Tierskulptur

Das „Grasende Fohlen“ am Renée-Sintenis-Platz

Bildhauerin Renée Sintenis entwarf unter anderem den "Jungen Bär" - das Vorbild für den "Goldenen Bären" der Berliner Filmfestspiele.

1929 schuf die Bildhauerin Renée Sintenis diese Tierskulptur

1929 schuf die Bildhauerin Renée Sintenis diese Tierskulptur

Foto: Blisse

Friedenau. Eigentlich sollte am Renée-Sintenis-Platz das Friedenauer Rathaus errichtet werden. Stattdessen wurde dort im Oktober vor 100 Jahren das Kaiserliche Postamt eröffnet. Bis heute kann man dort Briefmarken kaufen und Pakete abschicken. Der 1872 angelegte Platz gehört zur sogenannten Carstenn-Figur, einer von Johann Anton Wilhelm von Carstenn entwickelten städtebaulichen Anlage aus vier Schmuckplätzen und einer Allee als Mittelachse. Die erste ihrer Art wurde um die Bundesallee realisiert, es folgte die Carstenn-Figur in Friedenau, zu der auch der Renée-Sintenis-Platz gehört.

Diesen Namen trägt er jedoch erst seit 1970, vorher hieß er Wilmersdorfer Platz. Neue Namensgeberin war die in Niederschlesien geborene und später in Berlin lebende Bildhauerin und Grafikerin Renée Sintenis (1888–1965). Auch wenn man ihren Namen möglicherweise nicht kennt, manche ihrer Tierskulptur-Werke jedoch schon. Ihr „Junger Bär“ von 1932 war Vorbild für den „Goldenen Bären“, der bei den Berliner Filmfestspielen verliehen wird.

Der 1956 neu gestaltete Berliner Bär wurde unter anderem als Bronzestatue hergestellt und steht auf dem Mittelstreifen am Autobahnkreuz Zehlendorf. Auch „ihr“ Platz ist mit einem ihrer Werke geschmückt: mit dem „Grasenden Fohlen“. Die Skulptur entstand im Jahr 1929.

Möhren und gestrickte Gamaschen für das Fohlen

Ein bisschen staksbeinig, mit gespitzten Ohren und einem in die Höhe gestreckten Hinterteil steht das Fohlen da. Kleiner als seine lebendigen Artgenossen ist die Bronzeskulptur auch. Gleichwohl aber wird das Kunstwerk wahrgenommen.

Häufig wird dem zierlichen Tier ein Grasbüschel oder eine Möhre vors Maul gelegt, klettern Kinder auf den Rücken hinauf und bei einer „Guerilla Knitting“-Kunstaktion wurden ihm sogar bunte Ringelgamaschen verpasst.

Renée Sintenis, die eigentlich Renate Alice Sintenis hieß, sich jedoch selbst diesen Künstlernamen verpasste, hatte 1918, im Jahr als das Postamt eröffnet wurde, ein Fohlen-Vorgänger-Modell angefertigt. Ein Jahrzehnt später schuf sie, in leicht geänderter Form, dieses Jungpferd, das, so klein es auch ist, dem Platz eine ganz eigene Aura verleiht.

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