnungsbauziele zu erreichen, müssten bis zum Jahr 2030 rund 15.000 Wohnungen im Bezirk gebaut werden. Allein bis 2020 jedes Jahr knapp 1900 Wohnungen, bis 2024 weitere rund 1200 Wohnungen jährlich und bis 2029 dann rund 900 Wohnungen im Jahr. Die Analyse kommt aber zu dem enttäuschenden Schluss: Wenn die Flächenpotenziale im Bezirk realistischerweise zu zwei Dritteln genutzt werden, können dieses Ziele zu keinem der genannten Zeitpunkte erreicht werden. Das Neubauvolumen im Bezirk müsste dafür sechs bis sieben Mal höher sein als 2016. In jenem Jahr wurden nur 285 neue Wohnungen fertiggestellt. Im Berliner Durchschnitt waren es rund 4,5 mal so viele.

Der Hauptgrund für die schleppende Bautätigkeit liegt nach Aussage der Experten an den verfügbaren Möglichkeiten. Bis 2029 fehlten in Tempelhof-Schöneberg Flächen für gut 8800 Wohnungen. Der zuständige Stadtentwicklung-Stadtrat Jörn Oltmann (Grüne) kündigte an, alle Möglichkeiten nutzen zu wollen, um den Neubau voranzutreiben. Die Experten raten zu einem noch stärkeren Austausch der Akteure im Wohnungsbau und der Einrichtung einer Clearingstelle als Kontakt für potenziell Bauende. Auch sollten die Genehmigungsverfahren vereinfacht werden.

Tempelhof-Schöneberg ist der einzige Bezirk, der einen eigenen Wohnungsmarktbericht vorlegt. Stadtrat Oltmann zeigt sich zuversichtlich, dass sich der Trend beim Wohnungsbau noch in diesem Jahr dreht. „Im Juli wurden bei uns die meisten Baugenehmigungen aller Bezirke erteilt“, so der Stadtrat. In der „Pipeline“ seien mehrere größere Neubauvorhaben.

Der knapp 80-seitige Bericht sollte an diesem Freitag am späten Nachmittag im Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks vorgestellt werden. Dies wurde auf Oktober vertagt.

Mehr zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg lesen Sie hier.

Mehr zum Thema:

Makler warnen vor den Nebenwirkungen des Milieuschutzes

Berliner Bäume dürfen bald vor Baugenehmigung gefällt werden

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.