Brennpunkt-Schule

Ganze Schulklasse will weg von der Spreewald-Grundschule

Die Situation an der Spreewald-Grundschule in Schöneberg eskaliert, nachdem die Leiterin Doris Unzeitig freigestellt wurde.

Braucht eine neue Leitung: die Spreewald-Schule in Schöneberg

Braucht eine neue Leitung: die Spreewald-Schule in Schöneberg

Foto: jörg Krauthöfer

Berlin. Die Situation an der Spreewald-Grundschule in Schöneberg droht zu eskalieren: Die Bildungssenatsverwaltung von Senatorin Sandra Scheeres (SPD) will die unbequeme Schulleiterin Doris Unzeitig freistellen und damit möglichst schnell loswerden. Eine Nachfolgerin ist bereits gefunden, sie kommt laut Informationen der Berliner Morgenpost von der benachbarten Neumarkt-Grundschule.

Kinder und Eltern wollen jetzt dagegen protestieren, dass ihre Klassenlehrerin und Schulleiterin geht: „Wir werden die Umschulung der Klasse 5B von Frau Unzeitig beantragen“, kündigte die langjährige Gesamtelternvertreterin an der Schule, Hadia Mir, am Sonntag gegenüber der Berliner Morgenpost an.

Ein Wechsel an der Leitungsspitze verschärfe die Probleme an der Schule nur, argumentiert die Elternvertreterin. „Frau Unzeitig ist eine so engagierte Lehrerin und Schulleiterin“, betonte Mir. „Schüler und Eltern wollen sie unbedingt behalten.“ 15 Eltern wollten ihre Kinder geschlossen ummelden, also so gut wie die ganze Klasse. Die restlichen drei Eltern habe sie bislang nur noch nicht erreicht.

Geplant sei auch eine Protestdemonstration. Protestieren wolle man für den Verbleib der Schulleiterin, aber auch gegen den Umgang mit Unzeitig und der Schule seitens der Senatsbildungsverwaltung und des zuständigen Schulamtes.

Die Entscheidung für den Wachschutz wurde kritisiert

Die Spreewald-Grundschule nahe des früheren „Sozialpalastes“ gilt als Brennpunkt-Schule mit schwieriger Schüler-Klientel. Mitten im Unterricht sollen Mütter oder Geschwister in die Klasse gestürmt sein, es kam auch zu Handgreiflichkeiten von Vätern gegenüber Lehrern. Im März engagierte die Schulleiterin einen privaten Wachschutz. Das gefiel nicht jedem. Jan Rauchfuß, SPD-Fraktionschef in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg, etwa warf Unzeitig vor, sie verkaufe den Wachschutz als pädagogische Maßnahme – wenn sie ihn mit Geld aus dem Bonusprogramm für Schulen im sozialen Brennpunkt finanziere.

Kurz vor Beginn dieses Schuljahres teilte die Schulleiterin vor einer Woche offiziell mit, dass sie aufgeben wolle. Wegen mangelnder Unterstützung durch die zuständigen Stellen beim Senat und im Bezirk. Sie hätte sich gewünscht, dass sie gegen verhaltensauffällige Schüler hätte konsequenter vorgehen dürfen, sagte Unzeitig. Nicht einmal eine funktionierende Gegensprechanlage zum besseren Schutz habe die Schule bekommen. Dazu kam, dass zum Schuljahresanfang nicht alle Lehrerstellen besetzt wurden und weitere Quereinsteiger eingearbeitet werden sollten. Die Situation verschärfte sich, nachdem bekannt wurde, dass auf dem Schulgelände von Junkies Drogen konsumiert werden.

Doris Unzeitig will die neuen Lehrer noch einarbeiten

Doris Unzeitig wäre wohl geblieben, wenn die Senatsbildungsverwaltung auch ihren letzten Hilferuf erhört hätte. Denn eigentlich will sie gar nicht weg. Nun möchte sie wenigstens die neuen Lehrer noch einarbeiten und die Leitung in Ruhe übergeben, ehe sie nach fünf Jahren an der Spreewald-Grundschule nach Oberösterreich zurückgeht.

„Ich möchte zumindest bis Freitag, 7. September, bleiben“, sagte Unzeitig der Berliner Morgenpost. Dass die Schulverwaltung und sie sich einvernehmlich auf eine noch schnellere Auflösung des Vertrags geeinigt haben, sei eine Lüge, betonte die kämpferische Schulleiterin. Es stimme auch nicht, dass die Bildungssenatsverwaltung genügend Hilfe angeboten habe, die sie nur nicht annahm.

„Die Zusammenarbeit mit der jetzigen Schulleitung ist gestört“, sagte die Sprecherin der Bildungsverwaltung, Beate Stoffers, am Sonntag auf Anfrage. Sie bleibt dabei: Es habe Unterstützungsangebote gegeben, bis hinauf zum Staatssekretär Mark Rackles und zu Senatorin Sandra Scheeres. Keineswegs gehe es darum, eine Schulleiterin mundtot zu machen. „Wir brauchen einen Neustart an der Schule“, unterstrich Stoffers. „Dies ist nun mit der neuen Schulleitung möglich.“

An diesem Montagvormittag will Gesamtelternsprecherin Hadia Mir den Sammelbrief der Eltern mit dem Antrag auf den Wechsel der Klasse an eine andere Schule übergeben.

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