Street Art in Berlin

"The Haus" in Schöneberg - So sieht's innen aus

Das Street-Art-Projekt „The Haus“ in Schöneberg öffnet am 1. April. Die Morgenpost hat sich in der Nürnberger Straße umgeschaut.

"The Haus": 5 Etagen Streetart in Berlin

An der Nürnberger Straße in Charlottenburg dürfen sich temporär Streetart-Künster austoben. Sonnabend ist Eröffnung.
Sa, 11.03.2017, 17.07 Uhr

"The Haus": 5 Etagen Streetart in Berlin

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Die Kunst sticht einem gleich in die Nase. Ein Schritt in das verlassene Gebäude der Volksbank in der Nürnberger Straße und man riecht es: Hier wird Indoor-Streetart gemacht. Der Geruch von frischem Lack und Farbe schießt einem durch die Nasenlöcher.

Im Berliner Westen, ganz in der Nähe des Kurfürstendamms, ist in den letzten Monaten ein einzigartiges Kunstprojekt entstanden. Zutaten: Mehr als 170 Künstler aus Berlin und der Welt, 2000 Sprühdosen, Tausende Liter Wandfarbe, 200 Kisten Bier. Ergebnis: The Haus, die, so heißt es, größte temporäre Street-Art-Galerie der Welt. Am 1. April ist Eröffnung. Die Berliner Morgenpost nahmen die Macher vorab auf einen Rundgang mit.

Die Macher, das sind Jörni, Kimo und Bolle, bekannt als Berliner Street-Art-Combo "Die Dixons". Ihr Hauptquartier haben sie im Erdgeschoss aufgeschlagen, samt Jägermeister-Zapfanlage und einem wandfüllenden Terminkalender. Insgesamt 105 Flächen haben die Künstler gestaltet. Graffitis, Raumkonzepte, Lichtinstallationen.

"Ansage Nummer eins war: Abliefern, Digger!"

Gab es Vorgaben? Kimo mit dem glattrasiertem Kopf, dem Rauschebart, dem Khaki-Hemd, zieht an seiner Zigarette, grinst schelmisch. "Ansage Nummer eins war: Abliefern, Digger! Ansage zwei: Hier ist dein Raum, mach was du willst damit. Ansage Nummer drei: Abliefern, Digger!"

Und so sind auf fünf Stockwerken knapp 80 individuell Kunsträume entstanden. Im ersten Stock steht man plötzlich in einem grauen Straßenzug, in der Ecke ragt ein Strommast empor, geht nahtlos von Farbe in Form über, die Stromdrähte hängen bauchig von der Decke. Ein paar Schritte weiter ein neuer Raum. In der Mitte eine dunkelblaue Plastik, schwebt wie ein berstendes Raumschiff in der Mitte des Raumes, verschmilzt mit den kantigen Formen an Wand, Fußboden, Decke. Mehrere Wochen hat sich der Künstler hier eingesperrt, gezimmert, gesprüht, gemalt.

Was die Macher nicht wollen: Hashtags und massenweise Fotos im Netz

Es sind eigene Welten, die sich einem beim Betreten der Räume auftun. Sie wollen durchschritten, ertastet, erlebt werden. Das ist auch den Dixons wichtig. "Wir wollen von den Leuten, dass sie ihren Arsch hochkriegen, hier herkommen und sich wirklich auf die Räume einlassen", sagt Jörni mit der schiefen Basecap. Was sie nicht wollen: Hashtags, massenweise Fotos im Netz, Datenleichen, wie Jörni es nennt. Wer ab 1. April The Haus besuchen will, muss deswegen am Eingang sein Smartphone abgeben. Die Urban-Art-Galerie soll zu Fuß besucht werden, nicht über die Sozialen Netzwerke und Whatsapp-Fotos von Freunden.

"Wer nicht herkommt, der hat dann einfach Pech gehabt", sagt Kimo. Und das ist wörtlich gemeint. Ende Juni ist Schluss, Abrissparty. Und auch das ist wörtlich gemeint. "Wie das genau aussehen wird, sagen wir noch nicht, aber es wird wild", wieder dieses Schelmgrinsen bei Kimo. Nach der Abrissparty übernimmt die Immobilienfirma Pandion wieder das Kommando in The Haus. Die hat es den Künstlern zur Zwischennutzung überlassen. Dann pflügt die Abrissbirne durch das alte Bankgebäude, es verschwindet samt aller Kunstwerke.

Der Wald im zweiten Stock etwa, die schwarz wuchernden Buchstaben, die sich im Gang an Wand und Decke krallen, die dreidimensionalen Schriftzüge aus Wolle oder der Feuersäule, die aus einem kaputten Fernseher im Treppenhaus emporsteigt.

Buch und App zu The Haus

Seit Januar arbeiten die Dixons und die vielen Sprayer und Künstler an The Haus. Ist es nicht schade, wenn das alles nach nur ein paar Wochen wieder wegkommt? "Nö", sagt Jörni. Die Message soll lauten: Egal wer du bist, egal wie du heißt und was du machst, nimm dir die Zeit, um Dinge zu schaffen und Geschaffenes wirklich zu erleben, bevor es zu spät ist.

Eine Trick gibt es dann doch, um das Vergängliche festzuhalten. Es gibt ein Buch über The Haus zu kaufen. Und es soll eine App geben, wer dann mit dem Smartphone über die Seiten fährt, kann ein 360-Grad-Video des jeweiligen Raumes sehen. Also doch Datenleichen. Dafür ist der Eintritt frei.

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