Schöneberg

Gäste bleiben aus Angst fern: „Lieblingsbar“ muss schließen

Díe „Lieblingsbar“ in Schöneberg war eine Institution in der Gay-Szene. Jetzt ist sie geschlossen. Weil die Gäste aus Angst wegblieben.

Tresen in einer Bar (Symbolbild)

Tresen in einer Bar (Symbolbild)

Foto: picture-alliance/ZB

Seit dem 1. November ist der Schwulenkiez in Schöneberg um eine Kneipe ärmer. Bereits zum 1. November machte Betreiber Thorsten Baumert alias „Herrin deluxe“ nach nur zwei Jahren die Bar dicht. Grund: die steigende Kriminalität im Kiez rund um die Eisenacher Straße, die laut Baumert dazu führte, dass am Ende immer mehr Gäste aus Angst wegblieben.

Die Situation hat sich immer mehr zugespitzt“, sagte Kneipenchef Thorsten Baumert am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte das Magazin „Siegessäule“ berichtet. Seien es zu Beginn Taschendiebstähle gewesen, komme es heute vermehrt zu Raubüberfällen und Körperverletzungen, sagte Baumert. „Am Ende blieben die Gäste aus.“

Uli Menze, Inhaber der „Tabasco“-Bar einen Hausblock weiter, teilt Baumerts Einschätzung. „Die Vorfälle haben in den letzten fünf Jahren extrem zugenommen.“ Die Gästezahl sei in den vergangenen zwei Jahren um etwa 30 Prozent gesunken - bei allen Barbetreibern im Viertel. Viele Gäste würden schon auf dem Weg in den Kiez überfallen und blieben daher fern, sagte Menzel. Die Berliner Polizei äußerte sich nicht zu einer möglichen Zunahme der Kriminalität im Kiez.

Thorsten Baumert hatte die „Lieblingsbar“ in der Eisenacher Straße vor rund zwei Jahren als Ableger der Kreuzberger Bar „Rauschgold“ eröffnet. Die Polizei sei zwar präsenter als früher, aber komme nicht hinterher. Der „ Siegessäule“ sagte Baumert, er habe mit der Zweigstelle des „rauschgold“ erst einmal abgeschlosssen. Zum Abschied erhoffe er sich, dass der Kiez „irgendwann mal wieder ein bisschen bunter wird“. „Dieser Kiez gilt in der Welt als eines der Aushängeschilder für schwules Leben, und ich wünsche mir, dass er das auch mal wieder wirklich wird. Momentan ist er das meiner Meinung nach nämlich nicht mehr“, sagte Baumert der Siegessäule.