Berliner Perle

Ein Mann mit einem Faible für bunte Stoffe

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Franz Michael Rohm
Für "Berliner Perlen": Modegeschäft Meck & Sons in Friedenau; Frank Meck, Inhaber

Für "Berliner Perlen": Modegeschäft Meck & Sons in Friedenau; Frank Meck, Inhaber

Foto: Anikka Bauer

In Schöneberg führt Franz Meck mit seinem Modeladen „Meck &Sons“ einen Treffpunkt für Menschen mit Kultur.

Schaufenster sollen neugierig machen auf das Ladeninnere, Lust wecken, die Waren ansehen – um bestenfalls etwas zu kaufen. Insofern hat Frank Meck vieles richtig gemacht. Die breite Schaufensterfront am Varziner Platz lädt auf jeden Fall ein, den Blick in sein Geschäft „Meck & Sons“ zu lenken. Steht da eine knallbunte Fahrradrikscha neben den Damenkleidern, die luftig an der Stange hängen? Tatsächlich. Und zwischen den Jeans werden handwerklich hergestellte Biere von Berlinern Jungbrauern und Manufaktur-Spirituosen zum Kauf angeboten? Auch richtig. Demnächst soll es auch eine Markise und zwei Dutzend Stühle geben. Meck schwärmt von einem „Treffpunkt für Menschen mit Kultur“.

Beim morgendlichen Besuch kommt noch vor offizieller Öffnungszeit eine Kundin ins Geschäft. Sie war mit ihrer Tochter hier, jetzt sucht sie eine Hose. Nach etwas mehr als einem Jahr am Platz kann sich Meck nicht beschweren. „Es läuft“, sagt der 50-Jährige. Seit 20 Jahren lebt der gebürtige Kreuzberger im Kiez, dem Wagnerviertel. Entwickelt wurde es vor gut 100 Jahren vom Boden- und Baulöwen Salomon Haberland, der auch den Viktoria-Luise-Platz, das Bayerische Viertel und den Rüdesheimer Platz als Bauland für bürgerliche Wohnhäuser aufkaufte, und teilweise selber bebaute. Einstmals befand sich in dem Erdgeschoss des Jugendstilhauses wohl eine Bäckerei mit Ladenverkauf, zuletzt versuchten sich eine medizinische Fußpflege und eine Art Späti in den zwei Ladengeschäften, bevor sie viele Jahre leer standen.

Auch das Sakko ist selbst entworfen und geschneidert

Frank Meck hatte schon länger ein Auge auf die dunklen Löcher direkt am S-Bahnhof Bundesplatz. Und er hatte die Ausdauer mit den Eigentümern so lange zu verhandeln, bis er einen Mietvertrag für die 90 Quadratmeter besaß. Dann begann der Umbau. Eine Wand aus grünem, weißen und gelben gezogenem Englischen Glas wurde versetzt, ein Durchbruch gemacht, ein weißkohlfarbenes Empire-Büffet bei Ebay ersteigert und eingepasst, zwei Zentimeter Beton über alten Dielen eigenhändig abgeschlagen. „Das würde ich nicht noch einmal machen, es war unglaublich anstrengend“, sagt Meck und zieht sein Sakko glatt. Feines Fischgrätleinen in Grau-Weiß, selbst entworfen und geschneidert, ein dunkelblaues Seiden-Einstecktuch mit Paisley-Muster zeugt von Stil, dazu trägt er weißes Poloshirt, Jeans und Turnschuhe.

28 Jahre lang ist Frank Meck in der Textilbranche unterwegs, hat nach dem Abitur Textil-Betriebswirtschaft an der einzigen Fachhochschule dafür im baden-württembergischen Nagold studiert. Es folgten unterschiedliche Jobs bei Labels wie Diesel und Tom Tailor. Meck war in der großen weiten Welt der Textilindustrie unterwegs, besuchte Produktionsstätten in Bangladesch, Indien, der Türkei, hatte einen eigenen Showroom für eine italienische Nobelmarke, die ihn kalt abservierte. Musste wieder ganz von vorn anfangen, als Vater von vier Kindern fünf Tage die Woche in Baden-Württemberg arbeiten, nur am Wochenende die Familie sehen. Aber er hatte seinen Traum. Den hat er mit „Meck & Sons“ verwirklicht. Sein Konzept: fair gehandelte Textilien in Bioqualität, wenn möglich GOTS-zertifiziert. Einer der wenigen geschützten Titel im Textilbereich, er steht für Global Organic Textile Standard.

„Meck & Sons“ vermittelt den Eindruck von Wertigkeit, den viele mit teuer übersetzen. Doch schnell wird klar, Mecks Kalkulation gehört in die Kategorie preiswert. Sprich, seinen Preis wert. Eine fair gehandelte Jeans in Bioqualität vom Kölner Label Armedangels kostet 100 Euro, die der Nobel-Ökomarke Bleu de Gênes 50 mehr. Für die deutschlandweit exklusiven Herrenhemden von Liberty aus Oxford müssen 120 Euro hingelegt werden, „weniger als in London“, versichert Frank Meck. Auch feine Stoffmuster können sich Kunden aussuchen und wenige Tage später beispielsweise einen Anzug in passender Größe anprobieren. „Das geht schon ab 400 Euro, ohne Kaufzwang“, erklärt er.

Klassische Jägertaschen aus Leder sind in diesem Jahr in

Für Mädchen und Frauen hat Meck Ware von Magic Woman im Sortiment, die diesen Sommer viel mit Drucken arbeiten, und Mode von Soulmate. Auch Accessoires wie Taschen hält Meck vor, alles persönlich ausgesucht. „Dieses Jahr sind klassische Jägertaschen aus Leder in, und Kunststoff-Taschen im Issey Miyake-Stil, allerdings etwas preiswerter, um 70 Euro das Stück.“ Sogar Bio-Mode mit Schnitten wie beim Top-Designer sind statt für mehr als 1000 Euro für unter 100 im Angebot.

Als Grundvoraussetzungen eines Mode-Verkäufers nennt Meck „Persönlichkeit, Sachkompetenz, Ehrlichkeit und Freundlichkeit“. Diese Mischung vereint er in seinem Modegeschäft der besonderen Art. Kundinnen und Kunden die größere Einkäufe tätigen, erhalten schon mal eine Flasche Grauburgunder, Muskateller oder Rosé als Geschenk. Die Flaschen stehen im Regal hinter der indischen Rikscha. „Ich habe ein Faible für bunte Stoffe und für leuchtende Gebrauchsgegenstände“, sagt Frank Meck.

Meck & Sons Varziner Str. 3, Friedenau, Tel. 0173-616 54 48, Mo-Fr 11-19, Sbd 11-16 Uhr, und nach Vereinbarung, Infos über Facebook