Tempohomes

Streit über Flüchtlingscontainer auf dem Tempelhofer Feld

Die geplanten Tempohomes stoßen auf wenig Gegenliebe. Bei einer Bürgerversammlung gab es kontroverse Diskussionen.

976 Tempohomes sollen bis Juli auf dem Tempelhofer Feld entstehen

976 Tempohomes sollen bis Juli auf dem Tempelhofer Feld entstehen

Foto: dpa Picture-Alliance / Emmanuele Contini / picture alliance / NurPhoto

Am Ende des Abends kochte die Stimmung hoch. Mikrofon unnötig. Die Stimmen waren laut genug. "Müller muss weg", rief ein Gegner des geplanten Containerlagers. "Wir trauen euch nicht!" ein anderer. Moritz Wittler, Linke-Sprecher für Neukölln, wandte sich gegen seine Parteikollegin Elke Breitenbach: "Ich finde es krass, dass du dich für die falsche Politik der SPD hinhältst." Die Sozialsenatorin hielt dagegen: "Das ist Koalitionspolitik. Wenn hier einer pöbelt, dann pöble ich zurück."

Zum ersten Mal hatte der Berliner Senat zu einer Bürgerversammlung im Heimathafen Neukölln geladen, um die geplante temporäre Flüchtlingssiedlung auf dem Gelände des Tempelhofer Feldes öffentlich zu besprechen. Doch die Diskussion entglitt an einigen Stellen. Zu teuer, zu intransparent, so die Vorwürfe. Gegner von der Bürgerinitiative "100 % Tempelhofer Feld" befürchten, dass mit der Siedlung das derzeitige Bauverbot auf dem Gelände ausgehebelt werden könnte. "Hände weg vom Wiesenmeer" war auf einigen Transparenten zu lesen. Ein Anwohner forderte, Flüchtlingssiedlungen über die Stadt stärker zu verteilen: "Wir wollen kein Getto im Zentrum von Berlin."

Breitenbach verteidigte die geplanten Container. "550 Personen sind noch in den Hangars auf dem Tempelhofer Feld untergebracht", sagte sie. "Schöner wohnen sieht anders aus. Wir brauchen Alternativen." Die Linkspartei sei prinzipiell gegen die Tempohomes. Ihre Errichtung auf dem Tempelhofer Feld sei als Übergangslösung zu verstehen: "Bis Ende 2019 sind die Container abgebaut."

Aus dem Publikum raunte es. Die Suche nach geeigneten Alternativen nach 2019 verläuft schleppend. "In welchem Bezirk auch immer wir nach freistehenden Grundstücken anfragten, die Nachbarschaft war selten begeistert", sagte Staatssekretärin Margaretha Sudhof (SPD). "In den Innenstadtbezirken war die Bereitschaft zur Integration noch am größten."

"Mit Tempohomes nur ein Zeitfenster erkämpft"

Monika Herrmann (Grüne), Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, äußerte sich zurückhaltend: "Mit den Tempohomes haben wir uns nur ein Zeitfenster erkämpft", sagte sie. Herrmann schlug vor, leer stehende Gebäude und Ferienwohnungen als Flüchtlingsunterkünfte zu nutzen: "Mit Neubauten werden wir das nicht schnell genug schaffen." Unbeantwortet blieb, warum die Container nicht auf dem asphaltierten Vorplatz des ehemaligen Flughafengebäudes errichtet werden.

Bis Juli 2017 sollen auf dem Tempelhofer Feld 976 temporäre Wohncontainer entstehen, für bis zu 1100 Personen. In die Container sollen hauptsächlich Bewohner der Hangars und der Notunterkunft im Internationalen Congress Centrum (ICC) umgesiedelt werden. Seit Februar laufen die Bauarbeiten. Zur Aufhebung des Bauverbotes war eine Änderung des per Volksentscheid durchgesetzten Tempelhofer-Feld-Gesetzes notwendig. Die Kosten schätzt der Senat auf 17 Millionen Euro.

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