Schöneberg

Muslimisches Gräberfeld auf einem evangelischen Friedhof

Auf dem Friedhof der Zwölf Apostel Kirchengemeinde wird ein muslimisches Gräberfeld eröffnet. Dass die Gemeinde Vorreiter ist, liegt auch daran, dass ein Pfarrer mit einer Muslima verheiratet ist.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, darüber herrscht in größeren Teilen der Gesellschaft Konsens. Über die daraus resultierenden Konsequenzen aber wird gestritten. Beispielsweise die Frage nach der Bestattung. „Für viele Glaubensgemeinschaften gehört der Tod zum Leben“ – mit diesen Worten führte Umweltstaatssekretär Christian Gaebler am Dienstag bei einer Pressekonferenz in ein durchaus heikles Thema ein: Bestattungen nach islamischem Ritus. Die gibt es bereits, aber ihre Zahl ist überschaubar. Es sollen so um die 200 im vergangenen Jahr in Berlin gewesen sein, verlässliche Statistiken gebe es darüber nicht, räumte die Senatsverwaltung ein. Man rechnet allerdings damit, dass die Nachfrage in den kommenden Jahren deutlich steigen wird, weil zahlreiche Muslime, die in Berlin geboren sind, die Stadt als ihre Heimat betrachten – und anders als viele aus der ersten Generation auch hier begraben werden möchten.

Das ist klassischerweise ein Fall für die Bezirke, die für die städtischen Friedhöfe zuständig sind. Während nach Angaben von Gaebler derzeit noch untersucht wird, welche Flächen an welchen Orten sich für muslimische Gräberfelder eignen würden, geht die in Schöneberg ansässige Evangelische Zwölf Apostel Kirchengemeinde voran: Sie ist Träger dreier Kirchhöfe, wie Burkhard Bornemann, der Superintendent des Kirchenkreises Schöneberg, am Dienstag sagte. Und weil die Gemeinde schon länger einen interkulturellen Dialog führt, hat sie sich entschlossen, den Worten Taten folgen zu lassen: Am 10. Juni wird auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhof am Werdauer Weg 5 ein Gräberfeld für muslimische Bestattungen eröffnet. Das erste in Berlin auf einem evangelischen Friedhof – der auch ein evangelischer Friedhof bleibe, wie der Superintendent betonte. Dort sollen knapp 350 Grabstellen entstehen.

Nicht für die Ewigkeit

Dass die Kirchengemeinde Vorreiter ist, was der Staatssekretär lobend erwähnte, liegt auch daran, dass der von 1990 bis 2013 amtierende Pfarrer Andreas Fuhr mit einer Muslima verheiratet ist. Das hat den Kontakt zu der benachbarten Semerkand Moscheegemeinde erleichtert, den Dialog gefördert und wohl auch Vorbehalte ausgeräumt. Besonders in Süddeutschland wird ja mitunter sehr engagiert darüber diskutiert, ob das geht, dass Muslime auf einem christlichen Friedhof bestattet werden.

Und umgekehrt gibt es die Debatte natürlich auch, wie Ferid Caliskan vom Vorstand der Semerkand Moscheegemeinde einräumt. Christliche Symbole, Ungläubige in der Nähe und die Ausrichtung der Grabstellen Richtung Mekka sind da kleinere Problem. Zu einer Bestattung nach islamischem Ritus gehört eine Waschung und das Einwickeln des Leichnams in ein Leinentuch, vorzugsweise kommt der Tote ohne Sarg in die, idealerweise, jungfräuliche Erde und bleibt dort liegen bis in alle Ewigkeit. Letzteres ist mit der Berliner Friedhofsverordnung nicht kompatibel, hier sind die Ruhezeiten meist auf 20 Jahre beschränkt – teilweise mit Verlängerungsoption.

Weil die Kapazitäten auf dem Friedhof Columbiadamm in Neukölln erschöpft sind, sollen laut Gaebler muslimische Grabfelder auch auf anderen landeseigenen Friedhöfen zur Verfügung gestellt werden, ab 2016 beispielsweise 125 auf dem Friedhof Ruhleben in Charlottenburg-Wilmersdorf.