Ex-Flughafen

Flaniermeile auf dem Dach von Tempelhof

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Isabel Metzger
Das Dach des ehemaligen Flughafens soll begehbar in einigen Jahren werden. Denn Tempelhof ist bei Touristen, aber auch bei den Berlinern beliebt. Der Senat fördert das Projekt

Das Dach des ehemaligen Flughafens soll begehbar in einigen Jahren werden. Denn Tempelhof ist bei Touristen, aber auch bei den Berlinern beliebt. Der Senat fördert das Projekt

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Für 20 Millionen Euro soll der einstige Flughafen Tempelhof wieder flott gemacht werden. Dazu gehört auch eine Flaniermeile auf dem Dach.

Die Rolltreppen im ehemaligen Flughafengebäude am Tempelhofer Feld stehen still. Das Klappern der Schuhabsätze, das Rattern der Trolleys auf den grauen Steinfliesen ist verstummt. Nur die Lichtreklame für das Restaurant flackert noch im Obergeschoss der Check-In-Halle. Doch immer mehr Schulklassen und Touristengruppen zieht es hinter die Fassaden des ehemaligen Flughafengebäudes. In geführten Touren lassen sie Besucher den Filmbunker, die Luftschutzkeller, die Sporthalle im Obergeschoss zeigen – und seit Anfang des Jahres auch die Dachterrassse. Im Rahmen eines Förderprojektes der Senatswirtschaftsverwaltung soll das ehemalige Flughafengebäude deshalb jetzt zu einem Touristenziel ausgebaut werden.

20 Millionen Euro will der Senat aus den Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) locker machen, um den ehemaligen Flughafen wieder auf Vordermann zu bringen: mit einer Flaniermeile über das 1,2 Kilometer lange Dach, einem Wegleitsystem und einem Besucherzentrum. Bis 2020 soll das Projekt abgeschlossen sein. Am Freitag fiel der Startschuss. Henner Bunde, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Umwelt, übergab der Tempelhofer Projekt GmbH einen Bewilligungsbescheid von 882.000 Euro, auf dem Dach der Haupthalle.

„Take-off für Touristenprojekt“

Mit dem Geld sollen in den nächsten Monaten erst einmal 177 Schilder auf dem Flughafengelände aufgestellt werden. Ab sofort laufen die europaweiten Ausschreibungen, beginnt die Produktion der ersten Prototypen. Bis Ende kommenden Jahres sollen die Schilder stehen, darunter Infotafeln mit einer Übersicht über das Gebäude, Richtungsweiser, Veranstaltungshinweise. Außerdem sollen Beschilderungen mit Leuchtbuchstaben die Eingänge an den sieben Hangars kennzeichnen. „Das Gebäude übt eine Magnetkraft aus, steht für die Teilung Deutschlands, den Kalten Krieg“, so Bunde. „Mit dem ersten Bewilligungsbescheid feiern wir den Take-Off für das Tourismusprojekt.“

Bislang existiert noch kein einheitliches Beschilderungssystem für den ehemaligen Flughafen. „13 Türme und sieben Hangars – wer soll sich da als Besucher zurechtfinden?“, fragte Bunde. Ziel der ersten Projektphase ist es, Besuchergruppen künftig besser über das Gelände zu schleusen. In einem nächsten Schritt soll eine Infozentrale die Touristen auffangen. Abschließend will die Projektgruppe auch das Dach des Gebäudes begehbar machen. „Wir möchten, dass unsere Besucher die ganze Größe des Gebäudes, die Weite des Tempelhofer Feldes erleben können“, sagt Bunde am Freitag.

Der Wind pfeift durchs Geländer

Mit dem Projektteam steht er auf der Dachterrasse der Haupthalle. Das Tempelhofer Feld hat er im Rücken. Der Wind pfeift durchs Geländer. Unten queren Spaziergänger das ehemalige Rollfeld. Künftig könnten sie den Park auch von weiter oben betrachten. Der überdachte Laubengang, der an der Ostseite am Dach des Gebäudes entlang führt, soll saniert und für Touristen erschlossen werden.

„Dort möchten wir auch die wechselvolle Geschichte des Gebäudes darstellen“, sagte Gabriele Kaupmann, Leiterin für Bauliche Sonderprojekte von der Tempelhof Projekt GmbH. Infotafeln seien zum Beispiel vorstellbar. Die genauen Ausführungen seien allerdings noch ungeklärt. „Das ist ein Arbeitstitel. Es gibt finanzielle Mittel. Das ist zwar toll. Aber wir haben jetzt erst mal die Aufgabe herauszufinden was überhaupt möglich ist“, sagte Kaupmann. Unklar sei noch, welche Teile des Daches überhaupt für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Unter dem ehemaligen Flughafen liegen Bahntunnel. Das Hauptgebäude entstand in den 1930er Jahren. Die detaillierten Baupläne sind nicht mehr erhalten. „Das Thema Statik wird uns hier noch länger beschäftigen“, sagte Bunde am Freitag. „Die Flughafenhangars wurden nun mal nicht konzipiert, um Besuchermassen zu tragen. Sondern um Flugzeuge unterzustellen.“

Hoher behördlicher Aufwand

Die Projektgruppe rechnet mit hohem behördlichem Aufwand. „Wir müssen die Rettungswege, Feuerwehranfahrten, die barrierefreie Zugänglichkeit belastbar planen können“, sagte Kaupmann. Ungeklärt ist auch noch, wie die Besucher zu der geplanten Geschichtsmeile gelangen sollen. „Der Zugang über das Hauptgebäude ist zu umständlich“, sagte Kaupmann. Denkbar sei es hingegen, die schon bestehenden Treppen an den Seitentrakten auszubauen. Ob wirklich die gesamten 1,2 Kilometer in eine Besuchermeile umfunktioniert werden können, ist noch unsicher. „Auch wenn es so aussieht, aber hier ist längst nicht alles tragfähig“, sagte Kaupmann. „Das hier ist noch eine Machbarkeitsstudie.“ Trotzdem ist sie zuversichtlich. „Es sieht gut aus“, sagte sie am Freitag. Nach der Sommerpause rechnet sie mit definitiven Ergebnissen. „Dann können wir auch langfristige Beplanungsoptionen auf den Tisch legen. Ziel ist: so viel wie möglich.“ Bis Ende 2020 soll die Flaniermeile fertig sein.

Die Projektgruppe startete 2013 mit der Konzeption. „Wir haben es hier mit einem Denkmal zu tun“, sagte Kaupmann. „Das dauert in der Regel.“