Quartiersmanagement

Senat will Quartiersmanagement in Schöneberg beenden

Das Quartiersmanagement in Schöneberg soll 2020 enden. Stadtrat Jörn Oltmann (Grüne) fordert aber weitere Hilfe ein.

Das Rathaus Schöneberg (Archivbild)

Das Rathaus Schöneberg (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Berlin.  Nach Einschätzung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ist das Quartiersmanagement (QM) im Schöneberger Norden nur noch bis Ende 2020 nötig. Die Förderung aus dem Programm Soziale Stadt soll – nach dann 22 Jahren – entfallen. Für den zuständigen Stadtrat in Tempelhof-Schöneberg, Jörn Oltmann (Grüne), kommt diese Entscheidung jedoch zu früh: „Ab 2019 wollen wir an der Kurmärkischen Straße und Froben­straße den Campus der Generationen bauen – als Anker mit sozialer Infrastruktur im Gebiet. Ein Jugendfreizeitheim ist geplant, es gibt neue Angebote im Gesundheits- und Sozialbereich, auch etwa 100 neue Wohnungen in den oberen Etagen der geplanten Gebäude. Bis zur Fertigstellung brauchen wir noch vier weitere Jahre Quartiersmanagement im Schöneberger Norden“, fordert Oltmann. Ohne die Verlängerung stünden alle aufgebauten Netzwerke auf der Kippe, warnt er.

„So lange der Campus der Generationen mit den neuen sozialen Angeboten, die für das Quartier wichtig sind, nicht geöffnet hat, droht die Gefahr, dass alles Aufgebaute wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt“, sagt Oltmann. Trotz der in vielen Bereichen erfolgreichen Arbeit des QM sei das Quartier noch nicht ausreichend stabilisiert. Nach wie vor beziehe ein Drittel der Bewohnerschaft Transfereinkommen, es gebe eine Kinderarmut von mehr als 50 Prozent, und die Langzeitarbeitslosigkeit sei mit knapp 7,5 Prozent im Vergleich zur Gesamtstadt hoch. In den vergangenen zwei Jahren seien die Nachbarschaften im Gebiet zudem durch steigende Jugendgewalt, Drogenkonsum und -handel sowie Straßenprostitution belastet worden. Und es käme auch zu Konflikten durch den Zuzug neuer Nachbarn in die kostspieligen Neubauten. Auch dort sei noch Nachbarschaftsarbeit erforderlich – bis 2024 mit dem Team des Quartiermanagements.

17.000 Menschen wohnen im Schöneberger Norden

Im rund 80 Hektar großen QM-Gebiet des Schöneberger Nordens wohnen 17.000 Menschen. Vor allem Menschen mit kleinem und mittlerem Geldbeutel seien den Verdrängungsprozessen der wachsenden Stadt Berlin ausgesetzt, so Oltmann weiter. „Gerade diese Menschen brauchen aber eine funktionierende soziale Infrastruktur, die wiederum verdrängt wird, weil wir mittlerweile am Büroflächenmarkt das gleiche Phänomen wie auf dem Wohnungsmarkt beobachten“, so Oltmanns Erfahrungen aus seiner Arbeit als Stadtrat für Stadtentwicklung. Soziale Träger würden aus ihren Mietverträgen gekündigt und fänden keine bezahlbaren neuen Flächen. Oltmann will sich deshalb bei der Senatsverwaltung für die Fortsetzung des Quartiersmanagements einsetzen.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.